Intuitives Lernen als Ergänzung zu rationalem Wissen

Man schätzt, dass Kinder bereits im Alter von 6 Jahren das intuitive Lernen nutzen. Sie sind in der Lage, damit Entscheidungen zu treffen, die auf ihre Erfahrungen aufbauen.
Intuitives Lernen als Ergänzung zu rationalem Wissen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 28. Mai 2022

Intuitives Lernen spielt in unserem täglichen Leben eine bedeutende Rolle, denn die Intuition hilft uns, Entscheidungen zu treffen oder Probleme zu lösen, die unserer Logik Schwierigkeiten bereiten. Für unsere Vorfahren war die Intuition eine überlebenswichtige Fähigkeit. Auch Kinder lassen sich oft von diesem Ansatz leiten. Wenn sie noch keine großen Vorerfahrungen haben, handeln, reagieren und lernen sie intuitiv.

Die Intuition ist eine wichtige Ergänzung unserer rationalen Kenntnisse und darf keinesfalls unterschätzt werden, auch wenn wir uns meistens nicht über ihre Macht bewusst sind.

“Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.”

Albert Einstein

Intuitives Lernen
Wir erwerben viele Grundkenntnisse durch intuitives Lernen.

Intuitives Lernen

Unsere Intuition kann uns bei schwierigen Problemen helfen, die keiner Logik folgen. Auch wenn du keine Erfahrung hast, kann sie dich dazu bringen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Intuitives Lernen definiert die Fähigkeit, etwas plötzlich zu verstehen, ohne die Notwendigkeit eines bewussten analytischen oder logischen Denkens. Es handelt sich keinesfalls um einen übernatürlichen, unzuverlässigen oder unwissenschaftlichen Mechanismus. Wir sind manchmal bei Ungewissheit oder fehlender Information dazu gezwungen, schnell und sofort zu handeln und dann hilft uns die Intuition.

Das intuitive Wissen ermöglicht es uns, diese Einsicht zu nutzen, um komplexe, unmittelbare Situationen zu lösen. Außerdem ergänzt diese Art des Denkens unsere rationalen Fähigkeiten.

Das intuitive Lernen hängt mit unseren Sinnen und Wahrnehmungen zusammen. Es entsteht durch unsere Erfahrungen und  hilft uns in vielen Situationen.

Das subtile Gefühl, etwas zu wissen, ohne zu wissen warum

Das J. Paul Getty Museum in Los Angeles hatte sich Ende des 20. Jahrhunderts zum Ziel gesetzt, eine große Kurous-Statue zu erwerben: die Figur eines jungen Mannes aus dem antiken Griechenland. Die Statue war mehrere Millionen Dollar wert, deshalb machte sich zuerst ein Expertenteam auf den Weg, um sie gründlich zu inspizieren.

Die Experten kamen zu dem Schluss, dass der schöne Kouros echt war. Der Museumskurator sah das Kunstwerk jedoch zufällig und ahnte, dass es eine Fälschung war. Obwohl er kein Experte für antike griechische Werke war, hatte er das starke Gefühl, dass es sich um eine Kopie handelte. Warum wusste er das?

Intuitives Lernen kommt zu plötzlichen Schlussfolgerungen, ohne die vorherigen Beziehungen oder Variablen zu kennen. Unsere Intuitionen werden durch unsere Erfahrungen, unsere Persönlichkeit und unsere im Unterbewusstsein gespeicherte Lebenserfahrung unterstützt.

Intuitives Lernen, schnelles und unlogisches Begreifen

Malcolm Gladwell, Journalist und renommierter Autor mehrerer Bücher über Intelligenz, erinnert uns daran, dass rationales Lernen, für das wir lange Zeit benötigen, genauso wertvoll ist wie intuitives Lernen, das in zwei Sekunden erfolgt. Und dafür gibt es einen Grund: beides hängt miteinander zusammen.

Denn selbst wenn wir unsere Intuition verenden, haben wir eine Vorerfahrung und bestimmte Kenntnisse, die es uns erlauben, auf die eine oder andere Weise zu handeln. Forschungen der Universität Tübingen weisen auf etwas Wichtiges hin: Intuition und intuitive Entscheidungen beruhen immer auf unseren bisherigen Erfahrungen.

Aber es gibt einen Vorbehalt: Die intuitive Schlussfolgerung ist ein Produkt des Unterbewusstseins und unterliegt keiner logischen oder analytischen Analyse. Es handelt sich um eine schnelle, impulsive und kreative Reaktion. Wir müssen bedenken, dass das Unterbewusstsein Lektionen und Erkenntnisse aus unseren vergangenen Erfahrungen speichert.

Wenn wir etwas schnell lernen, tun wir das, indem wir ähnliche Erfahrungen und Denkmuster aus dem Unterbewusstsein abrufen.

Intuitives Lernen als Ergänzung zu rationalem Wissen
Kinder sind sehr intuitiv.

Intuitives Lernen in der Kindheit

Eine Studie aus dem Jahr 1976 beschäftigte sich mit diesem Thema, was zu dieser Zeit fortschrittlich war. Wir wissen heute, dass Kinder ab dem Alter von 6 Jahren organisiertes, logisches und intuitives Denken verwenden. In diesem Stadium, das von Piaget als das Stadium der konkreten Operationen bezeichnet wird, verfügen sie bereits über ein gewisses Maß an Lebenserfahrung, die es ihnen zusammen mit einer etwas analytischeren Herangehensweise ermöglicht, Momente des intuitiven und des rationalem Lernens zu vermischen. In diesem Alter sind Kinder außerdem sehr kreativ.

Das bedeutet, dass sie zwischen 6 und 11 Jahren ihre Umwelt mit einem innovativen und intuitiven Denkansatz erfassen und erkunden. Die Intuition begleitet uns das ganze Leben lang und ist uns im Alltag von großem Nutzen.

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