Kennt ihr das Uncanny-Valley-Konzept?

15. Dezember 2018

„Wenn Computer die Kontrolle übernehmen, verlieren wir sie. Wir müssten dann nach ihrer Laune überleben.“ Was denkt ihr, wenn ihr dieses Zitat von Marvin Minksy, dem Vater der künstlichen Intelligenz, lest? Besorgt es euch? Wenn die Antwort ja ist, ist dieses Gefühl berechtigt, und nach dem Uncanny-Valley-Konzept kann es psychologisch gerechtfertigt werden.

Die gegenwärtige Welt entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Jedes Smartphone, das wir in unseren Taschen tragen, ist leistungsfähiger als die Computer, die Männer zum Mond brachten. Wie man sieht, schafft all dies wichtige Fortschritte, gibt aber auch Anlass zur Sorge. Die Geschwindigkeit, mit der die Technologie voranschreitet, ist erstaunlich, und mag uns Menschen auf halber Strecke überholen.

Was ist das Uncanny-Valley-Konzept?

Neue Technologien ermöglichen es uns, so zu handeln, wie wir es uns vor Jahren nie erträumt hätten. Tatsächlich gibt es bereits Roboter, die ein wahrhaft menschliches Aussehen haben und menschliche Aufgaben übernehmen. Wenn diese Art von „Wesen“ euch besorgt, ist das nicht seltsam. Es ist ein Gefühl, das das Uncanny-Valley-Konzept erklärt.

Frau und Roboter

Laut Professor Masahiro Mori, der dieses Konzept 1970 definierte, ist es so: Je mehr ein Roboter wie wir aussehe, desto mehr würden wir ihn ablehnen, wenn wir wissen, dass er ein Roboter sei. Wenn wir jedoch nicht in der Lage seien, einen Roboter von einem Menschen zu unterscheiden, würde unsere Reaktion positiver sein. Es gibt also eine Art  „Raum“, in dem wir auf diese Wesen mit einer sehr starken Ablehnung oder mit Zuneigung reagieren.

Mori schuf dieses Konzept, während er die menschlichen Reaktionen auf Roboter studierte. Die Idee der künstlichen Intelligenz und der menschenähnlichen Roboter löste damals weltweit die gleiche Reaktion aus: Sie provozierte eine große Ablehnung bei Männern und Frauen, wie Pixars 1988er Kurzfilm Tin Toy zeigt. Das Baby in der Geschichte war dem echten sehr ähnlich, aber nicht so sehr, dass es eine positive Reaktion hervorrufen hätte können.

„Werden Roboter die Erde erben? Ja, aber sie werden dann unsere Kinder sein.“

Marvin Minsky

Theorien über das Uncanny Valley

Bis heute konnte niemand endgültig erklären, warum diese Ablehnung stattfindet. Mehrere Forscher haben jedoch Theorien vorgeschlagen, um zu versuchen, diese Frage zu beantworten. Die am meisten akzeptierte Theorie stammt von Thalia Wheatley, einer Psychologin am Dartmouth College (New Hampshire, USA). Ihr zufolge verfüge unser Gehirn über ein Stimulationsbewertungssystem, dessen Programmierung uns daran hindert, Partner mit gesundheitlichen Problemen auszuwählen. Das bedeutet, wenn wir jemanden oder „etwas“ sehen, der nicht für die Fortpflanzung geeignet ist, interpretiert unser Gehirn dies als eine Gefahr für die Erhaltung unserer Spezies.

Nach Wheatleys Forschung ist die Evolutionsgeschichte des Menschen so erfolgreich, dass wir bereits sehr kleine Verzerrungen erkennen können. Einmal erkannt, erzeugen diese Verzerrungen Unbehagen um das Wesen herum, das körperliche oder geistige Probleme haben könnte. Diese Sorge könnte die Existenz des Uncanny Valleys in Form einer natürlichen Reaktion auf das Bestreben zur Erhaltung der Art erklären.

Code und Roboter

Kritik an der Theorie

Das bedeutet, dass unser Gehirn das Aussehen eines fast menschlichen, aber nicht ganz menschlichen Droiden mit einem Wesen mit einer schweren Krankheit in Verbindung bringen könne. Deshalb zeige es eine ablehnende Reaktion. Diese gut verständliche Theorie hat aber auch ihre Kritiker. Mehrere Roboterspezialisten, darunter Ayse Saygin, Kognitionswissenschaftlerin an der University of California (Kalifornien, USA), wiesen darauf hin, dass die Technologie noch nicht ausreichend entwickelt sei.

Tatsächlich fehlt der Theorie bislang jegliche wissenschaftliche Grundlage hat, um das Konzept des Uncanny Valley zu bestätigen. So könnte dieses ablehnende Gefühl auch durch eine einfache kognitive Dissonanz verursacht werden. Durch die Beobachtung von menschenähnlichen Merkmalen wie Mimik und Verhalten schafft unser Gehirn bestimmte Erwartungen. Wenn es nicht zufrieden ist, mit dem, was es sieht, gibt es Dissonanzen. Dieses Konzept, unabhängig davon, ob es wahr ist oder nicht, eröffnet die Möglichkeit, mehr über menschliche Empathie zu erfahren.

Also, was denkt ihr? Fühlt ihr diese Unruhe, wenn ihr eine Maschine seht, die einem Menschen zu ähnlich ist? Wenn ja, könnt ihr Mori und seinem Uncanny-Valley-Konzept zustimmen. Es ist beunruhigend, nicht wahr?