5 Gründe, warum die Psychotherapie fehlschlagen kann

· 28. Dezember 2018

Die Psychotherapie kann aus verschiedenen Gründen scheitern, aber die Beurteilung „Fehlschlag“ ist immer relativ. Die schlichte Tatsache, dass der Prozess gestartet wurde, ist schon positiv. Die Vorstellung, Verbesserungen einleiten zu können, und das eigene Interesse, dies auch zu tun, deuten auf eine gesunde Selbstliebe hin und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Daran lässt sich schon feststellen, dass die Aussage „Psychotherapie bringe nichts“ nicht stimmen kann. Doch der Reihe nach.

Es ist nicht leicht, sich dazu zu entscheiden, unsere gesamte innere Welt einer Person preiszugeben, die wir bislang nicht kennen. Zwar wissen wir, dass diese Person ein Fachmann ist. Doch das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass wir eine Person in der Regel besser kennenlernen wollen, bevor wir unsere Gefühle mit ihr teilen. Wenn wir zu einem Psychotherapeuten gehen, haben wir das Gefühl, dass wir Hilfe brauchen, und sind deshalb bereit, diese Bedingung zu ignorieren. Aber manchmal geht es dennoch schief und funktioniert nicht, wie wir es uns erwartet haben.

Unabhängig von der Ursache des Fehlschlags sollten wir der Psychotherapie immer eine zweite Chance geben. In dieser Welt läuft wenig wie zuvor geplant. Es ist trotzdem sinnvoll, zu hinterfragen, warum eine Psychotherapie fehlgeschlagen ist.

„Die größte Entdeckung meiner Generation ist, dass ein Mensch sein Leben verändern kann, indem er seine Einstellung ändert.“

William James

1. Fehlende Verpflichtung

Der Protagonist der Psychotherapie ist der Patient. Die Person, die einen Psychotherapeuten aufsucht, geht eine grundlegende Verpflichtung ein. Und diese Verpflichtung ist vor allem eine Selbstverpflichtung. Dieser Verpflichtung wird nachgegangen, indem regelmäßig Sitzungen einberufen werden, zu denen der Patient pünktlich erscheint und in denen er alles unternimmt, um seine Probleme zu lösen. 

Eine Psychotherapie kann helfen.

Der Schlüssel liegt darin, die Ursachen für seine Probleme und mögliche Wege zu deren Überwindung zu finden. Leider ist dieser Versuch jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt.

2. Vom Psychotherapeuten wird zu viel erwartet

Einer der häufigsten Gründe für das Scheitern der Psychotherapie ist, dass vom Therapeuten zu viel erwartet wird. Manche Menschen erwarten Antworten auf alle ihre Probleme. Nichts ist jedoch weiter von der Realität entfernt.

Therapeuten sind weder Magier noch Gurus noch Wahrsager. Sie sind auch keine Führer durch das eigene Leben. Ihre Aufgabe besteht einzig und allein darin, uns zu begleiten und den Weg zu weisen, damit wir uns selbst besser kennenlernen und verstehen können. Sie sind ausgebildet, um denen zu helfen, die ein offenes Ohr und etwas Anleitung brauchen.

Das Ziel der Psychotherapie ist eine objektivere und klügere Interpretation der eigenen Situation. Streng genommen haben Psychologen nicht die Macht, das Leben eines anderen Menschen zu verändern, wenn dieser es nicht selbst tut.

3. Widerstand gegenüber Veränderungen

Es ist normal, dass wir uns an unsere Probleme klammern und auch an die falschen Wege, diese zu lösen. Jedes noch so schwerwiegende Problem hat sekundäre Vorteile. Zum Beispiel kann die Viktimisierung (die Tendenz, sich selbst zum Opfer zu machen) helfen, den Mangel an Maßnahmen oder das Hinauszögern von Veränderungen zu rechtfertigen. Deshalb fällt es uns schwer, unsere Probleme loszulassen.

Das nennen wir Widerstand. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um unbewusste Entscheidungen. Und Widerstand kann dazu führen, dass wir die Sitzungen aufgeben, wenn wir kritische Punkte erreichen. Oft scheitert die Psychotherapie, weil der Patient seinen Widerstand gegenüber Veränderungen nicht überwinden kann.

Mann fragt sich, warum seine Psychotherapie fehlgeschlagen ist

4. Falsche Motive

Der therapeutische Raum ermöglicht es uns, darüber nachzudenken, wie wir denken, fühlen oder handeln. Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die uns unbequem sind. Die Psychotherapie hilft uns auch, andere Möglichkeiten zur Wahrnehmung unserer persönlichen Realität zu erkennen und ein erfülltes und zufriedeneres Leben aufzubauen.

Allerdings gehen die Leute nicht immer aus diesen Gründen zur Therapie. Manchmal tun sie es, weil sie ein bestimmtes Problem lösen wollen. Sie wollen eigentlich gar nicht ihr Inneres erforschen. Stattdessen möchten sie eine Formel zur Lösung für eine bestimmte Angelegenheit erhalten. Zum Beispiel möchten sie, dass sich ihr Partner ändert, und sie gehen zu einer Sitzung, um herauszufinden, wie sie dazu vorgehen sollen.

Die Psychotherapie schlägt notwendigerweise fehl, wenn sie aus dieser Motivation heraus begonnen wird.

5. Eine schlechte Beziehung zum Psychotherapeuten

Die Beziehung zum Psychotherapeuten ist streng professionell. Dies tut dem jedoch keinen Abbruch, dass sie einer Verbindung zwischen zwei Menschen bedarf – und es gibt keine Garantie, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Eine Psychotherapie scheitert manchmal an diesem persönlichen Faktor.

Wenn bei einer Therapiesitzung alles schiefläuft ...

Eine gute Therapie ist ein Geschenk, das jeder sich irgendwann machen sollte. Sie ist nicht nichts, das all deine Probleme lösen oder Glück garantieren könnte. Sie schafft aber einen Raum, in dem Menschen umdenken und sich selbst neu definieren können. Wenn du deine innere Welt in Ordnung bringst, dann hat das immer etwas Positives, auch wenn die Psychotherapie fehlschlagen sollte.