Mütter und Töchter – eine Verbindung, die heilen aber auch schmerzen kann

17. Januar 2016 en Psychologie 4484 Geteilt

Unsere Zellen teilten sich und entwickelten sich mit dem Rhythmus des Herzschlages weiter. Unsere Haut, unsere Haare, unser Herz, unsere Lunge und unsere Knochen wurden durch Blut genährt – Blut, das voll von neurochemischen Substanzen war, erschaffen als Antwort auf unsere Gedanken, unseren Glauben und unsere Gefühle. Wenn wir Angst, Beklemmung und Nervosität empfinden, oder uns die Schwangerschaft zu schaffen macht, spürt unser Körper das. Wenn wir uns sicher, glücklich und zufrieden fühlen, so reagiert unser Körper auch darauf.

Christiane Northrup

Hinter jeder Tochter steht eine Mutter – eine unendliche Verbindung, von der wir uns niemals trennen können. Denn wenn uns eines bewusst sein sollte, dann dass ein Teil dieses magischen Bandes zu unserer Mutter niemals einreisen wird.

Um gesund und glücklich zu sein, muss jeder von uns erkennen, wie unsere Mutter unsere Geschichte beeinflusst hat und auf welche Art und Weise sie es weiterhin tun wird. Sie ist es, die uns bereits vor unserer Geburt Liebe und Schutz bietet. Und nur durch sie verstehen wir, was es heißt, eine Frau zu sein, und wie wir uns um unseren Körper kümmern können oder wie wir ihn vernachlässigen.

Muetter

Das Erbe, das uns unsere Mütter vermachen

Das größte Erbe, das eine Mutter ihren Kindern vermachen kann, ist, sich als Frau selbst zu heilen.

Christiane Northrup

Jede Frau – unabhängig davon, ob sie selbst eine Mutter ist oder nicht – ist von den Erfahrungen, die sie in der Beziehung zu ihrer Mutter in der Vergangenheit machte, geprägt. Wenn diese Beziehung in Bezug auf den weiblichen Körper, und auf die Art und Weise, wie man an diesem arbeitet und ihn gut behandelt, Positives vermittelt hat, dann werden diese positiven Erfahrungen zu einem Teil des Leitfadens, der uns aufzeigt, wie wir physische und emotionale Gesundheit erlangen.

Jedoch kann der Einfluss, den eine Mutter auf ihre Tochter hat, auch problematisch erscheinen, wenn er aufgrund eines sorglosen, eifersüchtigen, erpresserischen oder kontrollierenden Verhaltens eine toxische Beziehung zur Folge hat.

Wenn es uns gelingt, zu verstehen, welche Auswirkungen die Erziehung unserer Mütter auf uns Töchter hatte, so sind wir dazu bereit, uns selbst zu verstehen, zu heilen, und sind dazu in der Lage, unseren Körper an dieses Verständnis anzupassen oder zu entdecken, was wir im Leben möglicherweise erreichen können.

Die mütterliche Aufmerksamkeit – eine essenzielle Nährquelle für das gesamte Leben

Wenn bei einer sportlichen oder irgendeiner anderen Art von Veranstaltung die Kamera auf jemanden im Publikum schwenkt, was schreit derjenige für gewöhnlich? Ganz genau: Hallo Mama!

Fast jeder von uns verspürt das Bedürfnis, von der Mutter gesehen oder besser gesagt beachtet zu werden. Diese Abhängigkeit ist durch biologische Faktoren bestimmt, denn wir brauchen diese einfach, um viele Jahre überleben zu können. Doch das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung besteht schon ab der 1. Minute unseres Lebens, weil wir immer die Gewissheit darüber benötigen, ob wir etwas gut gemacht haben oder ob wir es wert sind, geliebt zu werden.

Frauen

Genau so wie Northrup es besagt, ist die Verbindung zwischen Mütter und ihren Töchtern strategisch dazu vorherbestimmt, um eine der positivsten, verständnisvollsten und intimsten Beziehungen zu sein, die wir in unserem Leben je haben werden. Doch leider sieht diese Beziehung nicht immer so aus…

Im Laufe der Jahre kann dieser Schrei nach Aufmerksamkeit und Bestätigung pathologisch werden und emotionale Verpflichtungen hervorrufen, was dazu führt, dass wir unser Wohlbefinden, fast oder sogar unser ganzes Leben lang, von der Auffassung unserer Mutter abhängig machen.

Die Tatsache, dass unsere Mütter uns, ihre Töchter, anerkennen und akzeptieren ist ein Durst, den es zu löschen gilt, auch wenn wir dadurch Leid ertragen müssen. Doch das birgt einen Verlust unserer Unabhängigkeit und unserer Freiheit in sich, der uns als Menschen verändert.

Wie können wir als Frau und als Tochter anfangen zu wachsen?

Wir können uns von dieser Verbindung, ganz gleich ob sie nun gesund ist oder nicht, niemals lösen. Sie wird immer Einfluss auf unsere Zukunft nehmen.

Wenn wir uns dazu entschließen, zu wachsen und uns weiter entwickeln wollen, bedeutet dies aber gleichzeitig, dass wir unsere emotionalen Wunden oder unschöne Geschehnisse aus der ersten Hälfte unseres Lebens heilen lassen müssen. Diese Wandlung ist keinesfalls eine einfache Aufgabe, denn zuerst müssen wir herausfinden, welcher Teil oder welche Teile der Mutter-Tochter-Beziehung geheilt werden sollen.

Unser gegenwärtiges und zukünftiges Gefühl von Wertschätzung ist davon abhängig. Und das ist so, weil es tief in unserem Inneren eine leise Stimme gibt, die uns sagt, dass wir uns übermäßig um unsere Familie oder unseren Partner kümmern müssen, um der Liebe wert zu sein.

Die Mutterschaft und sogar die Liebe einer Frau sind bei der Mehrheit der Bevölkerung immer noch Synonyme für Aufopferung. Das bedeutet, dass unsere Bedürfnisse immer hinter denen anderer stehen. Dieses Verhalten hat dann zur Folge, dass wir unsere eigene Auffassung davon, was es heißt, eine Frau zu sein, an die der Allgemeinheit, unserer Gesellschaft, anpassen.

Diese Erwartungshaltung der Welt an uns kann sehr grausam sein. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir dazu gezwungen werden, unsere Individualität aufzugeben.

Das sind die Gründe, wieso es so wichtig ist, diese Kette der Schmerzen und der integren Heilung unserer Verbindungen zu durchtrennen – oder zumindest die Erinnerungen, die wir daran haben. Uns muss bewusst sein, dass es Zeit erfordert, bis diese in Vergessenheit geraten. Deshalb liegt es an uns, diese mehr oder weniger schmerzlichen Unstimmigkeiten, mit denen wir gelebt haben, durch Frieden zu ersetzen.

Aus: Mutter-Tochter-Weisheit  von Christiane Northrup

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