Welcher Zusammenhang besteht zwischen Hyperventilation und Angst?

07 Oktober, 2020
Du kannst nicht atmen, deine Lunge reagiert nicht, die Welt um dich herum dreht sich... Wenn du jemals aus Angst hyperventiliert hast, weißt du, wie sich das anfühlt. Heute wollen wir dir einige Strategien vorstellen, die dir helfen können, mit diesem Problem umzugehen.

Atembeschwerden, Herzrasen, Benommenheit, Taubheit, Engegefühle in der Brust, panische Angst… Hyperventilation und Angst sind eng miteinander verbunden. Kurzatmigkeit und das Gefühl, nicht genügend Sauerstoff in deine Lungen zu bekommen, kann ein wirklich extrem beängstigendes Gefühl sein. Darüber hinaus kann dies auch die direkte Folge bestimmter psychischer Störungen sein. Diese Tatsache ist einigen Menschen aber gar nicht bekannt.

Nicht jeder verbindet diese Empfindung mit Angststörungen oder Ängsten. Normalerweise glauben Menschen, sie würden an Asthma oder kardiorespiratorischen Problemen leiden. Wenn du dann in die Notaufnahme gehst oder einen Arzt aufsuchst und diese dann physische Ursachen ausschließen, fühlst du dich möglicherweise verwirrt und ratlos. Wie kann Angst etwas so Schmerzhaftes auslösen?

Du vergisst möglicherweise, dass dieser Antizipationsmechanismus auf externe und interne Reize direkt mit der Atmung verbunden ist. Die Priorität des Körpers bei Angst liegt darin, darauf zu reagieren. Daher beschleunigt sich dein Herzschlag und deine Muskeln werden verstärkt mit Sauerstoff versorgt. Das Ziel ist ganz einfach: die Flucht vor dem wilden Tier, das dich verfolgt.

Darüber hinaus solltest du bedenken, dass Hyperventilation keine Krankheit ist. Außerdem ist es kein ernsthafter Zustand und du kannst auch nicht daran sterben. Hyperventilation ist eine Auswirkung von Angst, die Menschen mit Panikstörungen häufig erleben. Mit diesem Thema wollen wir uns nun eingehender befassen.

Hyperventilation - besorgter Mann

Hyperventilation und Angststörungen: Symptome, Merkmale und wie du damit umgehen kannst

Angststörungen gehören zu den klinischen Zuständen, die besonders starke physische Symptome verursachen. Studien, die an der University of Health Sciences an der Chicago Medical School durchgeführt wurden, zeigen, dass eine erhöhte Sensibilität für Ängste häufig ein Risikofaktor für das Auftreten von Panikattacken ist. Und dies wiederum kann zu Hyperventilation führen.

Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass Hyperventilation oder Atemnot natürlich auch ein Anzeichen eines anderen gesundheitlichen Problems sein kann, welches keine rein emotionalen Ursachen hat. Asthma, Emphyseme und andere Lungenerkrankungen können ebenfalls für dieses plötzlich auftretende Problem bei der Atmung verantwortlich sein. Unabhängig von der Ursache ist es daher am besten, wenn du deinen Arzt aufsuchst, um eine richtige Diagnose zu erhalten.

Warum hyperventilierst du, wenn du Angst hast?

Wenn du schneller atmest, als du müsstest, um deinen Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, hyperventilierst du. Wie du dir vorstellen kannst, passiert dies in stressigen Situationen oder wenn deine Angst extrem stark oder unkontrollierbar wird. Dann realisierst du nicht mehr, dass du zu schnell atmest und verursachst dadurch ein Ungleichgewicht in deinem Sauerstoffhaushalt.

  • Hyperventilation stört das Gleichgewicht zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid.
  • Dein Gehirn interpretiert diesen plötzlichen Abfall des Kohlendioxidgehaltes im Blut als Bedrohung.
  • Daher besteht das Ziel nun darin, die Situation zu stabilisieren, indem die Menge an eingeatmetem Sauerstoff und ausgeatmetem Kohlendioxid so schnell wie möglich reduziert wird.
  • Dies wiederum führt dazu, dass dein Körper deinen Atemimpuls reduziert. Das geschieht, indem dein Gehirn eine Botschaft sendet, die Atmung zu reduzieren und dies ist auch die Ursache für das auftretende Erstickungsgefühl.
  • Während du verzweifelt versuchst, zu atmen, erschwert dir dein Körper tatsächlich die Atmung. Und das intensiviert natürlich deine Panik und deine Angst.

