Georg Friedrich Wilhelm Hegel: Ein Philosoph des Idealismus

29. März 2019

Georg Wilhelm Friedrich Hegels Ideen prägten die Philosophie im Westeuropa und Russland des 19. Jahrhunderts in einem solchen Maße, dass wir von einer Zeit vor bzw. nach Hegel sprechen können. Hegel war ein Bewunderer von Platon, Descartes und Kant, und er war einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus. In der Tat haben Hegels Ideen zu einem Durchbruch in der Theorie der Evolution des Bewusstseins geführt.

Die meisten Menschen wissen, dass das Lesen von Hegels Schriften nicht einfach ist. Sein berühmtestes Buch, Die Phänomenologie des Geistes  (1807), ist ein Beispiel für sein schwer verständliches, aber ideenreiches Schreiben. In diesem Buch nutzte Hegel die dialektische Methode, um die Bewegung des Bewusstseins nachzuvollziehen.

Wir wollen festhalten, dass viele Hegelkenner glauben, dass die Thesen dieses Philosophen radikal waren und den deutschen Nationalismus inspirierten. Adolf Hitler beispielsweise befürwortete die hegelianische Philosophie, weil er in Zitaten wie „Der germanische Geist ist der Geist der neuen Welt, deren Zweck die Realisierung der absoluten Wahrheit […] ist“  eine Rechtfertigung für sein Tun fand.

„Pädagogik ist die Kunst, den Menschen sittlich zu machen.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegels Ideen waren aber auch darüber hinaus sehr einflussreich. Seine Schriften lösten einen regelrechten Sturm theoretischer und philosophischer Reaktionen aus: Er inspirierte den marxistischen Materialismus und legte den Grundstein für Søren Kierkegaards Existenzialismus, Friedrich Nietzsches metaphysische Konzepte und sogar Theodor W. Adornos negative Dialektik.

Im Wesentlichen basierte Hegels Philosophie auf der Idee, dass nicht viele Barrieren zwischen uns und der Welt bestehen. Hegel wollte zum Ausdruck bringen, dass wir die Schöpfer unserer eigenen Wahrheit sind. Darüber hinaus machte Hegel die Idee der Dialektik populär. Diese bezieht sich auf die Geschichte und unsere eigenen Gedanken, die sich aus einer kontinuierlichen Bewegung zwischen Lösungen und Widersprüchen bilden.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel, ein Philosoph des deutschen Idealismus

Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel wurde am 27. August 1770 in Stuttgart als Sohn einer protestantischen Familie geboren. Im Laufe seines Lebens freundete er sich mit einflussreichen Personen wie dem Philosophen Friedrich von Schelling und dem Dichter Friedrich Hölderlin an. Außerdem war er ein Bewunderer von Immanuel Kant.

An der Universität Tübinge studierte Hegel Philosophie und Theologie. Nach dem Tod seines Vaters erhielt er eine Erbschaft, die es ihm ermöglichte, sich ganz auf die akademische Welt zu konzentrieren. Dies geschah, kurz nachdem Hegel 1801 seine Dissertation zu den Umlaufbahnen der Planeten vorgelegt hatte. Die Erbschaft erlaubte es ihm, sein Wissen auf Gebieten wie Mathematik, Logik und Recht zu vertiefen.

„Nur durch die Verwirklichung großer Ziele offenbart ein Mensch seinen starken Charakter.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Im Jahr 1807 veröffentlichte Hegel Die Phänomenologie des Geistes,  ein Werk, in dem er Aspekte wie Bewusstsein, Wahrnehmung und Wissen beleuchtete. In dieser Arbeit betonte er, was für ihn real war: die Vernunft. Bald nach der Veröffentlichung dieser Schrift baten man ihn seitens Universitäten in Heidelberg und Berlin, Vorlesungen zu halten.

Erfolg und Cholera

Hegels Vorlesungen wurden in ganz Europa berühmt. Seine Schüler behaupteten, er könne fast alles erklären. Sie sagten auch, dass er mit Platon selbst vergleichbar sei.

Seine Analysen in Bezug auf die Rechtsphilosophie und das Staatssystem ermutigten viele Menschen, sich mit Hegels verschiedenen Ansätze und Theorien auseinanderzusetzen. Die kulturelle Elite und die Politiker der damaligen Zeit betrachteten ihn als eine Person, von der sie lernen und sich inspirieren lassen konnten.

Hegel starb am 14. November 1831 an Cholera.

