Emotionales Denken – Wenn Emotionen unsere Gedanken vernebeln

· 20. Juni 2018

Emotionales Denken ist ein kognitiver Prozess, durch den wir eine Idee oder einen Glauben formen, der darauf basiert, wie wir uns fühlen. Es ist wahrscheinlich die häufigste Form der Selbstsabotage. Wenn wir zum Beispiel traurig sind, dann sind wir das, „weil uns nur Schlechtes passiert“. Wenn wir eifersüchtig sind, dann nur, „weil unser Partner ein Geheimnis hat“.

Das Denken auf der Grundlage unserer Gefühle ist etwas, das wir alle viel öfter getan haben, als wir glauben möchten. Es ist eine Falle, ein Trick unseres Gehirns, das es manchmal schwer hat, unsere eigenen Emotionen richtig zu interpretieren und zu managen. Die Fakten, die wir beobachten, spielen keine Rolle, denn jeder objektive und rationale Gegenbeweis wird bewusst ignoriert oder zugunsten der von unseren Gefühlen angenommenen „Wahrheit“ abgelehnt.

„Wenn unser Denken durch verzerrte Deutungen, Irrationalität und Fehlinterpretationen blockiert wird, werden wir wirklich blind und taub.“

Aaron Beck

In diesem Sinne wird es keinen Unterschied machen, dass wir natürlich verstehen, dass unser Arbeitsplatz und unser Zuhause völlig verschiedene Lebensbereiche sind. Denn manchmal, wenn wir uns zu Hause gestresst, erschöpft und wütend fühlen und unser Partner dann einen unangemessenen Kommentar abgibt, machen wir ihn wegen all unserer negativen Emotionen nieder. Wir neigen dazu, zu glauben, dass „jeder das Gleiche sucht“: uns zu verärgern und unglücklich zu machen.

Wir könnten zweifellos noch viele weitere Beispiele finden, von denen einige an die absurdeste Irrationalität grenzen. Zum Beispiel jemand, der sich entscheidet, eine Fahrt auf der kühnsten Attraktion im Vergnügungspark zu machen. Kurz darauf ist diese Person der festen Überzeugung, dass sie während der Fahrt sterben werde. Daraufhin, mit der festen und verzweifelten Idee, vor diesem Risiko zu fliehen, das ihrer Meinung nach real sei und unmittelbar bevorstehe, beschließt sie, den Gurt zu lösen und ihr Leben in wirkliche Gefahr zu bringen.

Emotionales Denken führt uns in den perfekten Sturm, in das absolute Chaos verzerrter Gedanken, aus dem wir nur selten unversehrt herauskommen.

Frau mit Gewitterwolke als Haar

Emotionales Denken – ein sehr primitiver Mechanismus

Wir könnten die interessante Theorie von Paul MacLean über das dreieinige Gehirn anbringen. Wir könnten auch über das Gehirn im Gehirn reden – das limbische System. Für viele Experten ist es das limbische System, das grundlegende Prozesse, wie die klassische Konditionierung oder die operante Konditionierung, regelt. Wegen des limbischen Systems verhalten wir uns manchmal auch unvernünftig oder sogar irrational. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass das keine konsolidierten Modelle der Neurowissenschaft sind. Denn unser Gehirn ist tatsächlich eine einzigartige, hochkomplexe und ausgeklügelte Struktur, in der es keinen bestimmten Bereich gibt, der plötzlich die alleinige Kontrolle erlangen kann.

Was jedoch unbestreitbar ist, ist, dass wir die meiste Zeit unseren Emotionen erlauben, die Kontrolle zu übernehmen. Wir fallen oft in diese primitive Falle, wo die Kraft eines Gefühls eine Überzeugung formt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Wir lassen unsere Fähigkeit zur Analyse, Reflexion, Induktion und Logik beiseite. Und wir vergessen die Logik, die notwendig ist, um uns in jeder Situation effektiv entwickeln zu können.

Das emotionale Denken ist einer der Eckpfeiler der kognitiven Therapie, die von Aaron Beck in den 1970er Jahren gegründet wurde. Seine Theorien und Ansätze sind sehr nützlich, um diesen ungesunden Mechanismus besser zu verstehen. Schauen wir uns diese genauer an.

Aaron Beck – deine Emotionen und die Realität sind nicht dasselbe

Manchmal, wenn wir bei Sonnenaufgang durch den Wald gehen oder wenn wir auf dem Gipfel eines Berges stehen, können wir plötzlich einen dicken Nebel sehen, der uns umarmt. Dieser Nebel resultiert aus dem einfachen Akt der Förderung dieses subtilen Gleichgewichts zwischen Vernunft und Emotion in unseren Köpfen. Sie wird es uns zweifellos ermöglichen, in unserem täglichen Leben nützlichere und präzisere Schlussfolgerungen zu ziehen.

