Manipulative Eltern: Folgen im Erwachsenenalter

Angstprobleme, ein geringes Selbstwertgefühl und aufgestaute Wut sind häufige Folgen, an denen erwachsene Kinder manipulativer Eltern leiden. Es ist notwendig, die Nachwirkungen dieser Situation zu erkennen, um ihr entkommen zu können.
Manipulative Eltern: Folgen im Erwachsenenalter
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 15. Juni 2023

Stark manipulative Eltern richten großen Seelenschaden an, der ihre Kinder auch im Erwachsenenalter oft enorm belastet. Die Spuren der psychologischen Kontrolle verändern die Persönlichkeit und Identität. Unter dem Einfluss dominanter Eltern ist es nicht möglich, Selbstständigkeit zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen oder Zukunftspläne zu schmieden. Auch emotionale Beziehungen werden von dysfunktionalen Verhaltensweisen geprägt, die Betroffene entwickeln.

Helikopter-Eltern zeigen deutliche Anzeichen von Manipulation und Kontrolle. 

Manipulative Eltern und dysfunktionale Verhaltensweisen

Kinder benötigen Liebe, Zuneigung und Schutz, jedoch auch die Möglichkeit, zu unabhängigen, glücklichen und reifen Menschen heranzuwachsen. Manipulative Eltern erziehen jedoch durch Zwang und Unterdrückung, wie unter anderem in einem Artikel der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology erklärt wird.

Helikopter-Eltern sind überfürsorglich und kontrollierend. Sie weisen genau diese Muster auf, was bei Kindern zu Angstzuständen und Depressionen führen kann. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser manipulative Erziehungsstil erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat. 

Andererseits weist die Liverpool John Moores University darauf hin, dass Manipulation auch bei narzisstischen Eltern üblich ist. Die Nachwirkungen dieser Dynamik wirken sich bis ins Erwachsenenalter hinein aus und beeinträchtigen sogar die Beziehungs- und Gefühlswelt.

Erwachsene Kinder manipulativer Eltern finden sich häufig in folgenden Situationen wieder. 

1. Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen

Wenn du in einem familiären Umfeld aufgewachsen bist, in dem andere für dich entschieden haben, fällt es dir vielleicht schwer, Unabhängigkeit zu entwickeln. Du musst lernen, Entscheidungen selbst zu treffen, ohne dich manipulieren oder kontrollieren zu lassen.

Du fühlst dich jedoch unsicher und hast Angst davor, die Kontrolle über dein Leben zu übernehmen, du hast Angst vor Veränderungen, davor, den ersten Schritt zu machen, Etappen abzuschließen und neue Projekte zu beginnen. Deine Eltern haben dir diese Angst eingeimpft, die dich zu einem unsicheren Menschen machen.

In einer manipulativen Familie aufzuwachsen macht es komplizierter, Liebe zu finden und dauerhafte und glückliche Beziehungen aufzubauen.

 2. Du vergleichst dich mit anderen

Manipulative Eltern vergleichen ihre Kinder ständig mit anderen, um ihnen bewusst zu machen, dass sie nicht geschickt genug, zu schlecht in der Schule oder nicht clever sind. Diese sich ständig wiederholende Dynamik hinterlässt tiefe Spuren. Du vergleichst dich auch im Erwachsenenalter automatisch mit anderen, was dein Selbstwertgefühl zerstört.

3. Du fühlst dich nicht würdig, geliebt zu werden

Manipulative Eltern bewirken häufig, dass ihre erwachsenen Kinder unfähig sind, glückliche und dauerhafte Beziehungen aufzubauen. Die Liebe ist quälend und schmerzhaft. Wenn die Eltern jede Zuneigung an Bedingungen knüpfen, glaubst du, der Liebe nicht würdig zu sein. Du entwickelst ein falsches Bild von Beziehungen. Die Royal Holloway University of London weist auf ein häufiges Phänomen hin: Wer in einer dysfunktionalen Familie groß wird, tut sich schwer, Glück in der Liebe zu finden.

