Film Mission (1986): Ein Modell zur Charakterbildung

8. August 2019
Historische Filme eröffnen oft einen Raum, in dem du über die Vergangenheit nachdenken kannst. Die originalgetreue Nachbildung einer historischen Figur und das Einfühlen des Publikums in diese Person ist ein Zeichen eines meisterhaften Films. Der Film "Mission" ist nur einer davon.

Der 1986er Film Mission (Originaltitel: The Mission) von Roland Joffé, welcher sowohl ein Erfolg unter Kritikern als auch ein kommerzieller Erfolg war, ist eine nähere Betrachtung wert. Denn der Film hat einen erstaunlichen Soundtrack von Ennio Morricone, eine brillante Besetzung (Jeremy Irons, Ray McAnally und Robert De Niro), eine Oscar-ausgezeichnete Kamera und großartiges Kostümdesign. Es ist auch eine hervorragende Darstellung der Geschichte.

Die gesamte Handlung – Jesuitenmissionen in Südamerika – wird mit großer Genauigkeit dargestellt. Einer der bekanntesten Aspekte dieser Missionen war ihre gemeinsame Organisation. Sie werden oft mit sozialistischen Siedlungen verglichen, und das machte andere Menschen in der betreffenden Zeit sehr misstrauisch.

Jesuitenreduktionen im Film Mission

Der Zwischenraum, den diese Siedlungen zwischen dem portugiesischen und dem spanischen Reich einnehmen, ist der Hauptkonflikt im Film. Der Film Mission bezieht sich also auf den Madrider Vertrag von 1750 zwischen Spanien und Portugal, der zu einem Wechsel des Territoriums und dem Verschwinden der Jesuitenreduktionen (so werden die südamerikanischen Siedlungen des Ordens genannt) geführt hätte.

Einige andere historische und politische Konflikte werden in den Film eingestreut, wie etwa Verweise auf den Marquis von Pombal und französische Persönlichkeiten, die am utopischen Sozialismus beteiligt sind.

Spaniens Gesetze gegenüber der indigenen Bevölkerung spielen auch eine wichtige Rolle im Film Mission. In diesem Fall siehst du vor allem die vielen Arten, in denen die spanischen Behörden selbst gegen diese Gesetze verstoßen haben.

Zum Beispiel gab es die Versklavung von Ureinwohnern, die Untertanen der spanischen Krone waren und daher legal keine Sklaven sein konnten. Die Kolonien waren so abgelegen, dass es für Beamte, Gouverneure und gierige Geschäftsleute nicht besonders schwer war, die Eingeborenen zu missbrauchen.

Ein Standbild von The Mission, in dem Robert DeNiro seine Hand an die Brust hält.

Film Mission: Missionare und Fremde

Aber der Film verdankt seinen Erfolg nicht nur diesen antikolonialen Werten oder der erstaunlichen Nachahmung der Feste und Bräuche der kolonialen Criollo-Gesellschaft. Die Handlung bewegt sich mit ihren sauber ausdefinierten Charakteren durch den Film. Die Hauptdarsteller wirken wie perfekte Archetypen der Menschen ihrer Zeit. Und dennoch weisen sie zeitlose Qualitäten und Emotionen auf, welche es dem Betrachter erleichtern, sich mit ihnen zu identifizieren.

Insbesondere sind zwei Charaktere zu erwähnen: Pater Gabriel (Jeremy Irons) und Rodrigo Mendoza (Robert De Niro). Sie schaffen den Kontrast, den der Regisseur wollte. Ein Blick in die Vergangenheit kann problematisch sein, wenn wir versuchen, diese Zeichen zu verstehen. Es ist einfach, in die Falle zu tappen, sie nach den aktuellen Standards zu beurteilen und zu vergessen, wie lange es schon her ist.

Film Mission: Gabriel und Rodrigo, zwei Seiten einer Medaille

Eines der schwierigsten Dinge, die heute an diesem Film zu verstehen sind, sind wahrscheinlich die Reaktionen der beiden Hauptfiguren, als sie zum ersten Mal auf die Menschen und Kulturen auf der anderen Seite des Ozeans treffen. Trotzdem bleibt eines konstant: der menschliche Geist.

Joffés Einführung in diese beiden zentralen Charaktere im Film Mission ist meisterhaft. Wir lernen sie gleichzeitig kennen, wenn sie zum ersten Mal mit den Guaraní in Kontakt kommen. Um diesen ersten Moment herum baut er dann alle Charaktere im Film auf.

Der Mann Gottes

Pater Gabriel versucht, die Aufmerksamkeit der Eingeborenen auf sich zu ziehen, indem er die universelle Sprache der Musik verwendet und eine Oboe spielt. Die schönen Klänge, die von seiner Oboe kommen, stellen eine Art Kommunikation zwischen zwei Gruppen mit völlig unterschiedlichen Sprachen und Ausdrücken her. Sogar die Soldaten, die instinktiv mit Gewalt reagieren, wenn sie die Guaraní sehen, ziehen sich zurück, wenn sie Gabriels Erfolg sehen.

Die gesamte Handlung ist geprägt von Liebe und Mitgefühl gegenüber Andersdenkenden. Es entsteht ein Gefühl der Gegenseitigkeit. Dies war ein bestimmter Aspekt (aber definitiv nicht der einzige) ihres Kontakts mit den Europäern.

Wie Pater Gabriel gingen viele Ordensleute nach Amerika, um die Menschen dort über diese Sachen zu unterrichten. Diese Sachen, die sie selbst über alles andere schätzten. Die abenteuerlichen und oft tödlichen Teile dieser Missionen mögen heutzutage zu Recht frustrierend erscheinen. Aber du musst dich daran erinnern, wie wichtig diesen Männern ihre eigene Botschaft vom Wort Gottes war. Das kann dann nicht unbedingt rational erklärt werden.

Ein Standbild aus dem Film, das Jeremy Irons mit einer Gruppe von Ureinwohnern hinter sich zeigt.

Der Soldat

Rodrigos Fall könnte unterschiedlicher nicht sein. Er wählt eine andere universelle Sprache mit einem anderen Instrument: seine Waffe. Die Gewalt seiner Schüsse ist besonders wichtig für seine Charakterentwicklung. In dieser Gewalt geht er verloren, und Gabriel und die mitfühlende Reaktion der Eingeborenen ist seine Erlösung.

Die Verzweiflung beginnt zunächst als Gier und ist der Hauptgrund für militärische Konflikte. Diese Art von Konflikten war zu dieser Zeit auch eine Konstante, und selbst die Jesuiten mussten sich zeitweise verteidigen. Mit einem letzten musikalischen Einschub am Ende des Films Mission zeigt uns Joffé die unsterblichen Siege von Männern wie Pater Gabriel.

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