Wer sich jedoch von seinen emotionalen Impulsen mitreißen lässt, wird von einer Angst entführt, die alles verwischt und verzerrt. Wir werden Feuer sehen, wo es nur ruhige Wiesen gibt. Außerdem prägt dieses Phänomen das, was Aaron Beck damals als eine Art Sabotage unseres eigenen Geistes definierte: eine Art kognitiver Verzerrung, bei der wir uns ausschließlich vom negativsten Extrem unserer Emotionen leiten lassen.

Die meisten von uns achten nicht darauf, wie wir uns fühlen. Wir fragen uns auch nicht, woher unsere Reaktionen kommen. Fast ohne es zu merken, lassen wir automatische Gedanken die volle Kontrolle übernehmen.

Weitere Mechanismen, die das logische Denken behindern

Aufschiebung ist ein weiteres merkwürdiges Phänomen, das sich im emotionalen Denken abspielt. Wenn es etwas gibt, das uns stört oder beunruhigt, stellen wir uns ihm nicht, sondern wir schieben es auf. Und das gleiche Verhalten zeigen wir auch, wenn es eine Aktivität gibt, bei der wir glauben, dass wir versagen werden. Dieses ständige Aufschieben von Entscheidungen und Taten wird von jenen Emotionen und Instinkten gefördert, die versuchen, Risiken um jeden Preis zu vermeiden, und die uns auf unsere Komfortzonen beschränken.

Manchmal müssen wir dem Aufschub eine übertriebene Verallgemeinerung eines anekdotischen oder einzigartigen Ereignisses hinzufügen. Zum Beispiel: Wenn die Person, die ich mag, mich abgelehnt hat, dann zeigt mir das, dass die Liebe nichts für mich ist.

Schließlich ist da noch die Tatsache, dass wir Verhalten oder die emotionalen Zustände anderer, basierend darauf beurteilen, wie wir uns im Moment fühlen. Das ist eine Eigenschaft, die besonders häufig bei Menschen auftritt, die es gewohnt sind, emotionales Denken zu verwenden.

Frau mit Büchern auf Kopf

Aber wie können wir emotionales Denken bekämpfen?

Die kognitive Verhaltenstherapie, basierend auf Aaron Becks Ansätzen, ist eine gute Möglichkeit, diese Art der kognitiven Verzerrung zu bekämpfen. Nachfolgend zeigen wir einige grundlegende Strategien auf, über die wir nachdenken sollten:

  • Wir müssen unsere automatischen Gedanken identifizieren. Um das tun zu können, müssen wir daran denken, dass unsere Gedanken einen direkten Einfluss auf unsere Emotionen haben. Wir müssen sie also einerseits erkennen und andererseits bewerten können.
  • Wenn emotionales Denken regiert, werden unsere Gefühle mit Fakten verwechselt. Emotionales Denken macht Stress schlimmer, Depressionen tiefer und Ängste verletzender. Deshalb ist es wichtig, dass wir jedes Mal, wenn wir eine negative Emotion erleben, aufhören, über sie zu grübeln. Wir sollten sie kanalisieren und aufgliedern.
  • Jedes Mal, wenn wir ein Urteil fällen, egal wie klein es auch sein mag, müssen wir die Emotionen dahinter untersuchen. Wir müssen auch die Gedanken analysieren, die uns zu dieser speziellen Idee oder Bewertung geführt haben.
  • Wir müssen uns fragen, ob wir in der Lage sind, die aktuelle Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn wir uns zum Beispiel sagen, dass wir naiv seien, wenn wir jemandem vertrauen, der uns im Stich gelassen hat, könnten wir zu dem Schluss kommen, dass „wir niemandem trauen können“. Stattdessen sollten wir denken, dass „wir nicht naiv sind. Heute haben wir eine wichtige Lektion gelernt. Wir werden nicht mehr über diesen Stein stolpern.“
Fadenknäuel zwischen zwei Menschen erschwert Kommunikation

Zusammenfassend wissen wir, dass es ein Hauptproblem bei der emotionalen Argumentation gibt: Wenn wir erst einmal zulassen, dass unsere Emotionen in angenommene Wahrheiten verwandelt werden, ist es sehr schwierig, diese zu ändern und den Anker vor diesen von Qualen bewohnten Inseln zu lichten. Wir müssen die Kontrolle über unser emotionales Universum übernehmen.