Hast du eine Panikattacke oder eine Angstattacke?

Heute wollen wir dir erklären, wie du eine Panikattacke und eine Angstattacke voneinander unterscheiden kannst. Der zweite Begriff wird eher umgangssprachlich verwendet und nur selten im klinischen Kontext. Im Gegensatz dazu ist eine Panikattacke eine perfekt identifizierte klinische Entität.
Hast du eine Panikattacke oder eine Angstattacke?

Letzte Aktualisierung: 19. Mai 2021

Die Begriffe Panikattacke und Angstattacke werden häufig synonym verwendet. Allerdings handelt es sich nicht um denselben Zustand. Obwohl sie durchaus gemeinsame Symptome aufweisen, unterscheiden sich eine Panikattacke und eine Angstattacke in einigen Schlüsselmerkmalen voneinander. Das hört sich zunächst etwas verwirrend an und in der Tat verwechseln sogar Psychologen diese beiden Begriffe häufig miteinander.

Aber wenn du die Unterschiede nicht kennst, kann es schwierig sein, die richtige Behandlung zu finden oder nützliche Bewältigungsstrategien und relevante Fähigkeiten zu entwickeln. Wie du siehst, unterscheiden sich eine Panikattacke und eine Angstattacke also nicht nur in Bezug auf die Semantik voneinander!

Wenn ein Therapeut die Symptome von Angstzuständen und Panikattacken kennt und versteht, kann er die Probleme der Patienten, die sich hinter den Anfällen verbergen, effektiver angehen und behandeln. Die Grundbeschwerden sind sehr unterschiedlich, ebenso wie ihre Entwicklung. Daher ist es wichtig, sie voneinander unterscheiden zu können.

“Panikattacken sind in mancher Hinsicht ähnlich wie Betrunkensein, man verliert die Selbstbeherrschung. Man weint scheinbar ohne Grund. Du kämpfst mit dem Kater bis weit in den nächsten Tag hinein.”

-Sara Barnard-

Panikattacke oder eine Angstattacke - gestresste Frau

Hast du eine Panikattacke oder eine Angstattacke?

Eine Angstattacke entsteht oft als Reaktion auf einen Stressor oder eine besondere Sorge. Vielleicht hast du seit einiger Zeit Angst davor, deinen Job zu verlieren und deine Angstsymptome nehmen sprunghaft zu, wenn dein Chef dich in sein Büro ruft.

Während einer Angstattacke empfinden Betroffene große Angst und Besorgnis. Dein Herz könnte rasen und du könntest dich kurzatmig fühlen. Allerdings sind diese Symptome normalerweise nur von kurzer Dauer und sie klingen ab, wenn der Stressor verschwindet.

Im Gegensatz dazu tritt eine Panikattacke auf, wenn keine tatsächliche Gefahr oder offensichtliche Ursache vorliegt. Es gibt keinen Auslöser dafür. Daher ist sie in vielen Fällen ziemlich unvorhersehbar. Wenn jemand eine Panikattacke erleidet, wird er normalerweise von Todesangst, extremer Panik oder Besorgnis überwältigt.

Du könntest das Gefühl haben, gleich zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Darüber hinaus treten auch eine Reihe körperlicher Symptome auf, darunter Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit.

Sind diese Zustände im DSM aufgeführt?

“Angstattacke” wurde in der neuesten Ausgabe des diagnostischen und statistischen Leitfadens psychischer Störungen (DSM-5) in keine diagnostische Kategorie aufgenommen.

  • Angstattacke ist eigentlich ein umgangssprachlicher Begriff für Menschen, die unter Angstzuständen leiden, und beschreibt Perioden intensiver oder anhaltender Angstzustände.
  • Panikattacken sind einfach zu definieren, weil es einen klinischen Konsens gibt. Hierzu ist eine offizielle DSM-Definition: “Eine Panikattacke ist eine plötzliche Episode intensiver Angst, die schwere körperliche Reaktionen auslöst, ohne dass eine wirkliche Gefahr oder ein offensichtlicher Grund vorliegt”.

Symptome einer Angstattacke

In diesem Fall erreicht die Angst einen Höhepunkt, der über einen langen Zeitraum andauern kann, entweder bis der Auslöser verschwindet, die betroffene Person eine alternative Bewältigungsstrategie findet oder sie schließlich körperlich erschöpft ist.

