Heile dein inneres Kind mit der Fototechnik

12. September 2019
Dein heutiges Selbst ist zu einem gewissen Teil das Produkt deiner Kindheitserfahrungen. Wir alle haben ein inneres Kind, das Verletzungen erfahren hat, egal, wie klein sie auch sein mögen. Wenn wir lernen, diese Wunden zu heilen, dann hilft uns das dabei, voller Vertrauen in der Gegenwart zu leben. Wir stellen dir heute die Fototechnik vor, mit der du dein inneres Kind heilen kannst.

Es herrscht Einigkeit darüber, dass wir alle ein inneres Kind in uns haben. Jeder einzelne Erwachsene war in seinem Leben auch ein Kind. Wir alle wurden mit ganz bestimmten Genen in einem spezifischen Umfeld geboren. Diese Umgebung spielte eine entscheidende Rolle dabei, wie wir aufgewachsen sind und beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen. Daher kann es sehr hilfreich sein, dass du dein inneres Kind heilst. Es gibt verschiedene Therapiemethoden, die hierfür Anwendung finden, eine davon wollen wir dir heute vorstellen.

Eine Therapie zur Heilung des inneren Kindes hilft dem Patienten dabei, sich wieder mit diesem Kind zu verbinden. Das Ziel ist es, dass er dadurch Probleme, die er im Erwachsenenalter hat, besser bewältigen kann. Eine der Therapiemöglichkeiten, mit der du dein inneres Kind heilen kannst, ist die Fototechnik. Wir werden sie dir nachfolgend genauer erläutern.

Dein inneres Kind und die Bedeutung von Bindungen

Doch bevor wir das tun, wollen wir noch einige grundlegende Zusammenhänge aufzeigen. Die Bindung ist ein intensives, andauerndes und einzigartiges Band, das sich zwischen zwei oder mehreren Menschen aufgrund ihrerer Interaktionen bildet.

Das unmittelbare Ziel einer Bindung ist es, dass wir durch sie in bedrohlichen Situationen Gemeinschaft erfahren. Sie vermittelt uns ein Gefühl von Sicherheit, Schutz und Wohlbefinden. Die meisten Kinder entwickeln gesunde Bindungsmuster.

Allerdings gibt es auch Kinder, bei denen dies nicht der Fall ist. Grundsätzlich hat aber jedes Kind das Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen und benötigt alle zum Überleben erforderlichen Ressourcen wie Essen, Hygiene, Schutz und viele andere mehr. Wenn ein Kind bei der Befriedigung dieser Bedürfnisse einen Mangel erfährt, dann kann das zu verschiedenen Problemen führen, die bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.

Diese nicht oder nur mangelhaft erfüllten Bedürfnisse prägen sich tief im Unterbewusstsein des Kindes ein. Oftmals kommt es dann im Erwachsenenalter dazu, dass diese Menschen problematische Verhaltensmuster aufweisen und bestimmte Gefühle haben, ohne die Ursachen hierfür zu kennen. Daher ist sehr wichtig, dass du weißt, wie deine Kindheit verlaufen ist und was dir möglicherweise gefehlt hat, um dich dadurch selber besser kennen und verstehen zu können.

Dein inneres Kind - Foto

Heile dein inneres Kind mit der Fototechnik

Die Fototechnik ist eine Methode, mit der du während einer Therapie dein inneres Kind heilen kannst. Dadurch sollst du erlernen, dir selber die Zuneigung und liebevolle Zuwendung zu geben, die du brauchst. Diese Technik spricht sehr stark deine Gefühle an. Daher werden in dir viele Erinnerungen, Gefühle und Körperempfindungen auftauchen, die du möglicherweise schon lange verdrängt hast.

Therapeuten wenden diese Technik an, um ihre Patienten dazu zu bringen, über ihr inneres Kind zu sprechen. Ziel ist es, dem Patienten zu ermöglichen, eine symbolische Form der Kommunikation mit diesem Teil seiner Selbst aufzubauen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie diese Technik angewendet werden kann. Als Therapeut musst du daher sehr kreativ und einfühlsam sein, damit sichergestellt ist, dass die Technik optimal auf den einzelnen Patienten abgestimmt ist. Wenn ein Patient beispielsweise sehr rational oder wenig gefühlsbetont denkt und handelt, dann wird es schwerer sein, diese Technik anzuwenden.

