Langeweile – Langweilen wir uns und unser Gehirn wird es uns danken

· 7. Januar 2019

Es ist nicht wahr, dass wir unsere Langeweile nur mit äußeren Reizen bekämpfen können. Tatsächlich ist es bei Langeweile möglich, sich in Ruhe mit sich selbst zu beschäftigen. Das ist nicht nur eine Fähigkeit, die wir erlernen und perfektionieren sollten, sondern diese Kunst kann unsere kreative Leistung erhöhen.

Laut Guillermo Funes, Professor für Psychologie an der Universität Carlos III zu Madrid (Spanien), ist Langeweile Kreativität. Sie durchbricht Routinen und kann etwas Neues schaffen.  Wenn wir uns langweilen, fangen wir an, uns Gedanken über verschiedene Dinge zu machen. In gewisser Weise schärft Eintönigkeit also unsere Vorstellungskraft und Kreativität.

Eine Studie der University of Central Lancashire (England, Vereinigtes Königreich) zeigte ebenfalls, dass langweilige Aktivitäten, wie beispielsweise Besprechungen, zu mehr Kreativität führen können. Auf der anderen Seite können Aktivitäten, wie zum Beispiel das Schreiben, den prokreativen Effekt der Langeweile vermindern.

Wenn wir diese Ergebnisse kennen, dann erscheint es nur logisch, dass es manchmal besser ist, wenn wir uns langweilen.

„Langweile dich. Langeweile ist die Krankheit der glücklichen Menschen. Unglückliche Menschen langweilen sich nie, weil sie zu viel zu tun haben.“

Alain Dufresnes

Wenn Langeweile gut ist, warum fühlen wir uns dann schlecht, wenn wir uns langweilen?

Warum suchen wir sofort nach etwas, was wir tun können, wenn wir uns langweilen? Was steckt hinter unserer Unfähigkeit, diesen Zustand zu tolerieren? Über das negative Stigma hinweg, das der Langweile anhaftet, wird sie oft als Anzeichen für ein leeres Leben gesehen. Sie erinnert uns auch daran, dass wir scheinbar nichts Nützliches tun.

Ein junger Mann hält sich die Hand vor den Mund, weil er gähnen muss.

Langeweile ist in unserem hypervernetzten und hyperstimulierten Leben ein knappes Gut und ein allgemeines Leiden zugleich. Wenn uns langweilig wird, suchen wir sofort nach externen Ressourcen wie Fernsehen oder unserem Handy, um uns davon zu befreien. Wir wissen nicht, wie wir unsere Freizeit sonst genießen könnten. Unsere oberste Priorität ist es, beschäftigt zu sein.

Uns zu langweilen bedeutet allerdings nicht, dass wir die meiste Zeit des Tages so verbringen müssten. Langeweile ist eher eine Chance, die wir nutzen sollten, um auf unsere innere Stimme zu hören und zu entdecken, was wir mit unserer Aktivität zu verbergen suchen.

Auf der anderen Seite kann ein Übermaß an sozialen Reizen dazu führen, dass wir falsche Langeweile empfinden. Vielleicht wissen wir einfach nicht, wie wir das Einfache genießen können. Meistens langweilen wir uns, nicht, weil wir nichts zu tun haben, sondern weil die Reize, die uns erreichen, nicht befriedigend sind. Um das Unbehagen zu bekämpfen, das verursacht wird, wenn wir uns langweilen, müssen wir daher erkennen, warum wir so empfinden.

Langweilen wir uns doch und schauen was passiert!

„Eine Generation, die Langeweile nicht ertragen kann, wird eine Generation der kleinen Männer sein.“

Bertrand Russell

Langeweile zur richtigen Zeit ist ein Zeichen von Intelligenz

Ist Langeweile gut für uns? Wie in so vielen Bereichen des Lebens gilt auch hier: zu viel ist schlecht. Aber wie wir gesehen haben, kann Langeweile die Kreativität fördern. Wenn wir keinen Gesprächspartner haben, suchen wir nach Möglichkeiten, dies zu ändern. Nutzen wir dazu die sozialen Netzwerke und unsere Handys, können wir kaum Kreativität entwickeln. Wenn wir dies jedoch nicht tun, kommen Vorstellungskraft und Erfindergeist zum Tragen und wir können eine ganze Welt voller Möglichkeiten entdecken.

Eine junge Frau sitzt vor einem Monitor und schaut gelangweilt in die Luft.

Darüber hinaus kann übermäßige Langeweile dazu führen, dass wir mehr Alkohol und Tabak konsumieren. Die Tatsache, dass wir uns jeden Tag gelangweilt fühlen, legt nahe, dass Langeweile einen Zweck erfüllen müsse. So argumentiert Heather Lench, Professorin an der Texas A&M University (Texas, USA). Emotionen wie Angst können uns helfen, Gefahren zu vermeiden. Traurigkeit könne helfen, Fehler in der Zukunft zu vermeiden. Wobei hilft uns aber Langeweile?

Heather Lench vermutet, dass Langeweile der Motor für eine unsere wichtigste Eigenschaften sei, der Neugier: Langeweile hilft uns, zu vermeiden, immer wieder in dieselbe Routine zu verfallen. Sie ermutigt uns, uns neue Ziele zu setzen und neues Gelände und Ideen zu erkunden. Langweilen wir uns also. Unser Gehirn wird es uns danken.

„Langeweile ist ein schädliches Unkraut, aber auch ein Gewürz für die Verdauung.“

Johann Wolfgang von Goethe