Darüber hinaus sind die Empfindungen schwerwiegender als ein einfaches Gefühl der Angst. Dennoch erreicht die Intensität normalerweise nicht die Aktivierungsstufen, die durch eine Panikattacke ausgelöst werden. Die Angst kann Minuten, Stunden, Tage oder Wochen andauern. Normalerweise manifestiert sie sich mit einem oder mehreren der folgenden Symptome:

  • Unruhe oder ein Gefühl der Erschöpfung oder Nervosität
  • Intensive Müdigkeit ohne körperliche oder geistige Anstrengung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Reizbarkeit
  • Muskelverspannungen
  • Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Sorgen
  • Schlafstörungen (Schwierigkeiten beim Einschlafen oder Durchschlafen oder unruhiger oder unbefriedigender Schlaf)

Die Therapeutin Ginger Poag definierte eine Angstattacke als eine Phase der Besorgnis über mögliche zukünftige Ereignisse. Es gibt Zeiten, in denen eine Angstattacke ein Vorbote einer Panikattacke ist.

Im Gegensatz dazu ist eine Panikattacke kein Symptom einer Angststörung. Vielmehr ist Angst eine natürliche Reaktion auf bestimmte Reize oder Situationen, und derartige Attacken sind nur eine intensivere Form dieser Emotion.

Außerdem führen Angstattacken oft zu Vermeidungsmustern oder übermäßiger Vorsicht. Zum Beispiel kann jemand, der eine solche Attacke aufgrund sozialer Ängste erlebt hat, Orte oder Situationen vermeiden, die ihn in der Vergangenheit ängstlich gemacht haben.

Symptome einer Panikattacke

Eine Panikattacke kann ernste körperliche Reaktionen auslösen. Viele Menschen, die eine derartige Attacke erleiden, denken oft, sie hätten einen Herzinfarkt. Tatsächlich rufen manche sogar den Notruf an, weil sie nicht wissen, was mit ihnen vor sich geht. In der Regel treten zumindest einige der folgenden Symptome auf und diese halten normalerweise für etwa 10 bis 15 Minuten an:

  • Ein Gefühl unmittelbarer Bedrohung oder Lebensgefahr
  • Angst davor, die Kontrolle zu verlieren oder sogar Todesangst
  • Schneller, klopfender Herzschlag
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Kurzatmigkeit oder Engegefühl im Hals
  • Hitzewallungen
  • Brechreiz
  • Unterleibskrämpfe
  • Schmerzen in der Brust
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
  • Taubheit oder Kribbeln
  • Ein Gefühl der Loslösung

Menschen haben oft ein Gefühl der unmittelbaren Bedrohung, wenn sie eine Panikattacke haben. Daher reagieren sie, indem sie um Hilfe bitten oder versuchen, aus der Situation zu fliehen, in der sie sich gerade befinden. Manche Menschen haben nur eine oder zwei Panikattacken in ihrem Leben.

Diese treten meist unter extremem Stress oder Druck auf. Wiederholte Panikattacken sind oft ein Symptom für eine Panikstörung. Aber auch bestimmte traumatische Ereignisse können bei einer Person eine Panikstörung auslösen.

Panikattacke oder eine Angstattacke - Frau mit Problemen beim Atmen

Eine Panikattacke oder eine Angstattacke? Wie du sie unterscheiden kannst

Die Symptome einer Angstattacke und einer Panikattacke sind sehr ähnlich. Daher kann es schwierig sein, sie richtig zu identifizieren. Die nachfolgenden Hinweise könnten hilfreich sein:

  • Panikattacken treten normalerweise ohne Auslöser auf. Angst ist hauptsächlich eine Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung.
  • Die Symptome einer Panikattacke sind intensiv und verwirrend. Häufig tritt auch ein Gefühl der Distanzierung auf. Die Symptome bei einer Angstattacke variieren in ihrer Intensität und reichen von leicht bis schwer.
  • Panikattacken treten plötzlich auf, während sich die Angstsymptome innerhalb von Minuten, Stunden oder sogar Tagen allmählich verstärken.
  • Darüber hinaus klingen Panikattacken nach wenigen Minuten ab, während Angstsymptome über längere Zeiträume andauern können.

Jetzt weißt du, warum es so wichtig ist, eine Panikattacke und eine Angstattacke voneinander unterscheiden zu können, denn viele Patienten glauben, dass sie das eine haben, obwohl sie in Wirklichkeit das andere erleben. Darüber hinaus ist die Verwirrung in Bezug auf diese beiden Zustände auch der Grund, warum viele Menschen keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn die Person, die die Differentialdiagnose stellt, die beiden Zustände miteinander verwechselt, könnte dies im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein Betroffener von Medikamenten abhängig wird, die er oder sie gar nicht braucht. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass Fachleute die Unterschiede wirklich genau verstehen.

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