Informationsüberflutung und Angst

Die Übersättigung mit Informationen wirkt sich negativ auf unsere Psyche aus, führt zu Konzentrationsproblemen, Angst und beeinträchtigt die Entscheidungsfindung.
Informationsüberflutung und Angst

Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2022

Unsere Selbstwahrnehmung hat sich in der zunehmend globalisierten und digitalen Informationsgesellschaft grundlegend verändert. Wir sprechen von einer neuen Lebensweise und einer neuen Art, Beziehungen zu erleben, uns zu unterhalten, zu bilden und zu arbeiten. Die Informationsüberflutung entwickelt sich jedoch zunehmend zu einem Problem für unsere psychische Gesundheit. Erfahre anschließend mehr über dieses Thema.

Informationsüberflutung

Die Informationsflut, die wir täglich erleben, überfordert unser System. Wir sind nicht mehr in der Lage, die Unmenge an Daten zu verarbeiten, zu filtern, zu bewerten, auszuwählen und zu organisieren. Ständig sind wir online und schauen auf unsere Displays, doch schließlich führt dieser Zwang, zu allen Tageszeiten Informationen zu konsumieren, zu Frustration, Unruhe und Angst.

Weitere Probleme sind:

  • Desorientierung
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizit
  • Gedächtnisprobleme
  • Unentschlossenheit und Streuung
  • Ungeduld und Impulsivität
  • Schlechtes Zeitmanagement
  • Beeinträchtigte analytische Fähigkeiten
Mann leidet an Informationsüberflutung
 Wir sind nicht mehr in der Lage, die Unmenge an Informationen richtig zu verarbeiten.

Beeinträchtigung durch Informationsüberflutung: Wie kommt es dazu?

Die häufigsten Ursachen für die negativen Folgen der Informationsüberflutung sind laut Preciado (2020) die folgenden:

  • Unerfahrenheit oder Unsicherheit: Wir suchen bei unbekannten oder neuen Thema in der Regel nach Informationsquellen im Internet, ohne diese kritisch zu prüfen. Viele lesen nur kurz und oberflächlich eine Zusammenfassung und glauben, das Thema dadurch zu verstehen.
  • Stress: Die zahlreichen täglichen Aufgaben und Verpflichtungen lassen uns kaum Zeit, die aufgenommenen Informationen zu verarbeiten, zu analysieren und zu klassifizieren.
  • Unzulängliche Informationsquellen: Viele greifen auf unzuverlässige Informationsquellen zurück und überprüfen deren Inhalte nicht. Sie finden viele Daten und Inhalte, sind verwirrt und gesättigt.
  • Mangelndes Urteilsvermögen: Viele sind nicht in der Lage, Informationen kritisch und selektiv zu verarbeiten, was zu Unruhe und Verwirrung führt.
  • Übermäßige Vorsicht: Dies führt dazu, dass zu viele Informationen gespeichert werden, aus Angst, sie nicht wiederzufinden. Die Angst, etwas zu verpassen oder Informationen nicht aufnehmen zu können, führt zu einer zwanghaften Verarbeitung von Inhalten, die das kognitive System schließlich überfordert.
  • Alles wissen wollen: Das Bedürfnis, alles wissen zu wollen, führt ebenfalls zu einer Informationssättigung.

Informationsüberflutung und Angst

Wenn eine Person das Gefühl hat, dass Werte, die sie für ihre Existenz als wesentlich betrachtet (May, 2000), in Gefahr sind, entsteht Angst. Es handelt sich vielfach um eine antizipatorische Reaktion auf ein gefürchtetes Ereignis oder eine Situation, die noch nicht eingetreten ist.

Informationsüberflutung und Angst stehen in einer wechselseitigen Beziehung. So kann sich eine wissbegierige Person verwirrt und ängstlich fühlen, wenn sie feststellt, dass sie trotz der Informationsflut nicht das Wissen erlangt, das sie braucht oder möchte. Sie versucht, noch mehr Informationen zu verarbeiten, gerät jedoch in einen Teufelskreis, in dem sich Angst und Informationsüberflutung gegenseitig nähren.

Der permanente Aufmerksamkeitsdruck und der zwanghafte Informationskonsum führen schließlich vermehrt zu Stress, Nervosität, Verwirrung und Angst.

Frau leidet an Informationsüberflutung
Die Informationsüberflutung und der ständige Informationszwang wirken sich negativ auf die Entscheidungsfähigkeit und das Konzentrationsvermögen aus. 

Was tun?

Setze folgende Tipps in die Praxis um, um deine psychische Gesundheit nicht durch die ständige Informationsüberflutung zu gefährden:

  • Reduziere die Zeit für den Informationskonsum: Damit du nicht ständig der Versuchung unterliegst, Inhalte im Internet zu konsumieren, solltest du eine bestimmte Zeit für diese Tätigkeit festlegen. Verändere dein Konsumverhalten, indem du reduzierte Medienzeiten einplanst, um Information zu konsumieren oder in sozialen Netzwerken zu surfen.
  • Deaktiviere Benachrichtigungen: Damit du bei anderen Aufgaben nicht ständig unterbrochen und abgelenkt wirst, solltest du Benachrichtigungstöne deaktivieren. So kannst du verhindern, alle fünf Minuten auf dein Smartphone zu schauen.
  • Verbanne dein Handy aus dem Schlafzimmer: Das Licht deines Handys kann die Ausschüttung von Melatonin hemmen. Dieses Hormon fördert den Schlaf, den du brauchst, um Informationen zu konsolidieren.

Die ständige Überflutung mit Informationen prägt unsere moderne Gesellschaft. Versuche, die Kontrolle nicht zu verlieren, um negative Folgen wie Angst, Nervosität sowie die Beeinträchtigung deines Gedächtnisses, der Konzentrationsfähigkeit und der Entscheidungsfindung zu verhindern.

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