Jenseits der Stille

· 27. September 2016

Du bist normalerweise eine stille und zurückhaltende Person. Vielleicht zeigst du dich anderen gegenüber offen und zugänglich, sobald es aber persönlich wird, ziehst du eine Mauer auf.

Es gibt viele Menschen, die es bevorzugen, zuzuhören, bevor sie mitreden. Sie scheinen schüchtern zu sein, aber dem ist nicht so. Es sind freundliche Menschen, die durch das Vertrauen, welches sie vermitteln, äußerst anziehend wirken, während sie tief in sich etwas verbergen. Etwas sehr Schmerzhaftes, etwas, das sie in der Stille leiden lässt.

Manchmal reicht es zu schweigen … um alles zu sagen.

Vielleicht hast du schon jemanden getroffen, auf den diese Charakteristika zutreffen. Vielleicht bist du sogar einer von ihnen. Es ist schwierig, diese Menschen zu bemerken, weil sie überhaupt nicht in Erscheinung treten und sich unserer Aufmerksamkeit entziehen.

Leiden in der Stille

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Wenn du einer der Menschen bist, die etwas hinter ihrer scheinbaren Stille zu verbergen haben, hast du wahrscheinlich bemerkt, wie einfach es ist unbemerkt zu bleiben. Menschen sind meist auf diejenigen fixiert, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Menschen, die ihre Stärke und ihre Persönlichkeit demonstrieren, um sich von anderen abzuheben. Du jedoch bist eine Person, die eher vorgibt, etwas zu sein, weil sie weiß, dass es eh niemand bemerkt. Niemand beachtet dich.

Das bedeutet aber nicht, dass du niemandem wichtig bist. Du weißt genau, dass dem nicht so ist. Aber vielleicht sind sie nicht empathisch genug, sich in dich hineinzuversetzen und hinter deine Fassade zu schauen.

Ein Lächeln vermag alle glauben zu machen, du seist glücklich und dass alles seinen Gang geht. Aber glaube mir, irgendein Mensch wird sich nicht von der Fassade deines Gesichtes blenden lassen und an deinem Blick erkennen, dass etwas nicht stimmt.

Wir glauben, dass niemand uns beobachtet. Wir glauben, dass alle wegsehen. Bis wir merken, dass uns jemand beobachtet.

Vielleicht hast du es schon erlebt, dass jemand mit dem Verdacht an dich herangetreten ist, etwas sei nicht in Ordnung. Es könnte ein enger Verwandter sein, ein Freund, ein Lehrer, ein Nachbar, der eine große Sensibilität besitzt.

Wenn du dieser Person nicht ausreichend vertraust oder ihr nicht wichtig genug bist, wird sie dein „Mit mir ist alles in Ordnung“  akzeptieren und gehen. Natürlich in vollem Bewusstsein, dass es nicht stimmt.  

Hole all den Müll heraus, der in dir gärt

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Bezogen auf ihr emotionales Leben verhalten sich manche Menschen wie Hamster. Sie sammeln emotionalen Müll  und Negativität in sich an, bis es gar nicht mehr geht. Wir sind alle verschieden. So lange wir versuchen, unsere Emotionen nicht zu unterdrücken, werden wir es dennoch tun. Natürlich können wir nach dem Gegenteil streben, aber auch wenn wir mit wahrer Anstrengung daran arbeiten, bleibt es schwierig.

Mit der Stille, unter der so viele Menschen leiden, sollten wir auf die gleiche Weise umgehen. So liebenswert die snderen auch sein mögen, und so viel Vertrauen sie auch haben mögen, ist es für sie schwierig, alles loszulassen, was sie in sich tragen. Warum fällt es ihnen so schwer, uns mitzuteilen, was mit ihnen geschieht? Warum, falls du einer dieser Menschen bist, ist es ein „Ich will, aber ich kann nicht“?

Es ist nicht unbedingt, dass das, was in ihnen schwelt, etwas Ernstes oder Bedrohliches ist. Manchmal wissen diese Menschen einfach nicht, wie sie sich ausdrücken sollen. Es gibt sehr emotionale Personen, die eine Menge fühlen und wahrnehmen. Dabei alles zum Ausdruck zu bringen ist fast unmöglich. 

Es ist nicht dasselbe, eine Situation zu leben und zu erfahren wie darüber zu berichten. Es geht nicht darum, dass es etwas wäre, das sie nicht erzählen könnten oder etwas, das sie in ein schlechtes Licht rücken würde. Es ist nicht so einfach, den Anfang zu finden, weil es eventuell eine sehr sehr lange Geschichte werden wird.

Erinnern wir uns daran, dass solche Menschen Dinge für sehr lange Zeit für sich behalten. Dies bedeutet, dass es schon eine Bürde für sie war, ohne dass sie sich dessen bewusst gewesen wären.

„Um ganz aufrichtig mit dir zu sein, würde ich dir gern alles erzählen, aber ich fürchte, dass du mich für verrückt hältst, und ich werde mich niemals mehr verwundbar gegenüber jemand anderen fühlen.“

Diese Menschen fürchten sich davor, verletzt zu werden. Sie haben früher die Erfahrung gemacht, sich von Menschen, denen sie vertrauten, nicht verstanden zu fühlen. Und viele Menschen dachten auch tatsächlich, sie wären nicht ganz richtig im Kopf.

All das geht Menschen durch den Kopf, die unter ihrer einsamen Stille leiden. Sie sind innerlich verletzt und tragen Belastungen mit sich, die so schwer sind, dass niemand von uns im Stande wäre, sie zu ertragen.

Wenn du einer dieser Personen bist, ist es wichtig für dich, zu lernen, diese Dinge nach außen zu tragen. Auf welche Weise ist ganz egal, ob langsam und stetig oder auf einmal, wenn du es so brauchst. Aber lass es raus. Oder wie ein Freund einmal zu mir sagte: „Wenn du es nicht raus lässt, wird es dich am Ende von innen her zerfressen.“

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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Marie Descombs und Beth Spencer