Anosognosie: Die Unfähigkeit, seine eigenen Unfähigkeiten zu erkennen

16, Mai 2017 en Kuriositäten 105 Geteilt

1895 hat von Monakov den Fall eines Patienten beschrieben, der nach einer Verletzung teilweise erblindet war. Was an diesem Patienten besonders war, war das fehlende Bewusstsein über seine Behinderung. Es geschah allerdings nicht vor 1914, dass Babinski der Pariser Neurologengesellschaft den Fall von zwei Patienten mit linker Hemiplegie und einem komplett fehlenden Bewusstsein ihres motorischen Defizits präsentierte. Er stellte das Konzept von Anosodiaphria vor, einer vollständigen Missachtung des eigenen Zustands.

Definition von Anosognosie

Prigatano definiert Anosognosie als ein klinischen Phänomen, bei dem sich ein Patient aufgrund einer Hirndysfunktion der Verschlechterung seiner neurologischen und/oder neuropsychologischen Funktionen nicht bewusst ist, während diese aber dem Arzt und allen anderen vollkommen offensichtlich erscheinen. Dieses fehlende Bewusstsein kann dabei nicht durch Übererregung, generelle kognitive Störungen oder durch Selbstverneinung erklärt werden.

Die Anosognosie hat ihre Ursache in jenen Hirnregionen, die mit dem Bewusstsein zu tun haben, und führt zu einer Unfähigkeit, die Schwere des Defizits zu erkennen oder anzunehmen: Unser Selbst, verstanden als das Bewusstsein von uns selbst, wird zur Seite geschoben und wir können die Informationen über die Verletzung als Teil von uns nicht integrieren. Es ist uns so, als ob es sie nicht gäbe.

Diagnostische Kriterien und Komorbiditäten

Obwohl es keinen Konsensus zu diagnostischen Kriterien gibt, veröffentlichte das Consortium in Clinical Neuropsychology 2010 die folgenden Anhaltspunkte, die bei der Identifizierung und Klassifizierung des Problems helfen sollen:

  1. Störung des Bewusstseins, ein physisches, neurokognitives und/oder psychologisches Defizit zu haben oder unter einer Krankheit zu leiden
  2. Veränderung in Form von Verneinung des Defizits, evident in Aussagen wie: „Ich weiß nicht, warum ich hier bin“, „ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt“, „diese Übungen wurden mir nie richtig gezeigt, kein Wunder, dass ich sie nicht gut mache“, „es sind die anderen, die mir sagen, dass ich krank bin.“
  3. Beweis für Defizite durch Prüfinstrumente
  4. Erkennen des Leidens durch Verwandte und Bekannte
  5. Negative Einflüsse auf Aktivitäten des täglichen Lebens
  6. Ausschluss von Verwirrung und veränderten Bewusstseinszuständen

Das Leiden tritt zuweilen gemeinsam mit anderen Störungen auf:

  • Neurologisch: vaskuläre Ereignisse, Alzheimer Demenz, leichte kognitive Beeinträchtigungen, Tumore, fronto-temporale Demenz, Schädel-Hirn-Trauma, kortikale Blindheit, Epilepsie und posteriore kortikale Atrophie.
  • Psychiatrisch: Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen.

Als Symptom kann die Anosognosie mitunter bei Patienten mit Hemineglekt, Prosopagnosie, Amnesie, Korsakoff-Syndrom, Anton-Syndrom, Hemiplegie, Dysexekutivem Syndrom, konstruktiver Apraxie und Wernicke Aphasie festgestellt werden.

Behandlung und Folgen

Aufgrund der Konsequenzen für das tägliche Leben von Menschen, die unter Anosognosie leiden, ist es wichtig, sie frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Allerdings gibt es bis jetzt noch keine Beweise für die Effektivität getesteter Behandlungen.

Menschen, die unter Anosognosie leiden, können folgende Komplikationen entwickeln:

  • Das Risiko, zu stürzen oder andere Unfälle zu erleiden, aufgrund fehlenden Bewusstseins
  • Stimmungsschwankungen durch die Konfrontation mit der Information: Ärger, Wut, Depression
  • Fehlende Kontrolle über pharmakologische und medizinische Behandlungen; Schwierigkeiten bei der Befolgung der Behandlung der Anosognosie selbst
  • Schlechte Prognose in Bezug auf die Rehabilitation
  • Fehlende soziale Unterstützung wegen mangelnden Verständnisses zur Krankheit

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Patrick Hoesly

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