Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome und Behandlung

4. April 2018

Die Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Überall auf der Welt leiden Menschen unter dieser Krankheit, die die häufigste Ursache für neurologische Defizite bei jungen Erwachsenen und Personen mittleren Alters, vor allem bei Frauen, ist.

Die Nervenfasern des zentralen Nervensystems werden von einer Biomembran umhüllt und geschützt, die aus Proteinen und Fetten besteht und als Myelin bezeichnet wird. Die Myelinscheide erleichtert die Weiterleitung von elektrischen Impulsen entlang der Nervenfasern. Bei Multipler Sklerose geht das die Nerven umhüllende Myelin in verschiedenen Bereichen des zentralen Nervensystems verloren und hinterlässt dabei sklerotische Narben. Dieser Prozess wird als Demyelinisierung bezeichnet.

Myelin schützt nicht nur die Nervenfasern, sondern ist für deren Funktion unverzichtbar. Wenn das Myelin zerstört oder abgebaut wird, wird die Fähigkeit der Nerven, Impulse weiterzuleiten, drastisch reduziert. Glücklicherweise sind Myelinschäden oft reversibel.

Die Multiple Sklerose wird als eine entzündliche Erkrankung der weißen Substanz des zentralen Nervensystems definiert und charakterisiert sich durch multifokale Demyelinisierung, den Verlust von Oligodendrozyten, Schäden an den Axonen und reaktive Gliose.

Neuronen

Was sind die Ursachen der Multiplen Sklerose?

Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind nicht endgültig geklärt. Bekannt ist, dass mehrere Faktoren Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen. Dazu gehören genetische Veranlagungen, das Immunsystem und Infektionen.

  • Auf eine genetische Veranlagung liegen eindeutige Hinweise vor. So haben eineiige Zwillinge ein vielfach erhöhtes Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, während das Risiko bei zweieiigen Zwillingen dem unter Geschwistern entspricht, von denen eines die Diagnose Multiple Sklerose erhalten hat. Bei Verwandten ersten Grades von Patienten mit Multipler Sklerose liegt das Risiko, an dieser Krankheit zu erkranken, bei 2-5 %, bei Menschen ohne familiäre Vorgeschichte bei gerade einmal 0,1 %.
  • Unter den Umweltfaktoren sind Viren die am meisten untersuchten potenziellen Trigger. Es wird vermutet, dass sie die Oligodendrozyten schädigen, die die Myelinscheiden bilden, dass sie diese bereits im Kindesalter modulieren und so eine abnormale Reaktion des Immunsystems begünstigen, was die Myelinisierung stört. Es wurden mehrere Viren hinsichtlich ihrer Rolle bei der Entstehung dieser Krankheit untersucht. Das Epstein-Barr-Virus wurde mit der oben beschriebenen Demyelinisierung in Verbindung gebracht. Bei Kindern gibt es Hinweise auf eine genetisch bedingte, erhöhte Anfälligkeit, sich mit diesem Virus anzustecken.

Symptome der Multiplen Sklerose

Erste Symptome können so unauffällig sein, dass die betroffene Person nicht das Bedürfnis verspürt, zum Arzt zu gehen. Die häufigsten Anfangssymptome sind eine Schwäche einer oder mehrerer Gliedmaßen, Koordinationsschwierigkeiten im Sinne einer Ataxie, veränderte Sensibilität, verschwommenes Sehen und Doppelbilder, also Diplopie. Typisch sind auch verstärkte Müdigkeit nach Sport, starker Muskelkater, Schwierigkeiten beim Treppensteigen und Verlust der Geschicklichkeit. Diese Symptome entwickeln sich nach und nach.

Körperliche und geistige Müdigkeit ist das häufigste Symptom fortgeschrittener Multipler Sklerose und betrifft etwa zwei Drittel der Patienten. Diese beschreiben sie als unangenehmes Gefühl, das ihre Lebensqualität spürbar beeinträchtige. Daher ist sie ein Faktor, der unbedingt berücksichtigt werden muss, der aber aufgrund der Subjektivität der Wahrnehmung schwierig zu bewerten ist. Der Energieverlust betrifft sowohl die Motorik als auch die Kognition und muss von Schwäche, Energieverlust und Konzentrationsschwierigkeiten unterschieden werden. Die Ermüdung geht oft mit Depressionen und anderen psychischen Belastungen einher, die zur Erschöpfung beitragen und die zumindest teilweise auf einer Dysfunktion des limbischen Systems beruhen. Das bedeutet andererseits, das das Spektrum möglicher Differenzialdiagnosen besonders breit ist: Es umfasst unter anderem motorische Störungen, Schilddrüsenerkrankungen, Depression und Nebenwirkungen einer Pharmakotherapie.

