Sigmund Freud: Bei der Libido geht es um mehr als nur um Sex

· 3. April 2018

Viele von uns haben eine Vorstellung von der Libido, bei der ein bestimmtes Eelement überbetont wird: Sie bleibt auf die sexuelle Auffassungsweise beschränkt. Der Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, verwendete diesen Terminus vollkommen anders. Er sprach von der Libido in sehr viel größeren Dimensionen, als es den meisten von uns bekannt ist. Freud definierte die Libido als diejenige Energie, die von Trieben oder Instinkten herrührt, die unser Verhalten steuern. Er unterschied dabei zwischen zwei Hauptgruppen des Triebes, dem Lebenstrieb und dem Todestrieb.

Der Lebenstrieb bezieht sich auf Impulse, die mit Neigungen oder Emotionen zu tun haben. Jene Impulse, die uns dazu veranlassen, uns zu verlieben, uns fortzupflanzen und uns mit anderen Menschen zu verbinden. Freud meinte, dass dies mit dem „Es“ oder „Ich“ in Verbindung gebracht werden könnte. Auf diese zwei Begriffe werden wir später noch näher eingehen.

Dem Lebenstrieb steht der Todestrieb gegenüber. Er bezieht gegen das Leben Stellung und bringt Abnutzung und Verschleiß mit sich. Hier wiederholen sich Muster, die uns dazu bringen, immer wieder über denselben Stein zu stolpern. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir uns immer wieder in die gleiche Sorte Mensch verlieben, die uns dann schlussendlich Schmerz zufügt.

Die  beiden verschiedenen Arten von Trieben, die Freud definierte, sind als „Lebenstrieb“ oder „Eros“ und als „Todestrieb“ oder „Thanatos“ bekannt.

Sigmund Freud und die Libido

Obwohl wir ohne Umschweife die Libido und das Lustprinzip miteinander in Verbindung bringen, geht für Freud das Lustprinzip über die reine Sexualität hinaus. Ist es denn kein Genuss, wenn wir auf ein Gefühl des Durstes hin einen Schluck Wasser trinken? Empfinden wir denn kein Wohlbehagen, wenn wir ein köstliches Dessert probieren? Und wenn wir uns im Winter wohlig an einem Lagerfeuer wärmen?

Für Freud bestätigte dies sein Konzept, dass die Libido im Es, Ich und Über-Ich, wie er es definierte, anwesend sie. Das Lustprinzip, welches wir für unmittelbare Bedürfnisbefriedigung halten, findet sich beim Es. Dies ist der Teil unserer Psychologie, der uns unbewusst in Richtung Genuss leitet. Zum Beispiel nähren wir bei einem Gefühl des Durstes die Absicht, uns ein kühles Bier zu besorgen.

Nackter Frauenkörper liegt in Fantasielandschaft

Das Ich seinerseits versucht, die Energie der Libido zu begrenzen. In seinen Verantwortungsbereich fällt es, die Lust zu befriedigen, während man gleichzeitig die Realität berücksichtigt. An diesem Punkt kommen sowohl unsere Umwelt als auch die Regeln der Gesellschaft ins Spiel. Wenn wir mit dem vorherigen Beispiel fortfahren: Ich mag vielleicht ein Bier trinken wollen, aber womöglich wähle ich ein alkoholfreies Getränk, weil ich später noch am Steuer sitzen werde.

Das Über-Ich schließlich weist Ähnlichkeit mit dem Ich auf. Allerdings verleiht es der Moral ein großes Gewicht. Es hat die Normen und Werte der  Gesellschaft verinnerlicht. Die Regeln, die wir durch den Kontakt und die Interaktion mit anderen Menschen erlernen.

Wir kehren zu unserem vorherigen Beispiel zurück: Ich fühle mich vielleicht schuldig, ein Bier zu trinken, weil der Alkoholkonsum außerhalb des gesellschaftlichen Kontextes von eben dieser Gesellschaft nicht gebilligt wird. Ich fühle mich schuldig, weil ich die Vorstellungen der Gesellschaft verinnerlicht habe.

Sigmund Freud entwarf ein besonderes Strukturmodell der menschlichen Psyche, um zu erklären, wie der Mensch tickt. Dieses Modell besteht aus drei Bestandteilen: dem Es, dem Ich und dem Über-Ich.

Die Phasen der psychosexuellen Entwicklung

Für Freud ist die Libido auch in den verschiedenen Stadien der menschlichen Entwicklung zu finden. In jedem Entwicklungsstadium zeigt sie sich allerdings anders. Das heißt, die Libido drückt sich auf verschiedene Art und Weise aus, je nachdem, wo sich ein Mensch in seiner Entwicklung gerade befindet.

  • Die orale Phase: Der Mensch verschafft sich Wohlbehagen durch den Mund.
  • Die anale Phase: Der Schließmuskel und die Ausscheidung werden kontrolliert. Diese Aktivität wird mit Lust und Sexualität verknüpft.
  • Die phallische Phase: Das Wasserlassen verschafft dem Menschen lustvolle Gefühle, weil die Empfindung dabei angenehm ist.
  • Die Latenzphase: Zurückhaltung und Schamgefühl in Verbindung mit der Sexualität tauchen auf.
  • Die genitale Phase: Die Pubertät und die sexuelle Reife setzen ein.

Laut Freud stagniert die Libido jedoch manchmal. Damit meinte er, dass sie nicht ihrem natürlichen Fluss folgt. Dies geschieht, wenn eine Form von Fixierung auftritt, die den Übergang in die nächste Phase verhindert. Wenn wir zum Beispiel am lustvollen Erleben, das uns der Mund in der oralen Phase bereitet, festhalten möchten, wird es schwierig werden, diese Phase loszulassen und uns der nächsten uneingeschränkt zuzuwenden.

„Die Transformation der Objektlibido in die narzisstische Libido, die nun also stattfindet, beinhaltet offensichtlich ein Aufgeben der Sexualziele, eine Desexualisierung – eine Art der Sublimierung.“

Sigmund Freud

Sexualität - Paar umarmt sich

Wie wir gelesen haben, verstand der Vater der Psychoanalyse unter der Libido etwas anderes als das, wie wir den Terminus heutzutage begreifen. Für ihn ging es dabei nicht nur um das menschliche Verlangen, Lust zu empfinden. Aber laut Freud ist diese Lust in anderen Bereichen unseres Lebens mit eingeschlossen. Die Lust verändert sich auch in den verschiedenen Phasen unserer psychosexuellen Entwicklung.