Kannst du um Verzeihung bitten?

7. Juli 2016 en Psychologie 173 Geteilt

Wir alle begehen Fehler, machen hin und wieder etwas falsch und irren uns. Für gewöhnlich bemerken wir es schnell, wenn uns das passiert: Sobald wir etwas Falsches tun oder sagen, startet in unserem Kopf beinahe automatisch ein Beurteilungsmechanismus.

Manchmal schaden oder missfallen unsere Fehler Menschen, die wir lieben, so widersprüchlich es auch sein mag. Jeder von uns hat doch schon einmal mit einem unangebrachten Kommentar oder mit einer unbegründeten Beschuldigung jemanden absolut ungerechtfertigt verletzt oder war so sauer auf sich selbst, dass er auf jemand anderen böse war.

Wenn das passiert und es uns auffällt, stehen wir normalerweise vor der schwierigen Aufgabe, um Verzeihung zu bitten oder uns zu entschuldigen. Etwas, das von außen betrachtet ganz einfach zu sein scheint, wird oft zu einer komplizierten Aufgabe. Eigentlich könnten wir denken, dass um Vergebung zu bitten nicht nur bedeutet, dass wir unseren Fehler einsehen, sondern dass wir auch Schwäche zeigen. Und ebenso kann es sein, dass diese Person, die nun verletzt ist, uns selbst zuvor geschadet und sich aber nicht entschuldigt hat. Wieso sollten wir uns also die Mühe machen, wenn es der andere doch auch nicht getan hat?

Dann gibt es Fälle, in denen es die eigenen Umstände sind und wir mit unserem Mitmensch, dem wir schmerzliche Gefühle bereitet haben, einfach nicht mehr auf einen grünen Zweig kommen. Hin und wieder ist es auch die Scham, die einer Entschuldigung den Riegel vorschiebt. Letztendlich kann es auch an etwas liegen, das auf alle zuvor genannten Punkte zutrifft: Wir wissen schlichtweg nicht, wie wir um Verzeihung bitten sollen.

Eine gute Entschuldigung lebt von diesen drei Bestandteilen:

  • „Es tut mir leid.“ – Wenn du um Vergebung bittest, dann teile dem anderen mit, dass du dadurch, dass du ihn verletzt hast, dir selbst ebenso geschadet hast, dass du das nicht wolltest und, wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, es anders machen würdest. Durch diese Geste löst du bei deinem Gegenüber Mitgefühl aus und ebnest den Weg für einen Dialog, bei dem eure Gefühle die Hauptrolle spielen. Wenn dir das gelingt, kannst du den verursachten Schmerz bei der Wurzel packen und die Wunde von Grund auf heilen lassen.
  • „Es war meine Schuld.“ Bei einer Entschuldigung übernimmst du die Verantwortung dafür, was geschehen ist. Du siehst ein, dass es deine Schuld war, du dafür die Verantwortung trägst und nicht die andere Person. Durch diesen Schritt zeigst du Reife und vermittelst demjenigen, bei dem du dich entschuldigst, ein Gefühl von Vertrauen.
  • „Wie kann ich es wiedergutmachen?“ Manchmal ist der Schaden, den wir angerichtet haben, nicht sofort zu beheben, doch andere Male hingegen schon, und oft wissen wir dann nicht, wie wir das anstellen sollen. Freiwillig auf den verletzten Part zuzugehen oder die Bereitschaft dazu zeigen, wird ihm verdeutlichen, wie wichtig er uns verdienterweise ist. Oftmals ist es nur eine Frage der Zeit. Der andere muss wissen, dass unsere Entschuldigung nicht nur ein Versuch ist, Gras über die Sache wachsen zu lassen und so schnell wie möglich zu denken „Schwamm drüber“.

Wenn deine Entschuldigung diese drei Bestandteile enthält, wird sie viel effektiver sein, dein Gegenüber wird sie verstehen und er wird sich durch das, was du ihm vermitteln willst, beschwichtigt fühlen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Auremar

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