Homecoming: ein Psychothriller über Emotionen und Erinnerung

· 23. Februar 2019

Vor Kurzem feierte eine beeindruckende Serie mit der Schauspielerin Julia Roberts in der Hauptrolle Premiere: Homecoming.  Wir sprechen von einem Psychothriller in Seriengestalt, der das Publikum begeistert. Die Serie beleuchtet das immer wieder kontrovers diskutierte Thema der wissenschaftlichen Entdeckungen im Dienst der Militärmaschinerie.

Die Handlung dieser Serie scheint auf einer Studie zu basieren, die im vergangenen Jahr in der Zeitschrift Current Biology  veröffentlicht wurde. Die zugehörigen Untersuchungen wurden von einem Team der Columbia University (New York, USA) und der McGill University (Kanada) durchgeführt. In dieser Studie wurde gezeigt, dass es möglich ist, verschiedene Erinnerungen, die im gleichen Neuron gespeichert sind, selektiv zu löschen.

Homecoming:  Zusammenfassung

Die Serie wurde vergangenen November zum ersten Mal ausgestrahlt, sie umfasst insgesamt 10 Kapitel zu je 30 Minuten. Sie erzählt uns die Geschichte von einem privaten Forschungsunternehmen, das bei der US Army unter Vertrag steht. Dort hat man scheinbar ein Zentrum eingerichtet, in dem Soldaten rehabilitiert werden, die von der Front nach Hause zurückkehren. Ihnen wird gesagt, dass sie im Zentrum eingesperrt würden und eine Therapie erhalten, die ihnen helfe, ihr Leben im zivilen Umfeld wieder aufzunehmen.

Zu diesem Zweck hat das Unternehmen eine Psychologin ohne große Erfahrung eingestellt, die von Julia Roberts gespielt wird. Sie wurde zwar mit der Leitung des Zentrums betraut, aber sie erhält Anweisungen „von oben“. Das Projekt zielt darauf ab, ein neues Medikament zu testen, das verspricht, die Auswirkungen der posttraumatischen Belastungsstörung, unter der viele Kriegsveteranen leiden, vollständig zu beseitigen.

Das ist es, was Heidi, die Psychologin, weiß. Aber es steckt noch viel mehr dahinter. Und wir wollen nicht mehr davon vorwegnehmen, um denen, die neugierig sind und sich die Serie noch anschauen wollen, den Genuss nicht zu nehmen.

Heidi in "Homecoming"

Die reale Forschung

Der in der Serie gezeigte Plot scheint seinen Ursprung in den erstaunlichen Entdeckungen über Emotionen und Erinnerungen zu haben. Die zuvor zitierte Studie beschreibt einen Weg, Erinnerungen im gleichen Neuron selektiv zu löschen. Die Forschung wurde an Seehasen durchgeführt, einer Art Schnecke, deren neuronale Prozesse denen des Menschen sehr ähnlich sind. Diese Entdeckung hat eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen eingeleitet, die versuchen, die psychologischen Auswirkungen traumatischer Ereignisse zu lindern.

Auf chemischer Ebene gibt es einen Unterschied zwischen assoziativen und nicht-assoziativen Erinnerungen. Ein Großteil der Informationen, die wir speichern, ist emotional neutral. Die andere Art von Informationen ist die, die mit Emotionen verbunden ist, und zusammen bilden sie die Erinnerung an ein Ereignis.

Wissenschaftler fanden nun heraus, dass beide Arten von Erinnerungen spezielle Varianten der Proteinkinase M (PKM) verwenden, einem Enzym, das von Neuronen zur Aufzeichnung von Erinnerungen verwendet wird. Nun stellte sich heraus, dass assoziative Speicher die PKM-Variante Apl III verwenden und nicht-assoziative Speicher die PKM Apl I.

Das Ergebnis der Studie

Die Ergebnisse dieser Forschung scheinen zu bestätigen, dass der schmerzhafte Teil einer Erinnerung gelöscht werden kann und man dabei die Erinnerung an das Ereignis selbst behält, es also nicht vergisst. Dies wird durch die Anwendung von spezifischen Kinaseinhibitoren erreicht. Das ist ein ganz neuer Ansatz für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung.

Die gegenwärtige Psychologie verfügt über effektive Werkzeuge, um mit dieser Kondition umzugehen, aber sie kann durch Therapie nicht beseitigt werden. Ziel der Forschung ist es nun, pharmakologische Ansätze zur Behandlung der  posttraumatischen Belastungsstörung zu entwickeln, damit das Gedächtnis ohne die Belastung, die es beim Patienten erzeugt, erhalten bleibt.

Heidi denkt nach

Die Beziehung zur Serie Homecoming

Homecoming  stellt ein Szenario dar, in dem diese Forschung bereits im Prozess des Experimentierens mit Menschen angekommen ist. In diesem Fall mit den Soldaten, die für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung besonders anfällig sind. Die Ergebnisse dieser Studie sind faszinierend. Aber die Serie zeigt die dunkle Seite der Entwicklung dieser Art von Technik auf, ihre weniger menschliche Seite.

In Homecoming  liefert das Experimentieren am Menschen die erwarteten Ergebnisse für die forschende Geheimagentur, aber mit unerwarteten Nebenwirkungen. Diese sind in der folgenden Phase der Arzneimittelentwicklung relativ einfach zu beheben, aber sie scheinen bei denen Menschen, an denen experimentiert wurde, nicht heilbar zu sein. Außerdem handelt es sich hierbei um Menschen, die den wahren Zweck ihrer „zivilen Rehabilitationstherapie“ nicht kannten.

Es wäre sehr interessant, zu wissen, ob Forschung in diesem Sinne, auf der Grundlage sogenannter therapeutischer Techniken der dritten Generation, tatsächlich durchgeführt wird. Es scheint genügend Beweise dafür zu geben, dass einige dieser Techniken das chemische Gleichgewicht unseres Gehirns beeinflussen können, das heißt, die Funktion erfüllen, die sonst Medikamente übernehmen müssten.