Obwohl es der Wahrheit entspricht, dass Hyperventilation kein ernsthafter Zustand und bisher auch niemand daran gestorben ist, ist sie dennoch sehr beängstigend.

Hyperventilation und Angst: Symptome

Hyperventilation und Angst sind sehr eng miteinander verbunden. Wenn deine emotionale Belastung sehr stark ist, reagiert dein Körper entsprechend. Normalerweise ist diese physiologische Reaktion intensiv.

Das Schwierigste an diesen Situationen ist die Tatsache, dass das Erleben einer Panikattacke oder Hyperventilation deine Ängste und Panikgefühle nur noch weiter verstärkt. Es ist ein Teufelskreislauf. Nachfolgend zeigen wir dir die häufigsten Merkmale dieses Hyperventilations-Angst-Kreislaufes auf:

  • Durch Angst ausgelöste Hyperventilation dauert normalerweise ungefähr 20 Minuten.
  • Währenddessen empfindest du eine erhöhte körperliche und emotionale Anspannung.
  • Vermutlich hast du das Gefühl, dass du nicht mehr atmen kannst, so als wärest du sehr kurzatmig. Dieses Gefühl der Atemnot intensiviert sich langsam.
  • Außerdem schlägt dein Herz schneller und stärker.
  • Darüber hinaus spürst du möglicherweise ein Kribbeln in deinen Händen, Beinen und um deinen Mund herum.
  • Auch Benommenheit, Schwindel und ein Tunnelblick sind sehr häufige Auswirkungen.
  • Du schwitzt.
  • Überdies kommt es sehr häufig auch zu Kopfschmerzen oder Ohnmacht.
Hyperventilation - Frau atmet in Papiertüte

Der Umgang mit Hyperventilation

Wenn du das Wort Hyperventilation hörst, hast du vermutlich das Bild eines Menschen vor Augen, der in eine Papiertüte atmet. Obwohl dies tatsächlich eine gute Strategie ist, gibt es noch weitere Aspekte, die du ebenfalls bedenken solltest:

  • Hyperventilation ist keine Erkrankung. Sie ist vielmehr ein Symptom und daher ist es wichtig, die Ursache dafür zu kennen. Der erste Schritt besteht darin, körperliche Erkrankungen oder Ursachen auszuschließen.
  • Wenn Angststörungen für deine Hyperventilation verantwortlich sind, solltest du den Auslöser dieser Ängste identifizieren.
  • Kognitive Verhaltenstherapie, Rational-emotive Verhaltenstherapie, kognitive Therapie, die auf Lösungen für Hyperventilation ausgerichtet ist, oder EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing-Therapie) können zu guten Ergebnissen führen.
  • Darüber hinaus ist es wichtig, dass du dich auf deine Atmung konzentrierst, wenn du einen Hyperventilationsanfall erleidest.
  • Wenn du schneller atmest, wird sich das Erstickungsgefühl nur noch weiter verschlimmern. Daher musst du stattdessen deine Sauerstoffaufnahme verlangsamen.
  • Das Atmen mit zusammengepressten Lippen, so als wolltest du eine Kerze ausblasen, kann hilfreich sein.
  • Darüber hinaus gibt es noch eine andere Strategie, die du ausprobieren kannst. Halte dir ein Nasenloch zu und atme durch das andere. Auch dies ist eine effektive Möglichkeit, um die Atmung zu verlangsamen.

Aber du kannst auch immer auf die bewährte Technik mit der Papiertüte zurückgreifen. Alles, was du tun musst, ist es, deine Nase und deinen Mund mit der Tüte zu bedecken. Dann beginnst du zu atmen. Das hilft dir dabei, deine Atmung zu verlangsamen und trägt gleichzeitig dazu bei, deinen Kohlendioxidspiegel auszugleichen. Dennoch solltest du nicht vergessen, dass du die Auslöser für deine Atembeschwerden identifizieren und dir Hilfe suchen solltest.

  • Donnell, C. D., & McNally, R. J. (1989). Anxiety sensitivity and history of panic as predictors of response to hyperventilation. Behaviour Research and Therapy27(4), 325–332. https://doi.org/10.1016/0005-7967(89)90002-8
  • Bass, C., Chambers, J. B., Kiff, P., Cooper, D., & Gardner, W. N. (1988). Panic anxiety and hyperventilation in patients with chest pain: a controlled study. QJM: An International Journal of Medicine69(3), 949-959.