 

Gehbehinderter Patient mit Röntgenbild der Wirbelsäule

Das Auftreten von Begleitsymptomen stützt die klinische Diagnose der Multiplen Sklerose. Dabei handelt es sich um die folgenden:

  • Lhermitte-Zeichen: Hierbei handelt es sich um eine Dysästhesie, ein abnormes Gefühl, einen Elektroschock entlang der gesamten Wirbelsäule zu erhalten. Manchmal erstreckt sich diese Empfindungsstörung bis in die Arme oder Beine. Sie tritt vor allem dann auf, wenn der Betroffene seinen Kopf nach vorne lehnt.
  • Wärmeempfindlichkeit und Uhthoff-Phänomen: Dieses Phänomen beschreibt eine klinische Verschlechterung im Zusammenhang mit einer Erhöhung der Körpertemperatur, sei diese durch äußere Faktoren (Sommermonate, Heißwasserdusche, Tabakkonsum) oder durch innere Faktoren (Fieber, intensive Trainingseinheit, Menstruation) bedingt.
  • Paroxysmale Attacken: Paroxysmale Bewegungsstörungen treten abrupt und unerwartet auf. Dabei können sich Betroffene nicht richtig bewegen oder zeigen abnormale Bewegungen. Sie kommen nur selten vor und meist sind sie auf eine Erbkrankheit zurückzuführen. Die häufigste Form ist die paroxysmale Dystonie.

Wie sich eine Multiple Sklerose entwickelt, ist ungewiss, obwohl sich der Zustand der Patienten tendenziell verschlechtert, was körperliche Einschränkungen sowie psychische und kognitive Beeinträchtigungen bedeutet.

Etwas sehr Typisches für Multiple Sklerose ist das Auftreten von Schüben, genauer gesagt ein Verlauf geprägt von Rückfall, Remission und Verschlimmerungen. Schübe kennzeichnen sich durch Symptome einer neurologischen Dysfunktion, die länger als 24 Stunden andauern. Das Verschwinden der Symptome wird als Remission bezeichnet, was auf eine Verbesserung hoffen lässt, die jedoch nur anhält, bis der nächste Schub kommt. Einzelne Schübe betreffen meist verschiedene Teile des zentralen Nervensystems und treten im Abstand von mindestens einem Monat auf.

Die Behandlung einer Multiplen Sklerose

Leider gibt es derzeit keine effektive Behandlung, um die Krankheit zu heilen oder ihren progressiven Verlauf aufzuhalten. Ziel jeder Behandlung ist es deshalb, die Anzahl der Schübe, deren Konsequenzen und das Fortschreiten der Behinderung zu verlangsamen. Hierzu werden grundsätzlich Immunsuppressiva wie Azathioprin, Cyclophosphamid, Metrotrexat und Alpha-Interferone eingesetzt.

Darüber hinaus werden für die Behandlung der Schübe Kortikosteroide in hohen Dosen verabreicht, aber nur über wenige Tage. Der Schub selbst ist das Resultat eines akuten entzündlichen Prozesses im zentralen Nervensystem, und deshalb werden während eines Schubes Entzündungshemmer wie Kortikosteroide eingesetzt, die sich in hoher Dosis nicht zur Langzeittherapie eignen. Die Identifizierung eines Schubs ist daher der Schlüssel, um angemessen zu therapieren.

Eine weitere symptomatische Behandlung kann wie folgt aussehen:

  • Bei Spastik: Baclofen, Diazepam, Dantrolen-Natrium
  • Bei Ermüdungserscheinungen: Amantadin, Modafinil, Methylphenidat
  • Bei Schmerzen: Carbamazepin, Phenytoin, Gabapentin, Pregabalin
  • Bei Blasenhyperreflexie: Oxybutynin, Bethanechol
  • Bei kognitivem Defizit: Donepezil, Beta-Interferon, Memantine
Patientin versucht zu laufen

Die Rehabilitationsbehandlung mit dem grundlegenden Ziel, die progressive Behinderung der Betroffenen zu verhindern oder zumindest so weit wie möglich zu reduzieren, ist ebenfalls sehr wichtig. Es geht darum, dem Patienten neue Fähigkeiten beizubringen und seine gesunden Systeme stärken. Auf diese Weise wird er dazu in der Lage sein, sich eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren. Dazu ist es notwendig, das soziale und berufliche Umfeld des Patienten anzupassen. Außerdem ist psychologische Unterstützung für den Patienten, seine Familie und das Pflegepersonals erforderlich.

Es wird empfohlen, eine multidisziplinäre Rehabilitationsbehandlung durchzuführen, die dem Entwicklungsstand des Betroffenen mit Multipler Sklerose entspricht, da sie seine Lebensqualität in Bezug auf Gesundheit und Funktionalität bei alltäglichen Aktivitäten verbessern kann. Viele Multiple-Sklerose-Gesellschaften setzen auf diese Art von Behandlung, legen ihren Schwerpunkt auf eine umfassende Rehabilitation.