Manche Menschen sind wie Buridans Esel

4. August 2017 en Kuriositäten 145 Geteilt

Jetzt denkst du dir wahrscheinlich, wer in aller Welt ist denn Buridans Esel? Schon in der Antike machten die Menschen unsere tierischen Freunde zum Hauptdarsteller ihrer Geschichten. Vor allem bei Kindergeschichten ist das sehr üblich und es werden Zikaden, Ameisen, Schweine und natürlich Esel zum Leben erweckt.

Buridans Esel ist die Hauptfigur eines mittelalterlichen Märchens, in welchem die Vorstellung, dass der Verstand die einzige Quelle unseres Wissens sei, thematisiert wird. Genauer gesagt entstand diese Geschichte im Rahmen der Kritik an Jean Buridans rationaler Beweisführung zur Existenz Gottes. Es kann aber auch als Angriff auf alle anderen Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, verstanden werden. In diesem Artikel nutzen wir die Geschichte in einem anderen Sinne, aber lasst uns zunächst von dem historischen Esel hören.

Die Geschichte von Buridans Esel

Er war kein besonderer Esel. Das Interessante an der Geschichte ist die Situation, in der er sich befand: Manchmal wird gesagt, der Esel befand sich genau in der Mitte zwischen zwei Heuhaufen, in gleichem Abstand zu beiden. Andere sagen, er stand zwischen einem Heuhaufen und einem Eimer Wasser. Man sagt ebenfalls, dass der Esel ein ungemein rationales Wesen war. Da er sich aus diesem Grund nicht für einen der beiden Heuhaufen bzw. zwischen Heu und Wasser entscheiden konnte, blieb er einfach stehen und verhungerte oder verdurstete schließlich.

Wie absurd, oder? Aber so absurd es zu sein scheint, du kennst sicherlich jemanden, der Buridans Esel ein wenig ähnelt. Vielleicht hast du selbst schon manchmal ein bisschen nach der Mentalität des Esels gehandelt. In der Regel liegen die Optionen, die wir in Betracht ziehen, nicht gleichermaßen nah oder fern, wenn es an der Zeit ist, sich zu entscheiden. Sie können uns aber durchaus gleich attraktiv erscheinen.

Was passiert dann? Wir schauen uns das Ganze ein bisschen genauer an, wägen die Pros und die Kontras ab, warten ab… Weißt du, was dann sehr häufig geschieht? Eine der beiden Optionen verschwindet. Und im schlimmsten Fall verschwinden sie beide. Und wir haben gar nichts mehr. Unentschlossenheit ist ein gewiefter Räuber der Möglichkeiten.

Menschen, die wie Buridans Esel sind

Wie wir schon zu Beginn erklärt haben, entstand diese Geschichte als Kritik daran, dass der Verstand von manchen als einziges Instrument genutzt wird, den Weg durch das Leben zu finden. Denn genau diese extrem rationalen Menschen finden sich nicht selten in ähnlich paradoxen Situationen wieder wie unser lieber Esel. Und das Schlimme daran ist, dass sie oftmals ein ebensolches Ende finden. Wenn dem nicht so ist und schließlich eine Entscheidung fällt, liegt das meist daran, dass die Zeit oder andere Menschen diese treffen. Und das tun sie, indem sie eine der beiden Optionen eliminieren.

In einer Gruppe ist ihr Verhalten ebenfalls charakteristisch. Menschen, die wir Buridans Esel sind, werden nie diejenigen sein, die zwischen zwei gleich attraktiven Plänen entscheiden. Aber oft sind sie diejenigen, die gegenargumentieren, sobald jemand anderes die Entscheidung getroffen hat. Menschen, die Buridans Esel ähneln, stagnieren deshalb häufig und sind gut darin, andere Menschen in Gruppensituationen, wie oben beschrieben, zu quälen.

Die Menschen im Umfeld dieser Art von Personen akzeptieren dieses Verhalten schließlich. Sie konfrontieren sie auch mit einer möglichst geringen Anzahl von Möglichkeiten und Entscheidungen. Sie befürchten, dass die Person eine mentale Blockade oder einen rationalen Kollaps erleiden könne. Auf der anderen Seite sind sie aber auch oft diejenigen, zu denen andere kommen, um über ihre Probleme zu sprechen. Das liegt daran, dass sie über ein sehr gut ausgeprägtes analytisches Verständnis verfügen. Sie sind in der Lage, in kurzer Zeit komplexe Situationen im Detail zu bewerten.

Unternehmen wissen darüber ebenfalls Bescheid. Sie suchen nach einem bestimmten Typ von Person, der Entscheidungen treffen soll, und nach einem anderen Typ, um eine gute Vorstellung davon zu bekommen, was in einer bestimmten Situation passiert.

Ein Beispiel dafür, wie man Rationalität bis an die Grenzen ausreizen kann, findet sich in einer der charismatischsten Fernsehpersönlichkeiten, Sheldon Cooper. Er vergleicht sich sogar in einer Szene der Fernsehserie The Big Bang Theory  mit Buridans Esel. Wir werden die Szene nicht genauer beschreiben, da wir keine Spoiler mögen. Aber du kannst sie in der siebten Episode der zehnten Staffel finden.

Doch lassen wir die Leinwand hinter uns und wenden uns den Umkleidekabinen vieler Bekleidungsgeschäfte zu. Dort finden wir mit Sicherheit diese Person, die mit zwei Kleidungsstücken in die Umkleidekabine geht, obwohl sie weiß, dass sie sich nur eines leisten kann. Diese Person kann ihre Freunde in den Wahnsinn treiben, egal, wie geduldig diese sind.

Die Kritiker dieser Erzählung meinen, dass menschliche Entscheidungen fast nie so ablaufen wie bei unserem lieben Esel. Das denken sie deshalb, weil menschliche Entscheidungen nicht auf einer objektiven Wertedifferenz beruhen. Sie basieren vielmehr auf unserer Wahrnehmung dieser Wertedifferenz. Trotzdem werden wir alle weiterhin auf Menschen treffen, die sich niemals entscheiden können, wenn sie mit zwei Optionen konfrontiert werden. Niemals, selbst wenn sie eine klare Präferenz für eine der beiden haben.

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