Fasten: Eine spirituelle Praktik

15. Dezember 2016 en Kuriositäten 0 Geteilt

Das Fasten ist eine Praktik, der sich schon seit Menschengedenken fast alle Kulturen bedienen. Anfangs wurde hauptsächlich aus religiösen Gründen gefastet. In gewissen Zeitaltern wurde kollektiv mit dem Ziel gefastet, Gott eine Ehre zu erweisen, damit die Menschen eine Art Begnadigung erhielten. Dieser spirituelle Sinn ist auch heutzutage noch in Praktiken wie der katholischen Fastenzeit oder dem Ramadan der Muslime wiederzufinden.

Im Laufe der Zeit stellte man fest, dass das Fasten sowohl für Körper als auch für den Geist sehr gewinnbringend ist. Aus medizinischer Sicht gesehen ist es eine Praktik, die es dem Körper erlaubt, sich zu entgiften und dazu beiträgt, verschiedene Krankheiten zu bekämpfen. Außerdem ist es für Geist und Verstand wohltuend, zu fasten, da unser Wille auf eine harte Probe gestellt wird.

„Auf Essen und Trinken zu verzichten ist mehr als eine Freude; es ist Balsam für die Seele.“

Leo Tolstoi

Fasten ist ein Akt des gewählten Verzichts. Genau aus diesem Grund stärkt es den Geist und trägt dazu bei, die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Auf eine besondere Art und Weise öffnen wird dadurch unseren Verstand, damit er sich auf die Kenntnis und die Anerkennung unseres Wesens konzentrieren kann. Unser Wille wird auf eine harte Probe gestellt, aber es sollte niemals so weit gehen, dass der Organismus oder Verstand darunter leiden.

Fasten und die Macht des Verzichts

Auch wenn die Gesellschaft großen Wert darauf legt, dass wir unser gesamtes Potenzial dahingehend ausschöpfen, dass wir so viel wie möglich besitzen, bedarf es doch in Wahrheit viel größerer Stärke, verzichten zu können. Einige Philosophen beharren auf ihrem Standpunkt, dass ein Mensch umso weniger frei ist, je mehr er hat. Der Verstand und das Herz des Menschen sollen sich mit diesen materiellen und spirituellen Besessenheiten befassen und anstatt sie für sein Wohl zu verwenden, hält er unvermeidbar an ihnen fest.

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Man sagt, dass nicht derjenige reich ist, der am meisten hat, sondern derjenige, der am wenigsten braucht. Das entspricht insofern der Wahrheit, dass uns das Bedürfnis nicht sehen lässt, was wir alles haben, was uns verletzlich macht. Und es stimmt natürlich, dass vieles, was wir brauchen, mehr eine Antwort auf das ist, was uns der Markt und die Gesellschaft vorschreiben, als ein wahres Bedürfnis. Jedoch vergessen oder ignorieren wir das nur allzu oft und deswegen haben sich viele von uns in „chronisch Bedürftige“ verwandelt.

Fasten erinnert uns daran, dass wir die Macht darüber haben, zu verzichten, sogar auf so etwas Wichtiges wie Essen. Uns freiwillig Nahrung vorzuenthalten ermöglicht uns, eine neue Perspektive anzunehmen. Es ist eine Praktik, die dazu verpflichtet, den Blick wieder auf uns selbst zu richten, die Signale unseres Körpers wahrzunehmen und herauszufinden, welche Gefühle uns begleiten. Wer fastet, kann sicher sein, dass sich die Selbstwahrnehmung und die Eigensensibilität während der Fastenzeit verbessern.

Wenn diese Praktik richtig angewandt wird, ist das Ergebnis sehr gewinnbringend für die Gefühlswelt. Man erlebt eine größere Macht über sich selbst und das steigert das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl. Ein Gefühl von Wohlbefinden macht sich wegen des erreichten Zieles breit und die Frustrationstoleranz steigt. Wer fastet, ist für gewöhnlich ruhiger, selbstkontrollierter und geht sensibler mit sich selbst um.

Fasten und die Gesundheit

Einer der Wissenschaftler, der die Vorteile des Fasten genauer untersucht hat, ist Mark Mattson, Leiter des Neurowissenschaftlichen Labors des Vereinigten Königreichs. Seine Studien haben gezeigt, dass das Fasten eine gesunde Praktik ist, die die Gehirnfunktionen offensichtlich begünstigt.

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Für Mattson verlängert regelmäßiges Fasten die Lebenserwartung und verringert die Degeneration von Neuronen bei Krankheiten wie Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson, da die oxidativen Prozesse in jedem Organ des Körpers gehemmt werden. Auch wird die erstmalige Manifestation von chronischen Krankheiten, die in Verbindung mit dem Alterungsprozess stehen, hinausgezögert.

Aber das ist noch nicht alles: Fasten verbessert auch die kognitiven Fähigkeiten und fördert die Fähigkeit der Neuronen, Verbindungen zueinander aufrechtzuerhalten. Das spiegelt sich in einer gesteigerten Lernfähigkeitund in einem besseren Gedächtnis wider. Mattson meint, Fasten sei so gesund wie mentales und physisches Training, und es sei zu empfehlen, ein- bis zweimal pro Woche zu fasten.

Forscher des Herzinstitutes des Medizinischen Zentrums Intermountain in Utah, USA, berichteten darüber, dass Fasten das Risiko verringere, an einer Herzkrankheit zu erkranken, und dass es den Cholesterinspiegel positiv beeinflusse.

Es wird also bestätigt, dass Fasten physisch und psychisch gewinnbringend für dich ist. Dennoch solltest du nicht vergessen, dass diese Praktik von Ärzten überwacht werden sollte, besonders dann, wenn du an einer Vorerkrankung leidest.

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