Lebewohl – halte nicht an Menschen fest, die genau genommen niemals da waren

17. Februar 2016 en Emotionen 5856 Geteilt

Man muss nicht erst gehen, um nicht da zu sein. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, im Leben einer anderen Person unpünktlich oder gar nicht anwesend zu sein. Wer in deinem Leben präsent sein will, entscheidet sich dafür. Deshalb sollten wir aufhören, Entschuldigungen und Ausreden dafür zu suchen, um uns nicht von bestimmten Personen zu verabschieden, sie einfach loszulassen oder ihnen Lebewohl zu sagen.

Ein wahrhaftes und endgültiges Lebewohl schließt mit einem Mal sämtliche Türen, durch die diese Personen kamen und gingen.

Anstatt nicht länger an ihnen festzuhalten und sie gehen zu lassen, müssen auch wir lernen, weiterzuziehen, wenn wir in einer festgefahrenen und ausweglosen Situation stecken.

Wenn du dazu in der Lage bist, dich von etwas zu verabschieden, dass dich für eine lange Zeit lang zu einem Gefangenen machte, befreist du damit deinen Verstand und du befreist dich gleichzeitig von Gedanken, wie z.B. „Wieso war dieser Mensch nicht da, wenn ich ihn brauchte?“.

Der schwierige Weg des Loslassens

Zu wachsen bedeutet, Lebewohl zu sagen

Lebewohl zu sagen oder jemanden gehen zu lassen, der genau genommen niemals da war, bedeutet, zu wachsen, zwischen Bereicherung und Belastung zu unterscheiden, unseren eigenen Wert schätzen zu lernen und uns von einer Liebe zu verabschieden, die nur in unserer Vorstellung existiert.

Ohne Gegenseitigkeit oder Gleichgewicht entsteht Schmerz und die Beziehung macht keinen Sinn mehr. Deshalb ist das einzig Sinnvolle nun, einen Schlussstrich zu ziehen.

Sobald wir uns über diese Tatsache bewusst werden, können wir nach vorn schauen, uns befreien, wachsen und ein neues Leben beginnen. Dieses neue Lebensgefühl bewirkt, dass wir emotionales Neuland betreten, das zuvor unfruchtbar war.

„Man muss sich stets bewusst sein, wann ein Kapitel im Leben endet. Wenn du darauf bestehst, länger als nötig auf einer Stufe zu verharren, verlierst du deine Freude und den Sinn für alles andere. Schließe die Kreise, Türen oder Kapitel, wie auch immer du sie nennen magst. 

Das Wichtige ist, sie schließen zu können und Momente des Lebens gehen zu lassen, die sich dem Ende zuneigen.

Wir können die Gegenwart nicht wahrnehmen, wenn wir uns nach der Vergangenheit sehnen. Nicht einmal, indem wir uns fragen warum. Das, was passiert ist, ist passiert. Man muss loslassen und sich davon lösen. Wir können nicht ewig Kinder sein, auch keine verspäteten Jugendlichen oder Angestellte in nicht bestehenden Unternehmen, und wir sollten erst recht keine Verbindung mit Menschen eingehen, die nicht mit uns verbunden sein wollen.

Solche Dinge passieren und man muss sie gehen lassen.“

Paulo Coehlo

Fliegende Schmetterlinge

Zu denken, dass jemand immer da sein wird, ist ein großer Fehler

Es gibt Momente, in denen Personen aus unserem Leben verschwinden und sie denken, dass sie zurückkommen können, wann es ihnen passt, weil sie davon überzeugt sind, dass wir immer da sein werden. Aber dem ist nicht so. Wir alle verdienen Respekt und Abwesenheit hat einen hohen Preis.

Eine blinde Liebe ist keine Garantie für eine langlebige Beziehung. Deshalb sollten wir manchmal bei Geschichten mit einem offenen Ende zwei von diesen drei Auslassungspunkten entfernen und einen finalen Punkt setzen. Denn unser emotionales Wohlbefinden ist genau davon abhängig.

Einem endgültigen Lebewohl entgegenzutreten und die Gewissheit darüber zu haben, dass wir somit die noch offenen Wunden des Abschieds heilen lassen müssen, macht Angst. Wir haben dabei Angst vor unserem Selbstbewusstsein, unserem Selbstwertgefühl und unserem Wohlbefinden.

Befreites Herz

Aber zu wachsen bedeutet, eine gewisse Ungewissheit in unser Leben zu lassen, die uns Angst einjagen kann. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass ein Teil unseres neuen Weges eben ungewiss ist.

Das ist keine schöne Vorstellung, aber letztendlich ist es dieser Austausch wert, da uns unser neues Ich erwartet und wir mit uns selbst im Reinen sein werden. Es geht doch darum, ehrlich zu sich selbst zu sein und seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Das ist nicht immer einfach, doch das ist mit allen wichtigen Dingen im Leben so.

Wir können eine neue Lebensphase beginnen, die Früchte unseres neuen Selbstbewusstseins und unserer emotionalen Reife ernten, wenn wir uns von allem Egoistischen und ungerechtfertigten Abwesenheiten verabschieden und ihnen Lebewohl sagen.

Auch interessant