Explosive Wut ist ein Anzeichen für ein ernstes Problem

28. März 2019

Wir haben alle mindestens einmal in unserem Leben die Beherrschung verloren. Dieses Gefühl kennen wir also. Die Wut, und nur die Wut, steuert auf einmal unsere Gedanken, unsere Worte und Handlungen. Wir fühlen, dass wir außer Kontrolle sind. Wusstest du, lieber Leser, dass es einen physiologischen Grund gibt, sich so zu fühlen? In Momenten explosiver Wut erleben wir tatsächlich einen vorübergehenden Bewusstseinsverlust. Unser Verstand erstarrt, wenn wir einen Angriff starten. Dann verspüren wir oft nur noch den überwältigenden Wunsch, Schaden zu verursachen.

Wenn wir unsere Beherrschung verlieren, wird unser Verstand im Wesentlichen gedrosselt und das Tier in uns kommt zum Vorschein. Diese animalische Seite, die wir Menschen niemals völlig aufgegeben haben. Viele Menschen schaffen es, diese Instinkte in ihrem Alltag im Zaum zu halten, und sie kommen nur unter extremsten Bedingungen zum Vorschein. Andere hingegen verlieren ihre Coolness immer dann, wenn sie glauben, dass ihr Gegenüber ihnen nicht zustimme – und das kann recht häufig geschehen.

„Handeln wir nicht in wütender Leidenschaft. Das ist, wie eine Seefahrt zu unternehmen, wenn es stürmt.“

Thomas Fuller

Wenn wir unser Temperament zu verlieren neigen, ist das dann ein Teil unser Persönlichkeit? Haben manche Leute es schwerer, ihren Ärger zu kontrollieren? Wir alle wissen, dass manche Menschen emotionaler sind als andere. Aber bis zu welchem ​​Punkt ist dieses Verhalten normal? Wann wird es zum Symptom einer Erkrankung?

Explosive Wut

Wut speist sich aus zwei grundlegenden Quellen. Die eine ist Angst in jeglicher Form, also einfache Bedenken, Sorgen, Angst und Panik. Die andere Quelle ist Frustration. Vielleicht fühlen wir uns nicht wohl in unserer eigenen Haut oder wir erreichen nicht unsere gesteckten Ziele. Eventuell läuft es auch einfach nicht rund in unserem Leben.

Eine Frau schreit ihren Ärger wütend hinaus.

Wenn wir häufig wütend sind, halten wir möglicherweise an einigen falschen Überzeugungen fest, die uns dazu bringen, die Realität auf eine beängstigende und frustrierende Weise zu interpretieren. Hier sind einige dieser Überzeugungen:

  • Es fällt anderen leicht, uns zu verletzen: Dies führt dazu, dass wir verärgert auf alle Anzeichen von Missbilligung oder Ablehnung reagieren.
  • Andere müssen sich so verhalten, dass das Beste für unser Wohlbefinden und unsere Bedürfnisse dabei herauskommt: Wenn unsere Mitmenschen Dinge tun, die dem widersprechen, was wir denken oder fühlen, werden wir intolerant.
  • Es dürfen uns keine Hindernisse im Weg stehen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen: Wenn wir auf irgendeine Art von Barriere stoßen, fahren wir aus unserer Haut.
  • Andere Leute sollten unsere Gedanken lesen und sich unserer Gefühle bewusst sein: Wenn andere uns nicht sofort verstehen oder unsere Emotionen nicht berücksichtigen, fühlen wir uns angegriffen.
  • Wir können nicht zugeben, dass wir frustriert sind: Nur schwache Menschen tun das. Wir aber müssen immer stark sein, auch wenn uns die Situation sehr ängstigt.

Der Kreislauf der Wut

Explosive Wut ist das Ergebnis von aufgestauter Angst und Frust. Kleine Ärgernisse fangen an, in uns zu schwellen, wenn diese sich über die Zeit häufen und wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Ja, alles beginnt mit leichtem Unbehagen. Das kann uns selbst gegenüber sein oder gegenüber unseren Mitmenschen. Vielleicht verspüren wir solches Unbehagen auch, wenn wir über die Welt im Allgemeinen nachdenken. Wir nehmen uns nicht die Zeit, unseren Ärger zu verarbeiten, und stattdessen versuchen wir, ihn zu ignorieren.

Grafische Darstellung eines Zyklus

Im Laufe der Zeit fühlen wir zunehmend, dass etwas nicht stimmt, aber wir können es nicht ausdrücken oder regulieren. Vielleicht denken wir, dass es mit der Zeit von allein abklingen würde und wir einfach nur weitermachen müssten. Die Dinge ändern sich jedoch nicht und deshalb sind wir weiterhin noch wütend. In diesem Fall machen wir oft harsche Bemerkungen oder lehnen Dinge ab.

Trotz allem schenken wir der unbequemen Situation nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Wie gesagt, wir versuchen, sie zu ignorieren oder distanzieren uns von der Situation. Das funktioniert aber nicht. In dem Moment, in dem uns etwas missfällt, fahren wir aus unserer Haut. Wir verlieren die Kontrolle über unseren Ärger und das führt zu neuen Konflikten und ein Kreislauf der Wut entsteht.

Eine Erkrankung

Im Englischen gibt es eine psychische Erkrankung, die als intermittent explosive disorder  bezeichnet wird. Im Deutschen sprechen wir von Jähzorn. Diese krankhafte Kondition ist durch explosive Wut gekennzeichnet; in bestimmten Situationen reagieren Betroffene mit unangemessener Wut. Aus psychologischer Sicht wird dies dieser Zustand als Impulskontrollstörung eingestuft. Diese Krankheitsgruppe umfasst auch Kleptomanie, Spielsucht und Pyromanie.

Menschen, die an dieser Störung leiden, haben explosionsartige Wutausbrüche. Während dieser Ausbrüche fühlen sie sich befreit und glücklich. Einige Minuten später empfinden sie jedoch Reue. Wer an Jähzorn leidet, zerstört normalerweise Objekte oder wird gegenüber anderen Personen gewalttätig. Der auslösende Faktor ist dabei belanglos. Betroffene, die an dieser Erkrankung leiden, leben in großer Angst und beinahe jeder Tropfen kann das Fass zum Überlaufen bringen.

Bei einem Mädchen scheinen sich die Hände entzündet zu haben.

Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Wenn jemand häufig aus trivialen Gründen aus der Haut fährt und gewalttätig wird, braucht er offensichtlich professionelle Hilfe. Dies ist keine Frage der Persönlichkeit. Dies ist ein ernstes Problem, das behandelt werden muss, damit es nicht zu schwerwiegenden Folgen führt.

  • Sloterdijk, P. (2014). Ira y tiempo: ensayo psicopolítico (Vol. 70). Siruela.