Kritik wird Menschen nicht verändern

3. Januar 2018 en Emotionen 583 Geteilt
Weinende Frauen

Kritik kann ein Angriff sein, eine Beschwerde, eine Form der Aggression, die sich hinter Worten versteckt. Sie ist ein Monster, das durch Frustration, Missgunst und Zorn genährt wird. Menschen verändern, das ist ihr Ziel. Doch was sie eigentlich tut, ist, Anspannungen freizulassen und die andere Person zu verletzen.

Oft nutzen wir Kritik, um uns über etwas zu beschweren, das wir an der anderen Person nicht mögen, in der Hoffnung, dass sie ihr Verhalten ändert. Doch statt die Veränderung zu fördern, bringt sie die andere Person nur in Verruf und lässt sie sich schuldig und wehrlos fühlen.

Die Person, die die Kritik empfängt, fühlt sich angegriffen. Und ihre unmittelbare Reaktion ist für gewöhnlich entweder eine Abwehrhaltung, Zorn oder Schuld. Wie ein anhaltender Wind, der allmählich die Erde erodiert, lässt Kritik die Beziehung diskret, aber kontinuierlich schwächer werden.

Die Frustration hinter der Kritik

Man sagt, dass die Augen die Spiegel unserer Seele seien. Doch in vielen Fällen sind es nicht unsere Augen, die uns so sehr zeigen, wie es uns wirklich geht, sondern unsere Worte. Kritik offenbart den Zorn, die Frustration, die Unfähigkeit, zu kommunizieren, und den Wunsch, die andere Person zu kontrollieren.

Frau in einem Einmachglas voller Fragezeichen

Ihre Hauptfunktion ist es, die eigenen Emotionen zum Ausdruck zu bringen und die andere Person zu manipulieren. Menschen, die kritisieren, werfen mit Beleidigungen um sich, damit die andere Person das tut, was sie wollen. Jedoch neigt Kritik dazu, Wandel zu verhindern anstatt Menschen zu verändern.

Es gibt verschiedene Ursachen, von kleinen, unbedeutenden Handlungen, bis hin zu wichtigen Aspekten der Beziehung. Wenn die Kritik isoliert und angemessen angebracht wird, bringt sie kaum Probleme mit sich. Doch sie ist ein Problem, wenn sie zur Gewohnheit wird.

Die Kritik ist wie ein Schwert

Manchmal ist sie klein, dezent, aber konstant. Wie kleine Wassertröpfchen, die Tag für Tag auf unseren Kopf landen, bis sie uns völlig durchnässt haben. Andere Male ist sie beschränkter und isolierter, und doch schroff und intensiv. Und sie verursacht einen Schaden, der Zeit braucht, um repariert zu werden.

Diese Angriffe neigen dazu, wiederholend, klischeehaft und emotionsgeladen zu sein. Für gewöhnlich beziehen sie sich auf Streitpunkte aus der Vergangenheit, oder auf die Gewohnheiten der Person. Und sie legen ihren Fokus auf die Person anstatt auf das Ereignis. Beispiele sind: „Du tust es schon wieder“, „du bist nie in der Stimmung“, „du solltest es mittlerweile wissen“, „wenn du so weitermachst, werde ich es nicht länger tolerieren“,  und natürlich die Frage: „Wirst du dich jemals ändern?“

Streitendes Paar

Nein, Kritik wird Menschen nicht verändern. Kritik ist ein Angriff, der oft von verletzenden Worten begleitet wird. In ihrer extremsten Form kann sie die andere Person lächerlich machen, kränken oder verletzen. Dies lässt sie sich hilflos, traurig, schuldig, wertlos und unsicher fühlen.

Sie werden zermürbt, doch sie ändern sich nicht

Meist ist der hervorgerufene Effekt das Gegenteil von dem, was sich der Kritisierende sich gewünscht hat. Je mehr sich eine Person beschwert und kritisiert, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass sich die andere Person ändern wird. Jedoch entfernen sich Menschen dadurch voneinander, was die Kommunikation noch komplizierter werden lässt.

„Sei dir über des Unterschied zwischen der freundlichen Analyse und der destruktiven Kritik bewusst. Beobachte, ob deine Worte es beabsichtigen, zu helfen, Luft abzulassen oder zu schaden.“

Napoleon Hill

Kritik und Kommunikationsprobleme sind zwei der Hauptfaktoren, die zum Ende einer Beziehung führen. Die Kritik verhält sich wie eine Schranke, die uns den angemessenen Lauf der Beziehung erschwert.

Weniger schädliche Wege, zu kommunizieren

Wenn du findest, dass deine Emotionen dir die Luft abschnüren, kannst du die andere Person als Unterstützung nutzen, statt als einen Sandsack. Selbst wenn dich etwas an der anderen Person frustriert, kannst du dir selbst helfen, und ihr ruhig und höflich sagen, wie du dich fühlst, was dich stört, und was du dir für die Zukunft wünschst.

Wandle den Angriff in eine Bitte um. Zu sagen „Du bist immer beschäftigt. Es fühlt sich an, als ob ich dir jeden Tag weniger bedeute.“  ist anders als zu sagen „Ich habe das Gefühl, dass wir nur wenig Zeit miteinander verbringen. Ich vermisse dich. Denkst du, wir könnten diese Woche etwas gemeinsam unternehmen?“.

Kritisierende Hand

Lies dir die folgenden Techniken durch, die dir dabei helfen, Kritik in konstruktiven Botschaften auszudrücken:

  • Deine Gefühle gehören dir, egal, wer sie erschaffen hat. Beschuldige niemanden dafür, was du erlebst, und akzeptiere deine Emotionen als deine eigenen. Tausche „Du treibst mich in den Wahnsinn!“  gegen „Wenn du das tust, macht mich das nervös“.
  • Setze deinen Fokus auf die Gegenwart oder die Zukunft. Dies gibt dir eine Chance, ins Handeln zu kommen, während dich die Vergangenheit in einem Gefängnis festhält, aus dem du nicht fliehen kannst. Es ist besser „Nächstes Mal möchte ich, dass du jenes tust“ zu sagen, statt „Du hörst mir nie zu“.
  • Sei konkret, statt zu verallgemeinern. Menschen können nicht verändern, wer sie sind. Doch sie können verändern, was sie tun. Fokussiere dich auf bestimmte Handlungen, statt darauf, wer sie als Person sind. Dies wird dabei helfen, das Problem zu lösen. Versuch es mal mit „Du scheinst heute wütend zu sein. Ist etwas passiert?“ und verzichte auf „Du bist ein Idiot, immer bist du schlecht gelaunt“.
  • Sage bitte, danke, und es tut mir leid, ohne sarkastisch zu sein. Angemessene Worte und der richtige Ton können weitere Streitereien verhindern.

Sei damit einverstanden, zu widersprechen

Dich angemessen auszudrücken bedeutet nicht, dass immer einverstanden sein zu müssen. Selbst bei guter Kommunikation ist es möglich, dass es Dinge gibt, mit denen du nicht einverstanden bist, oder dass du möchtest, dass sich die andere Person ändert. Doch eine Übereinstimmung ist nicht immer möglich.

Veränderungen sind viel leichter zu bewirken, wenn ihr von einem Ort der Verbundenheit und Unterstützung aufbrecht, und nicht von Distanz und Schmerz. Selbst wenn ihr nicht einer Meinung seid, ist es immer angenehmer, jemanden als Verbündeten, statt als Feind zu haben.

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