Imaginäre Gefahr: Eine unerschöpfliche Quelle der Angst

· 19. September 2018

In manchen Situationen kann es sein, dass dein Verstand mehr Angst erzeugt, als die Situation es erfordert. Manchmal ist dein Verstand dein schlimmster Feind, weil er eine imaginäre Gefahr wahrnimmt, die ihm real erscheint.

Wenn die Angst deinen Körper überflutet, wird eine Art Schutzmechanismus aktiviert, der dich auf die Flucht vorbereitet. Zum Beispiel beginnt dein Herz schneller zu schlagen, deine Atmung beschleunigt sich und deine Muskeln werden mit einer Extradosis Blut versorgt, aber die Verdauung rückt in den Hintergrund, wenn du kämpfen oder fliehen musst. All diese Reaktionen finden aufgrund unseres Überlebensinstinktes statt. Der beruht auf einem System, das in der Lage ist, unmittelbar auf Gefahren zu reagieren. Dank dieses Instinktes versetzt uns die Angst in Alarmbereitschaft und hält uns wach.

Das Problem mit der Angst in der modernen Gesellschaft ist, dass Menschen nicht mehr von Löwen gejagt werden, aber immer noch so reagieren, als wäre das der Fall. Tatsächlich sind viele der am besten angepassten Antworten intellektueller Natur und erfordern keine körperliche Anstrengung.

In diesem Sinne gibt es eine Gefahr, an die man keine Energie verschwenden sollte, und das ist die imaginäre Gefahr: Was passiert, wenn das Flugzeug abstürzt? Werde ich am Ende des Jahres meinen Job verlieren? Verfolgt mich jemand auf der Straße? Werden meine Kinder nach der Schule nach Hause kommen? Wird mein Partner mich verlassen?

Diese Ängste lösen den bereits erwähnten Kreislauf aus und halten den Stresspegel hoch. Dein Überlebensinstinkt verursacht Blutdruckspitzen, die völlig nutzlos sind, da du nicht weglaufen musst, die aber deinem Körper zusetzen.

Besorgter Mann

Unnötige Müdigkeit durch imaginäre Gefahren

Der Wissenschaftler Robert Sapolsky erklärt, dass imaginäre Gefahr physiologische und mentale Müdigkeit erzeuge. Der Grund dafür seien die unbewussten Assoziationen, die verstärkt würden, wenn sie häufig auftreten. Interessanterweise aktivieren sich dieselben Mechanismen bei Tieren erst, wenn die Gefahr real sei.

So wie deine Vorstellungskraft diese Schaltkreise aktivieren kann, kann sie sie auch stoppen. Wenn du dir all die negativen Dinge vorstellen kannst, die dir passieren können, kannst du auch das Gegenteil tun: Du kannst deinen Willen nutzen, um dich zu beruhigen, indem du dir all die positiven Dinge vorstellst, die ebenso geschehen können.

Wenn du deine Gedanken kontrollierst, findest du die Kraft, deine Herzfrequenz zu senken und ruhiger zu atmen. Du kannst deine angespannten Muskeln entspannen. Diese Äußerungen der Angst sind unangenehm, verbrauchen Energie und helfen nicht, wenn du vor einem intellektuellen Problem stehst.

Angst kann eine große Hürde sein

Das Gefühl der Angst beschützt dich. Aber Angst macht es auch schwer, die Komfortzone zu verlassen. Unterstützt von deinem Überlebensinstinkt aktiviert dein Gehirn den Angstkreislauf immer, wenn du dich in einer potenziell gefährlichen Situation befindest. Der Zweck ist, dich vor zu erwartenden Schäden zu schützen.

Wenn du allerdings deine Ängste kennst und verstehst, wirst du sie konfrontieren können. Auf diese Weise kannst du sicherstellen, dass die Ängste nie kontrollieren, was du tust. Dazu musst du dir selbst zuhören und deine Emotionen verstehen. Du darfst ihnen aber nicht blind folgen. Du kannst nicht jedes Mal nachgeben, wenn dein Überlebensinstinkt aktiviert wird. Suche nach Werkzeugen zur Bewältigung beängstigender Situationen. Beurteile die Risiken dieser Situation und deren mögliche Folgen. Oft lohnt es sich, ein Risiko einzugehen.

Angst ist eine Emotion, die du nicht vollständig aus seinem Leben entfernen kannst. Und das sollst du auch gar nicht! Es liegt in deiner Macht, zu erkennen, wann eine Gefahr real und wann sie nur das Produkt deiner Fantasie ist.