Neue Abhängigkeiten: Klassifikation und Intervention

20. September 2019
Die Welt verändert sich ständig und mit ihr die Phänomene, die Pathologien auslösen. Heute werden wir über neue Abhängigkeiten nach dem Klassifizierungssystem von Vicente Caballo sprechen.

Die Sucht ist eines der größten psychischen Probleme, ganz zu schweigen davon, dass sie zu jenen gehört, die am schwierigsten zu behandeln sind. Eine Abstinenz ist so unangenehm, dass es für Patienten sehr kompliziert ist, ihrer Sucht nicht doch nachzugeben. Neben den klassischen Suchtkrankheiten, mit denen jeder vertraut ist, wie zum Beispiel Drogen oder Glücksspiel, gibt es neue Abhängigkeiten, die erst vor kurzem aufgetaucht sind.

Drogen haben die Fähigkeit, das Gehirn kurzfristig mit einer starken sofortigen Befriedigung zu versorgen. Darüber hinaus können sie auch negative Gefühle lindern. Zum Beispiel kannst du nach Drogen suchen, mit denen du dich gut fühlst, wenn du schlechte Nachrichten erhalten hast oder einen schlechten Tag hattest.

Gleiches gilt für Langeweile und Wut. Durch einen Prozess der negativen Verstärkung dämpfen Drogen die Gefühle, die du selbst nicht tolerieren möchtest oder kannst. So wirst du Schritt für Schritt abhängig von ihnen.

Immer mehr Menschen können es heutzutage nicht mehr ertragen, etwas zu wollen und nicht sofort zu haben. Ob Informationen von jemandem in deinen sozialen Netzwerken, dem Stillen von Hunger oder die Notwendigkeit, produktiv zu sein, um nur einige Beispiele zu nennen.

Diese neuen Abhängigkeiten sind noch nicht Teil des diagnostischen Klassifizierungssystems, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie in naher Zukunft darin mit einbezogen werden. Tatsächlich weisen sie die gleichen klinischen Merkmale wie die Einnahme von bestimmten Substanzen auf: Kontrollverlust über das Verhalten, psychische Abhängigkeit, Toleranz und Abstinenz.

Neue Süchte schließen Handysucht ein.

Einige Arten von neuen Abhängigkeiten

Nun werden wir dir einige Arten von neuen Abhängigkeiten erläutern, die vom Autor Vicente Caballo vorgeschlagen wurden. Es ist möglich, dass du dich mit einigen von ihnen identifizieren kannst, weil sie zu einem Teil des täglichen Lebens der meisten Menschen geworden sind. Außerdem sind sie völlig legal, gesellschaftlich akzeptiert und normalisiert.

Dennoch ist es wichtig, diese Abhängigkeiten zu identifizieren und sie zu bekämpfen. Wenn wir es nicht rechtzeitig tun, werden sie chronisch und können deine sozialen und familiären Beziehungen beeinträchtigen und Probleme in Schule und Beruf verursachen.

Die Internetsucht

Eine Person ist süchtig nach dem Internet, wenn sie es weniger zum Auffinden von Informationen als vielmehr als eine Art psychologische Flucht aus ihrem wirklichen Leben nutzt.

Menschen mit Internetabhängigkeit surfen zwischen 4 und 80 Stunden pro Woche im Internet. Manche Sitzungen können bis zu 20 Stunden am Stück dauern. Sie neigen dazu, Stimulanzien wie Kaffee zu verwenden, um länger wach zu bleiben.

Menschen mit Internetabhängigkeit verbergen normalerweise ihr Verhalten und verspüren ein starkes Bedürfnis, das Internet zu nutzen. Einige Menschen, die vom Internet abhängig sind, leiden unter gesundheitlichen Folgen wie dem Karpaltunnelsyndrom.

Dazu gibt es auch noch bestimmte Kategorien von Internetsucht, wie Cybersexsucht oder Chatroomsucht. Letztere vermittelt dem Benutzer ein Gefühl von Intimität und Verbundenheit. Das Gefühl, in eine Gruppe aufgenommen zu werden, ist sehr wichtig für die betreffende Person.

Die Handysucht

Handys regen die Belohnungszentren des Gehirns ständig an. Alles ist in Echtzeit und unmittelbar. Wenn Menschen ihre Handys benutzen, fühlen sie sich von ihrer digitalen Community akzeptiert. Dies ist einer der Gründe, warum sie so süchtig machen.

Die Genesung von einer Handy-Abhängigkeit ist tatsächlich einer der kompliziertesten Wiederherstellungsprozesse. Das liegt daran, dass Mobiltelefone heutzutage so verbreitet sind, dass sie zu einer echten Notwendigkeit werden.

Die Nahrungsmittelsucht

Sie wird auch als „hyperphagische Sucht“ bezeichnet und zeichnen sich durch unersättliches Essen aus. Es geht darum zu essen, bis man sich unwohl, schuldig und schlecht fühlt.

Die Nahrungssucht ist in der Regel das Ergebnis von stressigen Momenten oder Langzeitstressoren sowie Depressionen. Folglich bevorzugen Lebensmittelabhängige schnell metabolisierende Kohlenwasserstoffe (Süßigkeiten, Milchprodukte usw.), die die serotonerge Aktivität stimulieren.

Eine Frau mit einem eiskalten rosafarbenen Donut.

Die Arbeitssucht

Arbeitssüchtige müssen sich unablässig produktiv fühlen. Dadurch arbeiten sie impulsiv und konstant. Sie sind irritiert, wenn sie im Urlaub sind, und sie haben kognitive Verzerrungen hinsichtlich des Arbeitsaufwands. Beispielsweise könnte jemand, der süchtig nach Arbeit ist, denken: „Wenn ich nicht zu der Besprechung gehe und alle Berichte bis morgen fertigstelle, werde ich scheitern.“ Ein geringes Selbstwertgefühl und Perfektionismus haben viel mit Arbeitssucht zu tun.

Andere neue Abhängigkeiten schließen die Sucht nach Geschlechtsverkehr, die Einkaufssucht und die Sucht nach (Fitness-)Training ein.

Behandlung dieser neuen Abhängigkeiten

Angesichts der Tatsache, dass Verhaltensabhängigkeiten in Bezug auf den Beginn und die Aufrechterhaltung der Abhängigkeit mit chemischen Abhängigkeiten vergleichbar sind, sind die Interventionsprogramme ähnlich.

Echeburua, Corral und Amor (2005) haben einen interessanten Artikel über Verhaltensabhängigkeit und Behandlung geschrieben.

Das Ziel der Behandlung ist nicht die völlige Abstinenz wie bei der chemischen Sucht. Das Ziel ist vielmehr, dass die Patienten das für das tägliche Leben notwendige Verhalten neu lernen.

Das Programm umfasst folgende Punkte: Motivation zur Veränderung, Analyse der mit Sucht verbundenen Reize, Kontrolle dieser Reize sowie Expositions- und Lernstrategien zur Lösung spezifischer Probleme und zur Vorbeugung von Rückfällen.

Für technologische Suchtprobleme haben Experten weitere spezifischere Empfehlungen. Diese lauten: Verbindungsgewohnheiten aufheben, Ziele für einen realistischen Zeitplan für die technische Nutzung festlegen, externe Alarme und Erinnerungen zum Trennen der Verbindung verwenden usw. Handelt es sich bei dem Problem um eine bestimmte Anwendung, muss der Süchtige auf die Verwendung der App verzichten, ohne die Verwendung des Gerätes selbst zu beenden.

  • Caballo, V. (2014). Manual de psicopatología y trastornos psicológicos. Edición Pirámide. 2º edición