Ich bin zurückgekehrt, weil ich es nicht verstand, zu gehen

7. Januar 2016 en Emotionen 390 Geteilt

„Küsse, die mit einem Lächeln beginnen, enden meist in Tränen, und mit ihnen enden eine Liebe und ein Leben, die nie mehr wiederkehren werden.“

Miguel de Unamuno

Ich bin immer wieder zurückgekehrt, weil ich es nicht verstand, zu gehen. Aber weil ich gemerkt habe, dass meine Liebe nicht erwidert wurde, dass du mich nicht bei dir haben wolltest, hast du mich gezwungen, zu verstehen, dass es besser ist, nie mehr zurückzukommen.

Wann ist mir das alles bewusst geworden? Als du Momente voll Kummer, Hoffnung und Tränen nicht verhindert hast. Da erinnerte ich mich an die einsamen Nächte, in denen ich unaufhörlich auf die Uhr starrte und dann wusste ich, dass es vorbei war.

Du warst nicht dazu fähig, mir auch nur eine Nacht voller Schmerz zu ersparen. Eine einzige Nachricht, ein einziger Anruf oder nur ein einziges Wort hätten ausgereicht. Gleichzeitig war ich mir sicher, dass du wusstest, dass ich auf dich warte.

Das ist genau das, was mir mit dir passiert ist. Ich habe mich immer wieder geweigert, zu akzeptieren, wie es ist und bin unaufhörlich zu dir zurückgekehrt. Und ich habe auf dich gewartet und gewartet, aber du hast das nie erwidert. So hast du mich dazu gebracht, nie mehr zurückzukommen und den Weg zu dir zu vergessen.

Ich weiß nicht, wann unsere Beziehung krank wurde, oder ob sie vielleicht schon immer krank gewesen ist; und ich wusste, an die ewige Liebe zu glauben bedeutet, an einen Mythos zu glauben. Trotzdem hat mein Herz mich schreiend angefleht, dich nicht gehen zu lassen, und ich kehrte zurück, immer und immer wieder, in der Absicht, uns zu retten.

Eile ist kein guter Rat, wenn es um Liebe geht, obwohl ich dir dankbar bin, dass du mich somit auch schnell dazu gebracht hast, zu verstehen, dass ich mehr wert bin, als all das. All das, von dem ich dachte, es sei so viel größer als ich selbst. Denn jetzt schwebt nicht mehr die Dunkelheit über mir, sondern ich beginne, die Sonne zu sehen und ich kann die Entscheidungen treffen, die ich treffen muss.

Das ist das, was einen Teufelskreis ausmacht, es scheint, als könne man ihn nie durchbrechen, aber es reicht schon, eines Tages einfach nur die Spur zu wechseln. In Wirklichkeit hast du mir geholfen, die Wahrheit in folgenden Worten zu finden: „Kein Mensch verliebt sich aus einer bewussten Entscheidung heraus, sondern durch Zufall. Kein Mensch bleibt zufällig verliebt, sondern durch Arbeit. Und kein Mensch hört zufällig auf zu lieben, sondern nur durch seine Entscheidung.“

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Also werde ich nach und nach verstehen müssen, dass Menschen kommen und gehen und ich letztendlich die Person bin, die darüber entscheidet, ob ich mir mein Herz brechen lasse, oder ob ich weiterhin glücklich sein will. „So kurz dauert die Liebe und so lang das Vergessen“,  hat Pablo Neruda gesagt – und es fühlt sich an wie tausend Dolchstiche in der Brust.

Außerdem hast du mir gezeigt, dass meine Würde über jeder Bitte steht. Es ist endgültig Zeit, das Band zu lösen und darauf zu vertrauen, dass Dinge, die nicht mehr existieren, sich auch von selbst erledigen werden. Denn die Liebe verlischt irgendwann und nur der Glaube daran, dass es nicht so ist, tut uns weh. Es wird Zeit, das zu akzeptieren.

Letzten Endes geht es einzig und allein darum, die Realität zu akzeptieren, die Überwindung der Situation kommt von ganz allein; ich habe mich geweigert, sie zu akzeptieren und als ich es am Ende doch geschafft habe, wurde ich wütend auf dich, auf mich und auf die Liebe. Denn dann habe ich verstanden, dass es dem, der mich so lange dazu brachte, mich zu drehen und zu wenden, auch manchmal schlecht geht und dass er mich jetzt auch noch zu Boden reißen wollte.

Ich begann, darüber nachzudenken, wie ich mich von dir loslösen sollte. Plötzlich fiel ich in eine tiefe Traurigkeit, die von einer lähmenden Verwirrung durchtränkt war. Aber jetzt weiß ich, dass diese Traurigkeit sich letzten Endes nur schrittweise überwinden lässt und dass es kein Zurück gibt.

Es kann sich nur derjenige geschlagen geben, der aufhört, zu fühlen und zu träumen. Ich erhalte mir die Fähigkeit, beides weiterhin zu tun. Deshalb bin ich dir dankbar, dass du meinen Schmerz nie zu lindern vermochtest, denn nur dadurch konnte ich erst verstehen, dass die erste Person, die meiner Liebe würdig ist, ich selbst bin.

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