Gefühlskalter Partner: Wie wirkt sich mangelnde Zuneigung auf die Beziehung aus?

Wenn es keine Anzeichen von Zuneigung seitens des Partners gibt, machen sich Unzufriedenheit und Leere breit. Wir sprechen heute von gefühlskalten Menschen.
Gefühlskalter Partner: Wie wirkt sich mangelnde Zuneigung auf die Beziehung aus?

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2023

Zuneigung und Zärtlichkeit sind wichtige Säulen in einer Beziehung, doch ein gefühlskalter Partner ist nicht in der Lage, sie zum Ausdruck zu bringen. Viele rechtfertigen sich mit der oberflächlichen Bemerkung “Ich bin nun mal so” oder “Ich bin kein Romantiker”. Sie glauben, dass es wichtig ist, Liebe zu fühlen, sie sich jedoch nicht bemühen müssen, sie zu zeigen – ganz nach dem Motto “Du weißt ja, dass ich dich liebe”. Damit versuchen sie, den mangelnden Ausdruck an Zuneigung zu normalisieren.

Eine gefühlskalte Liebe ist allerdings ein Widerspruch in sich, denn die Zuneigung ist der Grund für die emotionale Bindung zu der anderen Person. Liebe zeigt sich durch Zärtlichkeiten, Kommunikation und gegenseitige Gefühle. Ein gefühlskalter Partner kann durch sein Verhalten die Beziehung ruinieren.

“Wer verliebt ist, ist demütig. Wer liebt, hat sozusagen ein Stück seines Narzissmus eingebüßt.”

Sigmund Freud

Gefühlskalter Partner spricht mit seiner Frau
Ein gefühlskalter Partner lässt wenig Raum für Vertrautheit und emotionale Zufriedenheit.

Gefühlskalter Partner und der Mangel an Zärtlichkeit

Die Professoren Hesse und Mikkelson von den Universitäten Oregon und Whitworth haben sich in einer Studie aus dem Jahr 2022 mit dem Problem des gefühlskalten Partners beschäftigt. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Zuneigung eines Partners entscheidend für die Erhaltung einer guten psychischen Gesundheit ist.

Die Studie untersuchte den Beziehungsstatus von 401 Personen mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren. Sie fanden heraus, dass Personen mit einem gefühlskalten Partner weniger zufrieden waren und weniger emotionale Nähe zu ihrem Partner erlebten. Die Betroffenen berichteten auch, dass sie Phasen der Unsicherheit in der Beziehung erlebten und pessimistisch in die Zukunft blickten. Das machte ihnen Sorgen, was oft zu Stress führte. Mit anderen Worten: Der Partner förderte kein Wohlbefinden, sondern verursachte Sorgen.

Andere Auswirkungen von Gefühlskälte

Ein gefühlskalter Partner beeinflusst nicht nur psychologische Aspekte. Dr. Kory Floyd hat den Zusammenhang zwischen dem Zeigen von Zuneigung und dem körperlichen Wohlbefinden untersucht. Die Ergebnisse seiner Studie zeigten, dass diejenigen, die von weniger Zuneigung durch ihren Partner berichteten, auch mehr gesundheitliche Probleme hatten.

Insbesondere wies Floyd darauf hin, dass diese Menschen wahrscheinlich alle Arten von körperlichen Schmerzen intensiver empfinden. Es war nicht ungewöhnlich, dass sie über Probleme wie häufige Migräne oder starke Muskelschmerzen bei Routinearbeiten berichteten.

Sie hatten auch generell mehr Probleme, sich ausreichend zu erholen. Einige hatten Schlafstörungen, vorwiegend Schlaflosigkeit. Viele klagten über mehr Müdigkeit im Alltag.

Der Forscher stellte fest: “Die Theorie des Austauschs von Zuneigung legt nahe, dass der Entzug von Liebe bei einer Person zu einem Defizit an Wohlbefinden führen und ein optimales Funktionieren verhindern kann. Es ist auch plausibel, dass Erfahrungen mit körperlichen Schmerzen oder schlechter Schlafqualität den Austausch von Zuneigung mit anderen hemmen können.”

Ein gefühlskalter Partner macht die Beziehung schwierig
Gefühlskalte Partner verletzen die andere Person oft, ohne sich darüber bewusst zu sein.

Gefühlskälte und Schmerz gehen Hand in Hand

Für einen gesunden Menschen ist es ganz natürlich, dass er seine Zuneigung zu geliebten Menschen problemlos ausdrücken kann. Das gibt nicht nur dem Empfänger der Zuneigung emotionale Nahrung, sondern ist auch für den Geber sehr positiv. Der emotionale Ausdruck schenkt beiden das Gefühl von Zufriedenheit, Freude und Glück.

Hinter der Gefühlskälte verbergen sich oft negative Kindheits- oder Beziehungserfahrungen. Es handelt sich um einen Schutzmechanismus, der die Beziehung schließlich zerstören kann.

Wenn du jemanden liebst, musst du es auch zeigen und die richtigen Worte finden. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu tun. Damit stärkst du die Beziehung und förderst den Zusammenhalt.  Professionelle Hilfe kann vorteilhaft sein, um mögliche schwierige Erfahrungen zu überwinden.

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  • Floyd, K., Boren, J. P., Hannawa, A. F., Hesse, C., McEwan, B., & Veksler, A. E. (2009). Kissing in marital and cohabiting relationships: Effects on blood lipids, stress, and relationship satisfaction. Western Journal of Communication, 73(2), 113-133.
  • Hesse, C., Floyd, K., & Mikkelson, A. C. (2022). Affection deprivation is more aversive than excessive affection: A test of affection exchange theory. Personal Relationships.
  • Otiz Barón, M. J., Gómez Zapiain, J., & Apodaka Urkijo, P. (2002). Apego y satisfacción afectivo-sexual en la pareja. Psicothema.

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