Neurofeedback bei Angstzuständen

Neurofeedback ermöglicht es, die Gehirnwellen zu beeinflussen. Diese Methode kommt unter anderem bei Angstzuständen zum Einsatz.
Neurofeedback bei Angstzuständen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2022

Neurofeedback ist eine computergestützte Methode, die das Mentaltraining ermöglicht. Anhand der Analyse der EEG-Signale (Elektroenzephalografie) berechnet der Computer ein audiovisuelles Feedback über die Gehirnaktivität. Diese Technik kommt bei verschiedenen Störungen zum Einsatz, unter anderem bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Schizophrenie, Schlaflosigkeit, Drogensucht, Autismus, Angstzuständen…

Wir erklären heute Interessantes über die Anwendung dieser Methode bei Angstzuständen.

Neurofeedback bei Angstzuständen
Neurofeedback kann die subjektiv und objektiv empfundene Angst reduzieren.

Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist eine spezielle Form des Biofeedbacks, die sich auf die elektrophysiologische Aktivität des Gehirns konzentriert. Die elektroenzephalografischen Gehinrströme werden durch Sensoren am Kopf überwacht und analysiert.

In der Regel erfolgt dieser Prozess in folgenden Schritten (Collura, 2014):

  1. Erzeugung von EEG-Aktivität im Gehirn
  2. Aufzeichnung der EEG-Aktivität
  3. Umwandlung von EEG-Signalen in Computersignale
  4. Computerverarbeitung der Signale
  5. Umwandlung dieser Signale in sensorische Signale: visuell, auditiv oder taktil
  6. Präsentation der Ergebnisse
  7. Der Patient oder die Patientin lernt, die Signale zu verändern.

Das Neurofeedback hat zum Ziel, bestimmte Ereignisse und deren Auswirkungen auf die Gehirnaktivität zu erkennen, um sie beeinflussen zu können. Es geht also darum, die eigenen Gehirnwellen gezielt zu verändern. Es handelt sich um eine nicht-invasive Behandlung, die das Gehirn trainiert, um seine Funktionen zu verbessern. Mit dieser Technik können unter anderem Angstzustände therapiert werden.

Angstzustände

Angst ist eine komplexe kognitive, psychologische und emotionale Reaktion, um uns auf Bedrohungen oder gefährliche Situationen vorzubereiten. Die häufigsten Symptome sind:

  • Erregung
  • Spannung
  • Gefühl der Müdigkeit
  • Schwindelgefühl
  • Häufiges Wasserlassen
  • Herzklopfen
  • Ohnmachtsgefühl
  • Atembeschwerden
  • Schwitzen

Angst führt zu Veränderungen der Aufmerksamkeit und Gehirnaktivität (Barker et al., 2018). Außerdem verändert sie den Ruhezustand neuronaler Netzwerke. Die Theorie der Aufmerksamkeitskontrolle untermauert dies: Im Mittelpunkt dieser Theorie steht die Vorstellung, dass Angst begrenzte Ressourcen und kognitive Reserven beansprucht, die normalerweise für die Aufmerksamkeitskontrolle zur Verfügung stehen. Dies führt zu einer ineffizienten Aufgabenverarbeitung und einer beeinträchtigten Fähigkeit, negative Gedanken und Sorgen zu unterdrücken.

Diese Theorie sagt ein Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Aufmerksamkeitssystemen voraus (z.B. zielgerichtete, reizgerichtete und reaktive Aufmerksamkeit). Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich in einer reduzierten Funktionalität zwischen zwei Bereichen wider:

  • Dorsolateraler präfrontaler Kortex: Teil des frontoparietalen oder exekutiven Kontrollnetzwerks, das für die Aufmerksamkeitssteuerung zur Erreichung eines Ziels zuständig ist.
  • Anteriores Cingulum: Teil des cingulo-operculären Netzwerks, das für die Fehlerkontrolle zuständig ist.
Frau mit Angst benötigt Neurofeedback
Angst verursacht Veränderungen der Gehirnaktivität.

Neurofeedback bei Angstzuständen

Wissenschaftler behandelten eine Gruppe von Menschen mit starken Angstzuständen in einem kontrollierten Experiment mit Neurofeedback und konnten eine Verstärkung der Verbindungen zwischen den beiden neuronalen Netzwerken beobachten. Die Teilnehmenden mussten gleichzeitig ihre Angstzustände beschreiben und das Forscherteam stellte fest, dass sie geringer waren.

Das Neurofeedback verbessert bei Angstzuständen auch die Achtsamkeit, was die Gehirnaktivität positiv beeinflussen könnte.

In einer anderen Studie konnten Menschen mit starken Angstzuständen durch Neurofeedback ihre Alphawellen erhöhen, was zu signifikanten Verbesserungen ihres Zustands führte. Ein Jahr später wiederholte die Wissenschaftler Watson, Woolley-Hart und Timmons (1979) dieses Experiment mit einer größeren Stichprobe und konnten die Ergebnisse bestätigen.

In anderen Untersuchungen mit Patienten, die seit Langem unter Angstzuständen litten und auf andere Psychotherapien oder Medikamente nicht ansprachen, wurde mit Neurofeedback in nur 6 Sitzungen ein Anstieg der Alphawellen erzielt, die gegen Angst helfen. Diese Wellen verbessern die Fokussierung und reduzieren Ablenkungen, Grübelei und negative Emotionen.

Das Training mit erhöhten Theta-Wellen, die mit positiven emotionalen Zuständen in Verbindung gebracht werden, hat ebenfalls Vorteile. Die Teilnehmer berichteten über geringere subjektive und objektive Angstzustände, nachdem sie an einem Training zur Erhöhung der Alpha- und Theta-Wellen teilgenommen hatten (Vanathy, Sharma & Kumar, 1998). Eine andere Studie zeigte ebenfalls, dass Neurofeedback bei Patienten im Alter von 18 bis 50 Jahren mit generalisierter Angststörung folgende positive Wirkungen hat:

  • Verringerung der Angstsymptome
  • Verbessertes soziales und psychologisches Funktionieren
  • Rückgang der Symptome und Steigerung des sozialen und psychologischen Funktionsniveaus

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Wirkung von Neurofeedback in einigen Studien nicht nachgewiesen werden konnte. Dennoch ist es eine alternative oder ergänzende Therapiemöglichkeit, die Menschen helfen kann, ihr Gehirn zu trainieren, um Angstsymptome zu reduzieren.

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