4. Das Bedürfnis nach externer Bestätigung

Manipulative Eltern provozieren das Bedürfnis nach externer Bestätigung – auch im Erwachsenenalter, wenn du nicht mehr im Elternhaus lebst. Um dich geschätzt zu fühlen, bist du auf die Anerkennung anderer angewiesen. Du hast dieses Bedürfnis, da du dein Selbstbild und dein Selbstwertgefühl nähren musst. Diese Tendenz kann für andere jedoch sehr erschöpfend sein.

5. Du kontrollierst andere, ohne es zu merken

Du übernimmst die Verhaltensmuster deiner Eltern und kontrollierst andere ständig. Ein in der Zeitschrift PloS One veröffentlichter Artikel hebt hervor, dass dieser psychologische Zustand genetisch bedingt ist und das Risiko besteht, die für dieses Profil charakteristische Grandiosität und Anspruchshaltung zu erben. Was bedeutet das? Die Kinder manipulativer Eltern wiederholen die Dynamiken, die sie in ihrem Elternhaus gelernt haben, wenn sie erwachsen sind.

6. Es fällt dir schwer, deine Gefühle auszudrücken

Manipulative Eltern unterdrücken Emotionen in der Regel. Sie erziehen ihre Kinder in dem Glauben, dass Gefühle nicht wichtig sind. Deshalb lernst du nicht, deine Gefühle auszudrücken und leidest daran auch im Erwachsenenalter.

7. Emotionale Höhen und Tiefen

Kontrollierende, manipulative und entwertende Eltern tragen oft die Spuren eines psychologischen Traumas. Nichts ist schädlicher für die kindliche Entwicklung, als in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem die Liebe an Bedingungen geknüpft ist und die Bedürfnisse und Möglichkeiten, Autonomie und eine gesunde Identität zu entwickeln, verletzt werden. Das führt zu ernsthaften Problemen bei der Emotionsregulierung. Betroffene sind im Erwachsenenalter in Stress und Angst gefangen.

Wer bereits in der Kindheit ständig manipuliert wird, tut sich schwer dabei, die Auswirkungen zu erkennen. Dies ist jedoch der erste Schritt zur Heilung.

Die Wunden heilen

Die Wunden zu heilen, Selbstsicherheit, Autonimie und Entscheidungsfreude zu entwickeln, braucht Zeit. Bist du in dieser Lage, musst du entscheiden, welche Art von Bindung du zu deinen Eltern aufrechterhalten möchtest. Manche Menschen benötigen Distanz, um ihren eigenen Weg gehen zu können.

Eine Veröffentlichung in der Zeitschrift Personality and Individual Differences erinnert daran, dass wir alle in gewisser Weise manipulative Techniken anwenden.  Manche nutzen diese Methoden jedoch auf sehr schädliche Weise und wenden ausgeklügelte Taktiken an.

Einige Tipps

Wenn manipulative Eltern neurotische Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, ist es wichtig, im Erwachsenenalter die Wunden zu heilen, um Wohlbefinden zu erreichen. Folgende Schlüssel können dabei helfen:

  • Verbessere dein Durchsetzungsvermögen.
  • Arbeite an deinem Selbstwertgefühl.
  • Trainiere deine emotionale Intelligenz.
  • Übe dich in Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge.
  • Stütze dich auf deinen eigenen sozialen Kreis: Freunde, Partner usw.
  • Entwickle Strategien, die dein Selbstvertrauen stärken.
  • Lerne Problemlösungs- und Entscheidungsfindungstechniken.
  • Setze gesunde Grenzen zu deinen Eltern. Entscheide, ob und unter welchen Umständen du sie weiterhin sehen willst.
  • Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie und die EMDR-Therapie können dir helfen, mögliche Traumata zu verarbeiten.
  • Schaffe Raum für deine Gefühle und lass sie zu. Wut, Traurigkeit, Scham und Angst, die du über das Erlebte empfindest, sind legitim und akzeptabel.

Zögere nicht, spezialisierte Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du merkst, dass die Wunde der Manipulation nicht von selbst heilt. Dysfunktionale Familien hinterlassen tiefe Spuren, es liegt jedoch an dir selbst, dich für dein Wohlbefinden einzusetzen.

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