Finanzielle Abhängigkeit im Erwachsenenalter

· 25. November 2018

Ob wir es wollen oder nicht, Geld ist nun einmal ein wichtiger Teil unseres Lebens. Und ob es uns gefällt oder nicht, das Thema „Finanzen“ ist mit der Globalisierung komplizierter geworden. In vielen Kontexten hat im Vergleich zu der Zeit, in der unsere Großeltern gelebt haben, die Kaufkraft um einiges abgenommen. Beschäftigungskrisen häufen sich. Deswegen gibt es viele Menschen, die im Erwachsenenalter noch immer finanziell von ihrer Familie abhängig sind.

Aus praktischer Sicht ist eine finanzielle Abhängigkeit eine machbare und solidarische Lösung für ein bestimmtes Problem. Aus psychologischer Sicht führt sie jedoch zu einer Reihe von Schwierigkeiten bei der Ausarbeitung wichtiger Projekte. Auch die Erwartungen und Anforderungen der Eltern oder Verwandten, von denen man abhängig ist, haben sich dadurch verändert. Darüber hinaus können sie somit mehr Einfluss auf die folgende Generation nehmen.

Arbeitslosigkeit und finanzielle Abhängigkeit beeinflussen zudem das Selbstbild und das Selbstwertgefühl. Viele Menschen denken, dass es „bequem“ wäre, von anderen abhängig zu sein. Doch in vielen Fällen schadet diese Einstellung nicht nur, sondern ist auch falsch.

„Die Wirtschaft ist der Ursprung der Unabhängigkeit und der Begleiter der Redlichkeit.“

Lord Chesterfield

Eltern diskutieren in der Küche mit ihrem erwachsenen Sohn

Eltern und die finanzielle Abhängigkeit ihrer Kinder

Abgesehen davon, dass es Umstände gibt, unter denen die Suche nach einem Arbeitsplatz zu einem schwierigen Unterfangen wird, gibt es auch Fälle, in denen die finanzielle Abhängigkeit direkt durch die Eltern hervorgerufen wird. Darüber hinaus verhalten sich viele dieser Eltern, die sich über die fehlende Autonomie ihrer „Kinder“ beschweren, auch wenn es sich widersprüchlich anhört, auf eine Weise, die diese Abhängigkeit begünstigt.

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Am häufigsten kommt es vor, dass sich ein oder beide Elternteile mit ihrem eigenen Leben nicht wohlfühlen. Ihre Kinder nutzen sie dann als Vorwand, damit sie nicht nach sich selbst schauen müssen.

Auch gibt es Fälle, in denen Eltern große Schwierigkeiten in ihrer Beziehung haben. Im Zusammenhang mit derartigen Konflikten dienen ihre Kinder manchmal als Vermittler oder Ausreden. Wenn die Kinder dann unabhängig werden, haben die Eltern allerdings keine andere Wahl, als sich mit dem Partner auseinanderzusetzen. Und manchmal sind sie nicht dazu bereit, sich ihren Schwierigkeiten als Paar zu stellen – also wird am Nachwuchs festgehalten, koste es, was es wolle.

Ebenso gibt es Eltern, die die Einsamkeit oder die Trauer fürchten, die aus einer ihnen bereits bewussten Realität resultiert: Ihre Kinder nabeln sich auf der Suche nach ihrem eigenen Platz in der Welt Stück für Stück ab. Ein Platz, an dem Eltern immer ein Teil von ihnen, aber nicht länger die Hauptfiguren oder der wichtigste Bezugspunkt sind.

Kinder von Eltern, die deren finanzielle Abhängigkeit begünstigen

Viele Eltern fördern unabsichtlich die finanzielle Abhängigkeit von ihren Kindern. Sie überbehüten sie von klein auf, was sie zu unsicheren und abhängigen Menschen macht. Auf die Versuche ihrer Kinder, ihr eigenes Leben zu führen, reagieren sie mit Demotivation, Entmutigung oder Manipulation.

Wer so erzogen wurde, wird im Erwachsenenalter eher in eine finanzielle Abhängigkeit geraten. Das Produkt einer solchen Erziehung sind nämlich Menschen mit wenig Selbstvertrauen. Und genau das ist ihr größtes Laster, wenn sie von zu Hause ausziehen, wo sie keine Privilegien mehr haben. Sie brauchen ihren eigenen Platz in der Welt, aber sie wissen nicht, wie sie ihn finden können.

Sie fühlen sich auch nicht dazu in der Lage, diesen Platz zu gestalten. Das führt dazu, dass sie sich schlecht bezahlte oder instabile Arbeitsplätze suchen. Auch kann es passieren, dass sie gerade zu paralysiert sind, wenn sie ihren Job verlieren und nicht schnell einen Ersatz dafür finden.

Junge Frau sitzt erschöpft an ihrem Arbeitsplatz

Ein Problem, für das es eine Lösung gibt

Wenn jemand nicht an sich selbst glaubt oder auf das vertraut, wozu er fähig ist, ist Unternehmertum auf der Arbeitsebene natürlich keine Option mehr. Die Selbstwirksamkeit ist, wie in einer Studie von Novelo, Carrillo y López (X. Kongress des Internationalen Netzwerks der Forscher für Wettbewerbsfähigkeit) festgestellt, in diesem Zusammenhang einer der effektivsten Prädiktoren.

Die Welt ist in ihren Augen so bedrohlich und unzugänglich, dass sie es vorziehen, von ihrer Familie abhängig zu sein. Die Angst übermannt sie. Ihre Angst ist so groß, dass sie lieber kritisiert werden und nicht länger die Privilegien der Unabhängigkeit genießen, um sich keinen schwindelerregenden Herausforderungen stellen zu müssen.

Unsichere und frustrierte Eltern haben oft zur Folge, dass ihre Kinder es ihnen nachmachen. Die Energie sollte nicht nur darauf verwendet werden, sich zu bemühen, den idealen Job zu finden, den man dann nicht bekommt. Auch sollte sie dazu genutzt werden, um sich frei von grundlegenden Ängsten zu machen, die Fortschritte erschweren. Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, ist es für einen Menschen sehr schwierig, ein Lebensprojekt aufzubauen, auf das er stolz sein kann.