Fotografisches Gedächtnis - gibt es das wirklich?

14 September, 2020
Möglicherweise kennst du jemanden, der von sich behauptet, ein fotografisches Gedächtnis zu haben. Diese Menschen können sich sehr schnell etwas merken, indem sie es einfach nur betrachten. Aber stimmt das wirklich?

Menschen, die ein fotografisches Gedächtnis haben, auch eidetisches Gedächtnis genannt, können visuelle oder geschriebene Information vor ihrem geistigen Auge auf sehr detaillierte Weise codieren. Sie verarbeiten das Bild, indem sie es sorgfältig scannen. Stunden später können sie sich noch so daran erinnern, als hätten sie es direkt vor sich.

Forscher schätzen, dass ungefähr 1 % der Bevölkerung diese Fähigkeit hat. Allerdings gibt es einige Kontroversen darüber, ob ein fotografisches Gedächtnis tatsächlich existiert oder nicht.

Einige Menschen glauben, dass Kinder die einzigen sind, die diese Fähigkeit haben, die verschwindet, wenn sie älter werden. Entweder weil sie sie nicht mehr stimulieren oder trainieren oder weil Erwachsene dazu neigen, Dinge visuell und verbal zu kodifizieren. Andere glauben, dass dies nur ein Mythos ist, weil der einzige Beweis von denen erbracht wird, die von sich behaupten, diese Fähigkeit zu besitzen. Weder kognitive Tests noch objektive Evaluationen stützen diese These.

fotografisches Gedächtnis - Nahaufnahme eines braunen Auges

Was ist ein fotografisches Gedächtnis?

Diese Form des Gedächtnisses wird als fotografisches Gedächtnis bezeichnet, weil es Informationen wie eine Fotografie abspeichert. Mit anderen Worten, Menschen mit stark eidetischem Gedächtnis erinnern sich an alles, was auf einem Bild oder der Seite eines Buches erscheint und zwar genau da, wo es sich befindet.

Darüber hinaus kann dies auch auf auditorische Reize zutreffen. In diesem Fall speichert die Person Melodien oder Töne, die sie hört, als Bild in ihrem Gedächtnis ab. Das Außergewöhnliche an dieser Art des Gedächtnisses ist der Detaillierungsgrad, mit dem sich Menschen erinnern können. Zum Beispiel können sie sich manchmal an die exakte Interpunktion einer ganzen Seite erinnern.

Obwohl Wissenschaftler sich für derartige Aussagen und Behauptungen interessieren, konnten sie noch nicht abschließend feststellen, ob ein fotografisches Gedächtnis tatsächlich existiert oder nicht. Darüber hinaus konnten sie auch noch nicht die Faktoren identifizieren, aufgrund derer ein Mensch diese Fähigkeiten haben würde. Es scheint, dass es sich um eine extrem seltene Fähigkeit handelt, die bei Kindern häufiger vorkommt. Allerdings verlieren sie diese normalerweise, wenn sie älter werden, wie wir bereits erwähnt haben.

Der Unterschied zu einem visuellen Gedächtnis

Außerdem möchten wir klarstellen, dass visuelles Gedächtnis und eidetisches Gedächtnis nicht gleichbedeutend sind. Ersteres ist die Fähigkeit, sich bestimmte Dinge mittels visueller Reize zu merken. Letzeres betont den Detaillierungsgrad, mit dem sich ein Mensch an etwas erinnern kann.

Obwohl die meisten Menschen mit dem Konzept des fotografischen Gedächtnisses vertraut sind, erkennst du bereits, warum Zweifel an seiner Existenz bestehen. Die wenigen existierenden Beweise scheinen darauf hinzudeuten, dass diese Menschen aufgrund einer Kombination verschiedener Fähigkeiten das tun können, was sie tun.

Die Fähigkeit, sich so detailliert an bestimmte Dinge zu erinnern, beruht auf einem guten visuellen Gedächtnis, der Vertrautheit mit dem Material, Anstrengung und der Anwendung mnemonischer Techniken. Tatsächlich sagen Menschen, die ein “fotografisches Gedächtnis” haben, dass sie es bereits ihr ganzes Leben hätten und die Fähigkeit durch Übung perfektioniert hätten.

Die Loci-Methode

Menschen mit dieser Fähigkeit neigen dazu, diese zu demonstrieren. Zum Beispiel können sie eine Karte von Italien zeichnen, nachdem sie diese einmal zuvor gesehen haben. Oder sie können sich an jeden einzelnen Tag ihres Lebens seit ihrer Kindheit erinnern oder sich jede Seite eines 9.000-seitigen Buches merken. Allerdings geben nur sehr wenige Menschen preis, was sie tatsächlich dafür unternehmen, um derartig unglaubliche Leistungen zu vollbringen.

Nur sehr wenige der Menschen mit diesen außergewöhnlichen Fähigkeiten haben ihre Tricks verraten. Viele von ihnen nutzen die Loci-Methode, auch als Gedächtnispalast bekannt. Der Gedächtnispalast ist eine sehr nützliche Technik, die auf dem räumlichen Gedächtnis basiert. Laut Psychologen, die auf das Gedächtnis spezialisiert sind, sind die stärksten Erinnerungen mit einem Bild, einem Ort und/oder Emotionen verbunden. Daher kannst du dich zum Beispiel leichter an etwas erinnern, wenn du noch weißt, wo es geschehen ist.

Bei der Loci-Methode geht es darum, dir vorzustellen, eine Reise durch einem Ort zu unternehmen, den du gut kennst. Ideen und Erinnerungen werden während der Reise “gespeichert” oder bestimmten Objekten zugeordnet. Mit anderen Worten, du stellst dir vor, dass jedes Element beispielsweise eine Vase, ein Gemälde oder eine Pflanze ist.

Während du also deine Reise durch diesen vertrauten Ort machst, erscheinen die Erinnerungen praktisch wie von selbst. Menschen nutzen diese Methode seit dem 5. Jahrhundert vor Christus und sie war Gegenstand umfangreicher Forschungen. Studien zeigen, dass diese Technik signifikant dazu beiträgt, die Gedächtnisleistung zu verbessern.

fotografisches Gedächtnis - Auge in einer Waldlandschaft

Kannst du dir ein fotografisches Gedächtnis antrainieren?

Die kurze Antwort lautet ja. Du kannst dir ein fotografisches Gedächtnis antrainieren. Experimentiere mit der Loci-Methode oder mit anderen Strategien, die für dich funktionieren. Forscher sind sich darüber einig, dass du mit einer guten Technik, der Bereitschaft zu lernen und sehr viel Übung beeindruckende Ergebnisse erzielen kannst.

Konsequente Übung und harte Arbeit sind die Schlüssel, um viele Fähigkeiten zu entwickeln, nicht nur ein gutes Gedächtnis. Allerdings scheinen manche Menschen in bestimmten Bereichen kognitiv besonders begabt zu sein. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass sie diese Talente dann auch nutzen. Gleichermaßen bedeutet es aber auch nicht, dass diejenigen, die nicht mit dieser natürlichen Begabung ausgestattet sind, nicht dennoch in der Lage dazu wären, eine bestimmte Fähigkeit zu erlernen.