Die Phasen der sexuellen Reaktion

· 25. Juni 2018

Für die meisten Menschen ist Sex einer der wichtigsten Aspekte des Lebens. Doch nicht viele von uns verstehen, wie wir auf sexueller Ebene funktionieren. Dafür müssen wir den Prozess der sexuellen Reaktion kennen, auf den wir in diesem Artikel eingehen wollen.

Die Studien von Masters und Johnson waren Pionierarbeiten, was die Untersuchung der sexuellen Reaktion des Menschen anbelangt. Trotz der Kontroversen, mit denen sie ihrer Zeit zu kämpfen hatten, sind diese Studien nach wie vor bedeutende Referenzen. Zu ihren wichtigsten Entdeckungen zählen die Phasen der sexuellen Reaktion. Dank ihnen kennen wir nun die unterschiedlichen Stufen, die unser Körper während des Geschlechtsverkehrs durchläuft.

Wir sollten wissen, dass jeder Mensch sexuell anders reagiert. Manche stöhnen, während andere keinen Mucks von sich geben, und manche Menschen bewegen sich sehr intensiv, was man von anderen nicht sagen kann. Trotz der Unterschiede ist die physiologische Reaktion beim Orgasmus angesichts der sexuellen Erregung bei allen Menschen identisch.

Das Vier-Stufen-Modell: Die Phasen der sexuellen Reaktion

Die Theorie des Vier-Stufen-Modells besagt, dass der Mensch während der sexuellen Reaktion vier Phasen durchlaufe: (a) Erregungsphase, (b) Plateauphase, (c) Orgasmus und (d) Rückbildungsphase. Diese Phasen würden immer in dieser Reihenfolge ablaufen, beginnend bei der Erregungsphase und endend mit der Rückbildungsphase.

Schauen wir uns die einzelnen Phasen etwas genauer an.

Paar liegt eng umschlungen im Bett

Die Erregungsphase

Sie steht für den Beginn der physiologischen Veränderungen, die auf die Reaktion des Organismus auf die sexuelle Stimulation hinweisen. Die Reize, die den Beginn dieses Zyklus hervorrufen, können sowohl physisch als auch psychisch sein. Die Hauptfunktion dieser Phase besteht darin, den Körper auf den Koitus vorzubereiten.

Die physiologischen Veränderungen, die wir bei der Frau vorfinden, sind vielfältig. Die vaginale Lubrikation verstärkt sich dank einer gesteigerten Aktivität des Parasympathikus schnell. Darüber hinaus dehnt sich der Scheideneingang, um das Eindringen des Penis zu erleichtern, und die Klitoris sowie die Brüste schwellen aufgrund der Vasokongestion an.

Auch beim Mann treten unterschiedliche physiologische Reaktionen auf. Aufgrund der Aktivierung des Sympathikus und der Vasokongestion wird eine Erektion zusammen mit mehr Muskelanspannung im Hodensack und einer Vergrößerung der Hoden hervorgerufen. Außerdem treten rhythmische Kontraktionen in der Analregion auf.

Dazu machen sich bei beiden Geschlechtern eine Reihe von Veränderungen bemerkbar, wie z. B. der sogenannte Sex flush (die Durchblutung der obersten Hautschichten erhöht sich auf ein Maximum), eine erhöhte Herzfrequenz und ein erhöhter Blutdruck.

Die Plateauphase

Bei der Plateauphase handelt es sich um eine Erhaltung des Zustands. Sie ist der zentrale und ausgeprägteste Part der sexuellen Reaktion. In dieser Phase finden sexuelle Aktivitäten statt. Die sexuelle Spannung steigt signifikant an. Darüber hinaus entstehen starke Muskelkontraktionen und die Vasokongestion besteht fort. Die Funktion dieser Phase besteht darin, den Zustand der sexuellen Erregung bis zum Höhepunkt oder Orgasmus aufrechtzuerhalten.

Die physiologischen Veränderungen, die wir bei Frauen während dieser Phase feststellen, sind: eine nach innen zurückgezogene Klitoris, Verdunkelung der kleinen Schamlippen und Kontraktion der Vaginalwände. Diese Veränderungen werden Ausbildung der orgastischen Manschette genannt. Ebenso beginnen, wie auch beim Mann während der Erregungsphase, unwillkürliche Kontraktionen in der Analregion.

Bei Männern erreicht der Penis sein maximales Erektionsvolumen und die Hoden vergrößern sich auf ihr Maximalvolumen. Zudem tritt das Präejakulat aus der Eichel aus, um die Samenabflusskanäle zu reinigen. Kontraktionen im Rektum treten nach wie vor auf.

Bei beiden Geschlechtern kommt es weiterhin zum Sex flush und die Herzfrequenz, der Blutdruck und die Atemfrequenz steigen weiter an.

Frau umarmt und küsst ihren Partner von hinten

Höhepunkt oder Orgasmusphase

Die Orgasmusphase oder der Höhepunkt besteht aus einer explosiven Entladung neuromuskulärer Spannung, was zur maximalen Lustempfindung führt. Der Orgasmus tritt unwillkürlich und plötzlich auf, sobald die Stimulation ihre maximale Intensität erreicht hat. Sie steht für das Ende des Sexualaktes, und vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet dient der Orgasmus der Verstärkung der Handlungsweise.

Bei Frauen kontrahiert die orgastische Manschette in Intervallen von weniger als einer Sekunde zwischen fünf und zwölf Mal. Außerdem treten Kontraktionen des Analsphinkters und anderer Muskelgruppen auf.

Bei Männern bewirken die Kontraktionen der Harnröhre und der Beckenmuskeln eine Ejakulation der Samenflüssigkeit. Die Ejakulation wird durch den Sympathikus gesteuert.

Parallel dazu findet bei beiden Geschlechtern eine nochmalige Steigerung der in der vorherigen Phase beschriebenen Parameter statt: Die Herzfrequenz, der Blutdruck und die Atemfrequenz steigen weiter an.

Rückbildungsphase

In ihr ereignet sich ein stetiger Verlust der sexuellen Spannung und der Organismus kehrt wieder in den Zustand vor der Erregungsphase zurück. Die Rückbildung der zuvor erläuterten Prozesse dauert in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten.

Männer treten in eine sogenannte Refraktärphase ein, in der es sehr schwierig ist, erneut eine Erektion und einen weiteren Orgasmus zu bekommen. Die Dauer dieser Phase ist variabel, schwankt zwischen Minuten und Stunden und verlängert sich mit zunehmendem Alter.

Frauen zeigen diese Refrektärperiode nicht. Daher können sie in kürzerer Zeit multiple Orgasmen erleben. Ein weiterer Unterschied zu Männern ist, dass Frauen eine größere Variabilität untereinander aufweisen: Während einige Frauen schnell zum Höhepunkt kommen, bekommen andere einen Orgasmus hingegen nur sehr langsam und erst nach und nach.