Kuriositäten über Zärtlichkeiten und den Tastsinn

Zärtlichkeiten bereichern das Leben. Sie sind nicht nur Teil eines Kommunikationssystems, sondern stehen auch in Verbindung mit unserem körperlichen und geistigen Wohlbefinden.
Kuriositäten über Zärtlichkeiten und den Tastsinn
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 23. August 2022

Die Tendenz zu virtuellen Beziehungen und folglich zur Körperlosigkeit wurde durch die Pandemie verstärkt, war jedoch bereits davor zu beobachten. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Berührungen, Hautkontakt und Zärtlichkeiten für uns Menschen lebenswichtig sind. Die zunehmende physische Distanz wirkt sich negativ auf unsere Stimmung und auf unsere Gesundheit aus.

Die Haut, das größte Körperorgan, regt bei Berührung die Ausschüttung von Oxytocin an, was uns hilft, Stress abzubauen und gesunde Bindungen zu etablieren. Zärtlichkeiten und Hautkontakt sind deshalb für Kinder grundlegend. Sie stärken außerdem das Abwehrsystem und reduzieren Ängste. Auch im Erwachsenenalter profitieren wir vielfach davon: Körperkontakt stärkt unter anderem das Vertrauen, fördert positive Gefühle und hilft bei Stress.

“Ich glaube, wir unterschätzen, wie wichtig der Körperkontakt für unsere soziale Interaktion ist. Menschliche Berührung ist der Schlüssel zu unserem Überleben. Es liegt in unserer DNA.”

Robin Dunbar

Eine Online-Studie mit dem Namen “The Touch Test” untersuchte die Bedeutung von Körperkontakt. Die Ergebnisse waren überwältigend. Das Fehlen von Berührungen schwächt das Gefühl von Verbundenheit, Empathie und Vertrauen. Wir sehen uns anschließend weitere interessante Fakten über Zärtlichkeiten, Körperkontakt und den Tastsinn an.

Babys brauchen Zärtlichkeiten

Das Gehirn und der Tastsinn

Der menschliche Körper hat zwischen 6 und 10 Millionen Tastsensoren in der Haut. Diese sind über die gesamte Anatomie verteilt, konzentrieren sich jedoch an bestimmten Stellen. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass sich die Reize, die durch Berührung ausgelöst werden, langsamer ausbreiten als andere.

Kurios ist, dass das Gehirn das Streicheln bereits vier Sekunden vor dem eigentlichen Hautkontakt spürt. Das Gehirn ist also schneller als die Tastsensoren in der Haut. Warum das so ist, konnte wissenschaftlich noch nicht erklärt werden.

Was wir wissen, ist, dass Zärtlichkeiten Stress abbauen können. Sie vermitteln Zuversicht und helfen der Person, Gelassenheit sowie Entspannung zu erreichen. Auch deshalb ist Hautkontakt für Babys und natürlich auch für Erwachsene so wichtig. Hautberührungen haben eine schmerzlindernde Wirkung und tun der Seele gut.

Zärtlichkeiten auf der Haut

Die anfangs bereits erwähnte Studie zeigt, dass die meisten Menschen in der Lage sind, zu erkennen, was eine andere Person durch Streicheleinheiten mitteilen möchte. Die Daten zeigen, dass wir in bis zu 83 % der Fälle richtig einschätzen, was eine Berührung, ein Druck oder andere Kontaktarten bedeuten.

Es wurde auch festgestellt, dass es so etwas wie die perfekte Liebkosung gibt. Der behaarte Armbereich scheint dafür gemacht zu sein. Alles deutet darauf hin, dass sich die meisten Menschen bei der Berührung dieses Körperteils sehr wohlfühlen. Es gibt jedoch ein Geheimnis: Die Berührung muss sehr sanft sein und die Geschwindigkeit sollte 2,5 Zentimeter pro Sekunde betragen. Mit ein bisschen Übung lässt sich das sicher erreichen.

Andererseits gibt es Dinge, die Menschen gerne anfassen und streicheln. In dieser Reihenfolge: die Haut eines weichen und pelzigen Tieres, Samt, Seide, Baumwolle sowie menschliche Haut. Ebenso gibt es Texturen, die niemand anfassen möchte: visköse Oberflächen, Sandpapier, Nylon, Wolle, Metall …

Hund erhält Zärtlichkeiten

Zärtlichkeiten und Erotik

Natürlich können Zärtlichkeiten und Hautkontakt auch erotisch wirken. Tatsächlich wies der Neurowissenschaftler Vilayanur Ramachandran bereits in den 1990er-Jahren darauf hin, dass Liebkosungen das sexuelle Verlangen stimulieren, und er hat dies in Experimenten nachgewiesen.

Er hob dabei insbesondere hervor, dass Liebkosungen im Nacken, in der Nähe des Ohrs und am Fuß sehr erotisch sind. Das liegt daran, dass solche Berührungen einen Bereich des Gehirns stimulieren, der als Penfields sensorischer Homunkulus bekannt ist.

Eine 2012 in der Zeitschrift Cortex veröffentlichte Studie ergab jedoch, dass drei von vier Menschen Fußberührungen als nicht so stimulierend empfinden. Es gibt Bereiche, die erotischer zu sein scheinen, wie der Bauch, die Konturen der Schultern oder die Finger. Sicherlich wird uns die Wissenschaft auch weiterhin mit ihren Erkenntnissen über Zärtlichkeiten überraschen.

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