Kinder mit Krebs und wie wir ihre Lebensqualität verbessern können

6. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Kinder mit Krebs - Mädchen mit Alopezie

Jedes Jahr werden allein in Deutschland hunderte Kinder mit Krebs diagnostiziert. Glücklicherweise ermöglicht der medizinische Fortschritt inzwischen ein längeres Überleben. Aber es ist nicht nur wichtig, die Krankheit zu heilen, sondern auch, auf ihre Lebensqualität zu achten.

Die Nebenwirkungen der Krankheit und der damit verbundenen Behandlungen sollen klinisch im Vordergrund stehen. Aber darüber hinaus ist es essenziell, die effektivsten psychologischen Techniken zur Anwendung zu bringen, um jegliches Leiden zu reduzieren. Auch ist es ratsam, zu wissen, was die am besten geeigneten Interventionen sind, um Angst und Depressionen bei Kindern zu reduzieren. Wir müssen versuchen, ihre Lebensqualität zu verbessern, sowohl während der Erkrankung als auch in der Remission.

Kinder mit Krebs – wie wirkt sich diese Krankheit auf sie aus?

Kinder mit Krebs erleiden ebenso viele körperliche wie psychische Beschwerden. Zu den körperlichen Symptomen gehören Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust, und viele andere mehr. Auf einer emotionalen Ebene werden Kinder mit Krebs mit Gefühlen von Wut, Angst und Einsamkeit konfrontiert.

Je nach Alter, in dem die Diagnose gestellt wird, kann sich die Krankheit in psychologischer Hinsicht auf unterschiedliche Weise manifestieren. Unter den jüngeren Kindern fällt die Sorge um den Schmerz und die Angst, sich von ihren Eltern trennen zu müssen, auf. Andererseits treten bei älteren Kindern Gefühle der Einsamkeit auf. Jugendliche erleben eher Angst vor dem Tod und Stress im Zusammenhang mit den körperlichen Veränderungen.

Junge mit Krebs im Krankenbett

Schmerz ist eines der häufigsten Probleme. Diese Schmerzen können von der Krankheit selbst herrühren oder durch medizinische Eingriffe entstehen. Beispielsweise sind Knochenmarkbiopsien und andere diagnostische Maßnahmen mitunter sehr schmerzhaft und belastend. Kinder mit Krebs müssen auch Bestrahlung, Chemotherapie oder Operationen über sich ergehen lassen, die ebenfalls schmerzhafter sein können als die Krankheit selbst. Außerdem sind Schlafstörungen, Müdigkeit, Angststörungen, Depressionen und soziale Probleme häufig.

Psychologische Interventionen bei krebskranken Kindern

Das Wissen um die Diagnose hat sehr starke Auswirkungen auf die Psychologie der Familie. Mitunter stellt sich die Frage, ob das Kind wissen soll oder nicht, was ihm bevorsteht. In diesen Fällen kann die Beratung durch einen Spezialisten, der weiß, was zu tun ist und wie es zu tun ist, sowohl der Familie als auch dem Kind helfen.

Eine Krebsdiagnose ist eine sehr heikle Situation, die viel Verständnis, Feingefühl und vor allem Unterstützung erfordert.

Die Auswirkungen der Krankheit, die geplante Behandlung und ihre Entwicklung sowie das Gefühl der Unsicherheit neigen dazu, eine Menge Fragen aufzuwerfen, die Antworten brauchen. Psychologische Interventionen können helfen, diese Antworten zu finden oder zumindest zu zeigen, wie mit Problemen umzugehen ist.

Hier sei eine Reihe von Behandlungen genannt, deren Wirksamkeit belegt ist:

  • Reduzierung von Übelkeit und Erbrechenprogressive Muskelentspannung mit geführten Bildern, Hypnose und systematischer Desensibilisierung
  • Schmerzkontrolle – Ablenkung, Einsatz von Fantasie, Atem- und Entspannungstraining, positive Verstärkung, Musiktherapie oder Hypnose
  • Linderung der Müdigkeit – Ablenkung und Planung von Aktivitäten nach Priorität
  • Behandlung von Angst – Atem- und Entspannungstechniken, die Visualisierung von angenehmen Szenen, die Verstärkung geeigneter Verhaltensweisen, Differentialverstärkungen und positive Selbstverbalisierung
  • Behandlung von Depressionen – emotionale Erziehung, angenehme Aktivitäten und kognitive Umstrukturierung

Anpassung an ein neues Leben nach der Krebsbekämpfung

Die Überlebensrate krebskranker Kinder liegt aktuell bei fast 80 %. Diese ist eine hoffnungsvolle Information und die Wissenschaft strebt danach, durch Fortschritte in den verschiedenen Arten von Behandlungen der Marke von 100 % näherzukommen. Aber was bedeutet es wirklich, ein Überlebender von Krebs zu sein?

Krebs ist eine Krankheit, die unter anderem durch lange Krankenhausaufenthalte gekennzeichnet ist. Die jüngsten Patienten gehen nicht mehr zur Schule, können ihre Klassenkameraden oder Lehrer kaum noch sehen und der Kontakt zur Außenwelt wird minimal. Das verengt ihre sozialen Kreise. So können sie einige Schwierigkeiten haben, wenn es darum geht, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Kinder mit Krebs brauchen viel Unterstützung, wie dieses von Händen geformte Herz symbolisiert

Wiedervereinigung mit ihren Klassenkameraden

Die Rückkehr in die Schule ist mitunter ein komplizierter Prozess. Sowohl die Kinder als auch ihre Eltern werden Angst haben. Einerseits wollen sich die Kinder nicht von ihren Eltern trennen und haben möglicherweise gewisse Bedenken bezüglich der körperlichen Veränderungen (Alopezie, Amputationen, etc.). Andererseits haben die Eltern Angst, dass ihre Kinder von Gleichaltrigen abgelehnt würden. Außerdem befürchten die Eltern, dass sich die Kinder Krankheiten einfangen könnten, die ihre Gesundheit wieder beeinträchtigen.

Bestimmte Maßnahmen sind diesbezüglich sehr hilfreich, z. B. ein Treffen mit dem Schulpersonal, um sie über die Krankheit und die Behandlung zu informieren, und Aktivitäten zur Vorbereitung des Kindes auf die Rückkehr in die Schule. Weiterhin die Bildung der übrigen Kinder, um ihnen zu helfen, die Krankheit und die Bedürfnisse des Neuankömmlings zu verstehen. In jedem Fall ist es ratsam, nützliche Informationen für die Kinder und die ganze Familie zu sammeln. Das gilt auch für die Lehrer, die die Situation begleiten. Die Wiedereingliederung bedarf eines Anpassungsprozesses, der Zeit braucht.

Abschließend ist zu sagen, dass wir durch psychologische Hilfe und durch multidisziplinäre Ansätze die Lebensqualität von krebskranken Kindern und ihren Familien verbessern können.

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