Der Patient nimmt ein Kindheitsfoto von sich in die Hand und der Therapeut bittet ihn, dieses Foto einige Minuten zu betrachten. Wichtig ist, dass bei der Betrachtung keinerlei Wertungen oder Beurteilungen vorgenommen werden. Der Patient soll nur versuchen, eine Verbindung mit diesem Kind, das immer noch in ihm lebt, aufzubauen.

Verbinde dich mit deinem inneren Kind

Sobald der Patient diese Verbindung aufgebaut hat, wird der Therapeut damit beginnen, eine aufrichtige und einfühlsame Kommunikation mit dem Kind zu führen. Hierbei kann er Fragen stellen wie beispielsweise: „Was fühlt dieses Kind, wenn seine Eltern nicht für es da sind?“ oder „Was genau braucht das Kind, wonach sehnt es sich?

Das Gespräch beginnt mit Fragen, die die Gefühle des Kindes näher beleuchten sollen. In den meisten Fällen werden in den Antworten die Gefühle deutlich, die der Patient als Erwachsener empfindet. Daher wird der Therapeut vermutlich folgende Antworten hören: „Das Kind fühlt sich einsam und leer“ oder „Es fühlt sich unsicher und ängstlich und wünscht sich, dass Mama und Papa nach Hause kommen und es fest in die Arme nehmen„.

Entwickle diese Beziehung weiter

Nach der Beantwortung dieser Fragen wird der Patient dazu angeleitet, seinem inneren Kind zu helfen. Das bedeutet, dass die Patienten versuchen sollen, sich selber zu helfen.

Der Therapeut wird dem Patienten unter anderem folgende Fragen stellen: „Was wirst du diesem Kind ab heute geben?„, „Bist du der Meinung, dass es gut ist, mit einem Partner zusammen zu bleiben, der dich permanent kränkt und demütigt?“ oder „Wie kannst du dem Kind dabei helfen, diese Situation zu verlassen und sich dabei sicher zu fühlen?„.

Die Auseinandersetzung mit derartigen Fragen hilft den Patienten bei der Erkenntnis, dass ihr inneres Kind immer noch Sicherheit braucht, obwohl sie selber bereits erwachsen sind. Viele Erwachsene versuchen, diese Gefühle des Mangels durch andere Aktivitäten zu kompensieren. Manche trinken übermäßig viel Alkohol, andere führen ungesunde Beziehungen und wiederum andere fokussieren ihr ganzes Leben auf beruflichen Erfolg.

Daher ist es sehr wichtig, dass der Patient versteht, dass Sicherheit nichts ist, was wir aus dem Außen erfahren werden. Das war im Kindesalter anders. Das intensive Bedürfnis nach Sicherheit begründet sich in der Art und Weise, wie der Patient über sich selber denkt und fühlt.

Daher ist es das wichtigste Ziel, dass der Patient sein inneres Kind beruhigen kann und ihm bedingungslose Liebe entgegenbringt. Dadurch wird der Patient sich und sein inneres Kind langsam heilen können.

Dein inneres Kind - Hände

Was passiert, nachdem du dein inneres Kind geheilt hast?

Die Fototechnik ist, wie jedes andere emotionale oder experimentalpsychologische Instrument auch, nur ein Mittel zum Zweck. Die Methodik selber kann nie das eigentliche Ziel sein.

Damit ein Patient sein inneres Kind und dessen Wunden vollständig heilen kann, muss er ihm täglich die Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken, die er ihm zuvor versprochen hat.

Dazu kann es sehr hilfreich sein, wenn sich der Patient einen Merksatz auf der Rückseite des Fotos notiert. Er könnte folgendermaßen lauten: „Ich werde nicht mehr zulassen, dass dich irgendjemand auf diese Weise behandelt. Ab jetzt werde ich immer auf dich aufpassen und für dich sorgen.

Allerdings genügt es nicht, diesen Vorsatz nur aufzuschreiben. Der Patient muss ihn auch in seinem Leben und seinem Verhalten verankern und sich dazu bekennen und verpflichten. Dann sind solche verhaltensorientierten Techniken sehr hilfreich und wirkungsvoll. Und wenn du es dann geschafft hast, dein inneres Kind zu heilen, dann kannst du damit beginnen, freier und bewusster zu leben.

Du wirst nicht weiter auf der Suche nach Sicherheit im Außen sein, sondern diese Sicherheit stattdessen in dir selber finden. Dadurch wirst du dich selber akzeptieren und annehmen können und beginnen, dich bedingungslos zu lieben.

  • Cadarso, V. Abraza a tu niño interior. Editorial Palmyra