Glück und Angst – schließen sie sich gegenseitig aus?

19. Januar 2020
Glück und Angst können nebeneinander im gleichen Raum existieren. Die Abwesenheit von Angst ist die Gegenwart von Frieden. Wenn du einmal darüber nachdenkst, wirst du erkennen, dass die meisten täglichen Ängste nicht real sind und dir nicht wirklich weiterhelfen. Wenn wir zulassen, dass unsere Ängste uns lähmen, schränken wir dadurch unser Leben sehr stark ein, nur um uns selber zu schützen.

Eduardo Punset ist ein bekannter Politiker, der uns einige wundervolle menschliche Weisheiten hinterlassen hat. In unserem heutigen Artikel werden wir uns mit einer seiner aufschlussreichsten und interessantesten Aussagen befassen. Der Weisheit „Glück ist die Abwesenheit von Angst“ fügte er die Feststellung hinzu, dass Schönheit die Abwesenheit von Schmerzen ist. Stimmt es, dass Glück und Angst sich gegenseitig ausschließen?

Punset reflektierte über viele Realitäten unserer heutigen Welt. Er befasste sich beispielsweise mit der vorherrschenden Art von „Glück“, die viele Menschen anstreben. Sicherlich hast du auch schon festgestellt, dass heutzutage sehr oft über Glück gesprochen wird. Allerdings ist es nicht ganz einfach, diesen Begriff zu definieren. Da wir nicht wirklich genau wissen, was Glück eigentlich bedeutet, haben wir sehr häufig Probleme, diesen Zustand dann auch tatsächlich zu erreichen.

“Eine der ersten Voraussetzungen für Glück ist, dass die Verbindung zwischen den Menschen und der Natur nicht unterbrochen werden darf.“

-Leo Tolstoi-

Manche Menschen suchen ihr Glück, indem sie nach Erfolg oder Macht streben, andere versuchen, ihr Glück durch Liebe und Zuneigung zu finden. Wiederum andere haben die Suche aufgegeben, weil sie nicht mehr weiter enttäuscht werden möchten. Wenn Eduardo Punset davon spricht, dass Glück die Abwesenheit von Angst ist, liefert er uns damit eine wesentlich realistischere und profundere Sichtweise auf diese Thematik. Und genau damit werden wir uns nun eingehender beschäftigen.

Glück und Angst

Glück und Angst - Frau im Wind

Sicherlich hast du schon Menschen getroffen, die mit dem zufrieden sind, wer und was sie sind und was sie haben, obwohl sie bereits große Verluste erlitten haben. Außerdem bist du vermutlich auch solchen Menschen begegnet, bei denen das Gegenteil der Fall war: sehr „erfolgreiche“, einflussreiche und ausgesprochen beliebte Menschen, die dennoch zutiefst unglücklich waren.

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Literatur zum Thema Glück darauf verweist, dass „Glück in uns selber liegt“, vergessen wir diese Tatsache leider allzu häufig. Meistens tun wir sogar genau das Gegenteil. Wir streben nach Glück, indem wir äußere Faktoren und Reize als Maßstab für unser eigenes Glück heranziehen. Außerdem glauben wir, dass wir dauerhaft glücklich sein werden, sobald wir diese äußeren Voraussetzungen erfüllt haben.

Die äußeren Kriterien, von denen wir unser Glück abhängig machen, könnten folgende sein: jemand, den wir lieben können, ein bestimmtes Ziel oder ein bestimmter Sachverhalt. Dadurch machen wir unseren inneren Zustand von Faktoren abhängig, die wir gar nicht selber beeinflussen können. Außerdem haben wir in unseren glücklichen Momenten festgestellt, dass dieses Glück gar nicht so vollkommen und permanent ist, wie wir uns erhofft hatten.

Wenn Punset davon spricht, dass Glück die Abwesenheit von Angst ist, dann betont er dabei diese zwei Aspekte:

  1. Das Glück steckt in jedem von uns.
  2. Glück besteht nicht darin, etwas zu besitzen oder zu bekommen. Vielmehr geht es darum, uns von negativen und bedrückenden Emotionen zu befreien.

Glück und Angst: Kann Angst existieren, wo Glück ist?

Wenn Punset von der Abwesenheit der Angst spricht, dann meint er damit nicht das absolute Fehlen von Angst. Einige unserer Ängste sind nicht nur normal, sondern auch gesund. Emotionen warnen uns vor Risiken und Gefahren. So können wir uns darauf vorbereiten und uns vor diesen Gefahren schützen. Allerdings neigen wir manchmal dazu, dabei zu weit zu gehen.

Dies passiert, wenn wir eine Situation als bedrohlich wahrnehmen, obwohl sie tatsächlich weder gefährlich noch riskant ist. Welche Gründe veranlassen uns zu derartigen Reaktionen? Grundsätzlich sind wir stark von unserer Erziehung geprägt, wir haben dieses Verhalten also oftmals erlernt. Außerdem könnten sich dahinter aber auch psychische Konflikte verbergen, die wir bisher noch nicht gelöst haben.

Aus verschiedenen Gründen haben wir eine Reihe imaginärer Ängste, die uns hemmen und davon abhalten, glücklich zu sein. Letztendlich könnten wir uns sogar vor dem Glück selber fürchten. Das führt dazu, dass wir regelrecht davor flüchten, wenn wir einen Blick darauf werfen können. Aufgrund unserer Ängste schränken wir uns dann selber ein, obwohl wir dies gar nicht tun müssten. Das führt dazu, dass wir positive Erfahrungen vermeiden und ablehnen, weil wir den Schmerz fürchten, den sie uns bereiten könnten.

Angst überwinden

Glück und Angst - Frau vor einem zerbrochenen Spiegel

Punset hatte Recht mit seiner Aussage, dass Glück die Abwesenheit von Angst ist. Wenn wir uns selber von den imaginären Ängsten befreien, die uns einschränken, erlangen wir die Freiheit, unser Leben vollkommen zu leben und zu erfahren. Außerdem können wir so unsere gesamte Persönlichkeit ausdrücken und die starren Grenzen überwinden, die wir uns aufgrund unserer Ängste selber auferlegt haben.

Eduardo Punset sagt, dass du zuerst über deine Ängste nachdenken musst, wenn du wirklich glücklich werden willst. Wovor hast du denn eigentlich Angst? Warum genau fürchtest du dich davor? Wenn du ganz ehrlich zu dir selber bist, wirst du dir diese einfachen Fragen beantworten können. Manchmal wirst du dann auch erkennen, dass du dich diesen Ängsten gar nicht wirklich stellen willst.

Die Abwesenheit von Angst wird dir inneren Frieden bringen. Daher solltest du dein Leben nicht länger von imaginären Ängsten bestimmen lassen und diese Ängste stattdessen durch Selbstvertrauen ersetzen. Wenn du dies tust, wirst du einen Frieden in dir spüren, der dir hilft, allen Situationen gelassen entgegenzutreten und sie zu bewältigen. Wie genau kannst du diese täglichen Ängste loslassen, die dich daran hindern, vollkommen zu leben? Diese Frage beantworten wir in einem anderen Artikel.

  • Reguillo, R. (1998). Imaginarios globales, miedos locales: la construcción social del miedo en la ciudad. Ponencia presentada en el IV Encuentro de la Asociación Latinoamericana de Investigadores de la Comunicación. ALAIC.“Ciencias de la Comunicación: Identidades y Fronteras”. Universidad Católica de Pernambuco, Recife, Brasil, 11-16.