Die Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels

Hegel war vor allem dafür bekannt, Geschichte mit Philosophie zu verknüpfen. Zur damaligen Zeit gingen die philosophischen Diskurse von einer Leere aus, die ein Wahrheitsgefühl erreichen wollte, ohne wichtige Ereignisse zu berücksichtigen. Tatsächlich waren Ereignisse wie die Französische Revolution und der Wandel der Mentalität aber entscheidende Entwicklungen, die Hegel inspirierten.

Betrachten wir nun die relevantesten Konzepte seines philosophischen Erbes.

Ein surrealistisches Bild, das eine Wolke als Kopf zeigt

Idealismus

Es ist durchaus üblich, Hegel als den Vertreter des deutschen Idealismus zu sehen. Aber was heißt das wirklich? Idealismus ist eine philosophische Theorie, die folgende Ideen vertritt:

  • Ideen sind lebenswichtig und können unabhängig voneinander existieren.
  • Was uns umgibt, würde nicht existieren, wenn wir Menschen es nicht wahrgenommen hätten und davon nichts wüssten.
  • Die Welt ist schön. Sie ist metaphysisch perfekt, weil Schönheit selbst Vernunft symbolisiert.

„Eine Idee ist immer eine Verallgemeinerung, und Verallgemeinerung ist eine Eigenschaft des Denkens. Verallgemeinern heißt denken.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel glaubte auch, dass das Glück nicht das Hauptziel im Leben sein sollte. Für ihn waren Wissen und Vernunft die wichtigsten Errungenschaften.

Die Dialektik

Hegel definierte die Vernunft als einen dialektischen Prozess. Das heißt, man kann eine Hypothese aufstellen und sie später widerlegen, um einen potenziellen Widerspruch zu überwinden. Der Philosoph glaubte daher, dass die dialektische Bewegung die folgenden Schritte beinhaltete:

  • These: Das Aufstellen einer These.
  • Antithese: Die Negation der These.
  • Synthese: Den Widerspruch überwinden.

Freiheit

Hegel war überzeugt, dass authentische Freiheit von einem ganz bestimmten Rahmen ausgehen müsse, nämlich vom Staate selbst. Der Staat sollte es einem Einzelnen ermöglichen, sich vollständig zu fühlen, und es der Person so wiederum ermöglichen, ein authentisches Gefühl der Würde zu erlangen. Daher brauchen Menschen einen rechtlichen Rahmen, um sich „unterwerfen“ zu können.

Innerhalb dieses hegelianischen Schemas können Einzelne die authentische Freiheit durch das Christentum erreichen.

„Frei sein ist nichts, frei zu werden ist alles.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Logik

Hegels berühmteste These ist die des Widerspruchs. Nach diesem Prinzip ist eine Sache sie selbst und ist es gleichzeitig auch nicht.

Das bedeutet, dass wir uns alle ändern. Wir alle verwandeln uns und gehen aufgrund unserer eigenen Vitalität von einem Zustand in einen anderen über. Kurz gesagt, das Leben ist ein ständiger Widerspruch an und für sich.

Ästhetik

Hegel nahm eine interessante Unterscheidung zwischen natürlicher und künstlerischer Schönheit vor. Erstere bezog er auf eine exquisite Art der Schönheit, die durch Authentizität und Freiheit geprägt ist. Diese Art von Schönheit repräsentiert im Wesentlichen den natürlichen Geist der Dinge. Letztere Form der Schönheit entspringt unserem Geist und ermöglicht es uns, ästhetische Forschung zu betreiben, um Wissen zu erwerben.

Der Wanderer über dem Nebelmeer

Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist einer der bemerkenswertesten Philosophen aller Zeiten. Obwohl viele Menschen seine Arbeit bewundern, stehen ihr einige Menschen aber auch sehr skeptisch gegenüber. Vielleicht liegt das an Hegels Ideen in Bezug auf den deutschen Staat, seinen Idealismus oder Eurozentrismus. Schließlich gibt es Menschen, die sich aufgrund der komplizierten Materie von vornherein nicht an Hegels Schriften heranwagen. Wir ermutigen dich jedoch, dich zu trauen: Seine Ideen markieren einen Wendepunkt für Europa. Bis heute ist das Buch Die Phänomenologie des Geistes  eine sehr lohnende Lektüre.

„Leidenschaft allein würde nichts Großartiges auf der Welt erreichen.“

Georg Wilhelm Friedrich Hegel