Gibt es eine Glückszone im Gehirn?

4. Mai 2019

Heute wollen wir über eine Studie sprechen, die in Bezug auf die faszinierende Funktionsweise unseres Gehirns vorgestellt wurde, über das wir jeden Tag etwas Neues lernen. Es scheint, dass eine sogenannte Glückszone, die elektrisch stimuliert werden kann, ausfindig gemacht werden konnte. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung bestimmter Krankheiten.

Tatsächlich begann die zitierte Untersuchung als Hirnkartierung durch elektrische Stimulation bei Epilepsiepatienten. Was die Autoren feststellten, war, dass die elektrische Stimulation des Cingulums zu einer unglaublichen Häufung von Lachsalven führte. Sie schien auch ein überdurchschnittliches Wohlbefinden und ein angenehmes Gefühl der Ruhe zu erzeugen.

Nun, wir wussten bereits, dass die Stimulation bestimmter Teile des Gehirns zu einem unkontrollierbaren Wunsch, zu lachen, führen kann. Aber die Neuheit dieser Entdeckung besteht darin, dass dies das erste Mal ist, dass einer dieser Bereiche anatomisch identifiziert wurde. Und es ist derselbe, der bei Stimulation auch Angst deutlich zu reduzieren scheint.

Die Forschung

Das Team von Neurowissenschaftlern an der Emory University School of Medicine, Atlanta, USA das die Untersuchung durchführte, untersuchte Patienten mit Epilepsie. Kleine Elektroden waren im Gehirn platziert worden, um einige Bereiche des Gehirns elektrisch zu stimulieren. Ziel war es, Informationen über die neuronale Quelle der Anfälle der Patienten zu finden.

Die Forscher glaubten es nicht, als durch die Stimulation des Cingulums, einem Trakt aus weißer Substanz, der mehrere Regionen des Gehirns verbindet, ein Patientin unkontrolliert zum Lachen gebracht werden konnte. Sie lächelte auch und fühlte sich entspannt und ruhig.

Frau mit leuchtendem Gehirn

Sie beschlossen dann, der Patientin eine Reihe von Gesichtsausdrücken zu zeigen, die von glücklich über neutral bis traurig reichten, und es ließ sich belegen, dass sie Gesichter als glücklicher bewertete, wenn sie unter dem Einfluss einer elektrischen Stimulation des Cingulums stand. Dies werteten sie als einen Indikator dafür, dass sie sich in einer besseren Stimmung befand.

Der Grad der Kognition wurde auch gemessen, während sie diese Glückszone im Gehirn stimulierten. Die Patientin wurde auf Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Sprachvermögen getestet. Es ließ sich nicht nachweisen, dass die Kognition positiv oder negativ beeinflusst worden wäre. Das heißt, die elektrische Stimulation schien die Kognition nicht zu stören.

Die Studie wurde mit den gleichen Tests an zwei weiteren Patienten mit Epilepsie fortgesetzt. Diese Probanden zeigten die gleichen Reaktionen auf die elektrische Stimulation des Cingulums wie die erste Patientin. Es herrschte ein Gefühl des ruhigen und unkontrollierbaren Lachens in allen.

Der Grund, warum dieser Bereich des Gehirns ein Gefühl der Ruhe und das Bedürfnis, zu lachen, hervorruft

Das Cingulum befindet sich unter dem Kortex und ist um das Mittelhirn gewunden. In seinem vorderen oberen Teil befindet sich diese Glückszone des Gehirns. Dieser Bereich ist gut angebunden und vereint Gehirnregionen, die mit komplexen Emotionen verbunden sind. Bei Stimulation können deshalb andere Netzwerke, die sich über den Rest des Gehirns erstrecken, moduliert werden. Jon T. Willie, Co-Autor der Studie, vergleicht das Ganze mit einer Autobahn mit vielen Ein- und Ausfahrten.

Das Team ist überzeugt, dass es den Zugang zu verschiedenen Netzwerken gefunden habe, die Stimmung, soziale Interaktion und Emotionen regulieren.

Glückliche Frau schaut nach unten

Was bedeutet diese Entdeckung für die Zukunft?

Der Schwerpunkt der zukünftigen Forschung zu dieser außergewöhnlichen Entdeckung scheint auf der Verwendung der elektrischen Stimulation als Teil der Intervention bei Angststörungen, Depressionen und sogar chronischen Schmerzen zu liegen.

Eine weitere Forschungsrichtung könnte mit der Anwendung der elektrischen Stimulation in dieser Glückszone als Hilfe zu besseren und angenehmeren Erfahrungen während der Neurochirurgie eröffnet werden, bei der die Patienten gezwungen sind, wach zu bleiben.

Auf jeden Fall müssen wir noch ein wenig Geduld haben, bis die entsprechenden Methoden etabliert sind, denn diese Art der Behandlung würde im Moment eine invasive Operation erfordern, da die Elektroden direkt auf das Gehirn gelegt werden müssten, was erhebliche Risiken mit sich bringt.

Wie dem auch sei, es ist eine Entdeckung von enormer Bedeutung, die uns der Entschlüsselung des Rätsels Gehirn einen Schritt näherbringt und die sich als hoffnungsvoller Weg für Interventionen, die mit der Stimmung zu tun haben, am Horizont abzeichnet.