Es scheint in Mode zu sein, nicht zu sagen, was wir fühlen

· 1. Juli 2018

Es scheint, als würden wir uns heutzutage bemühen, nicht zu zeigen, was uns gefällt, wohl aus Angst vor Ablehnung, und zu hoffen, dass uns unser Gegenüber offenbart, was er fühlt, damit wir eine Vorgabe haben, nach der wir uns äußern können. Es hat den Anschein, als wollten wir nicht länger entscheiden, wen wir an unserer Seite haben wollen, als würden wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen auf Zehenspitzen gehen, weil wir uns davor fürchten, diese zu vertiefen.

Es macht uns Angst, einen „Seelenstriptease“ hinlegen zu müssen, bei dem andere sehen, wer wir wirklich sind. Wir fürchten uns davor, unsere Ängste zu offenbaren und unsere Seele verletzlich zu machen, uns fallen und uns von jemandem auffangen zu lassen. Es macht uns riesige Angst, die Oberfläche von allem, was uns umgibt, zu durchdringen, weshalb wir lieber schweigen und uns in unser Schneckenhaus zurückziehen.

Es scheint so, als wäre es in Mode, nicht zu sagen, dass wir jemanden lieben. Wie oft haben wir es heute schon gesagt? Oder diese Woche? Wie viele Menschen lieben wir wirklich? Sicherlich mehr als die, denen wir es in jüngster Zeit mitgeteilt haben. Nicht zu sagen, was wir fühlen, schützt uns vor rein gar nichts, sondern verschließt nur unseren Mund, was unsere Gefühle aber nicht unbedeutender macht.

Nicht zu sagen, was wir fühlen, ist kein guter Stil, weil es uns von unseren Lieben distanziert und uns daran hindert, zum Ausdruck zu bringen, was wir wollen. Zu sagen, was wir fühlen, sollte nie aus der Mode kommen.

Die Angst davor, zu sagen, was wir fühlen

Die Angst davor, uns auszudrücken, unsere innigsten Gefühle preiszugeben, ist ein Verteidigungsmechanismus. Eine Art und Weise, uns vor der Enttäuschung und dem Gefühl des Verlassenwerdens, und letztendlich davor, uns verletzlich zu zeigen, zu beschützen. Es ist normal, dass es uns zu Beginn einer Beziehung schwerfällt, zu sagen, dass wir jemanden lieben, dass uns diese Beziehung glücklich macht und wir deswegen hoffen, dass sie für immer hält. Genauso schwer, wie dankbar für die Liebe zu sein, die uns unser Partner schenkt. Manchmal verschweigen wir das auch, weil wir glauben, dass er es bereits weiß. Aber was ist denn falsch daran, zu sagen, was wir fühlen?

Mann sitzt einsam an einem Feld

Was wir ungesagt lassen, das bleibt in unserem tiefsten Inneren und wird zu einem Knoten, der manchmal schmerzt. Was wir nicht sagen, verfolgt und belastet uns, weil es uns zu Gefangenen unserer selbst macht, was uns von den Menschen entfernt, die wir lieben, und die Verbindung zu unseren Gefühlen kappt.

Hoffentlich hat dieser Trend bald ein Ende, genauso wie Beziehungen, in denen die Liebe nicht so gezeigt wird, wie wir das möchten; Beziehungen, in denen wir annehmen, dass unser Gegenüber alles wüsste, ohne dass wir es je ausgesprochen hätten. Wir sollten versuchen, zu sagen und zu zeigen, wie wir uns fühlen, unser Inneres und unsere Seele zu offenbaren. Wir sollten unsere harte Schale ablegen, uns aus unserem Panzer trauen, um unseren Mitmenschen zu zeigen, was sich in unserem Inneren befindet.

Morgen könnte es schon zu spät sein

Worauf wollen wir warten, um dem anderen zu sagen, dass wir ihn lieben? Worauf wollen wir warten, um uns zu trauen, wieso abwarten, was passiert? Eine Zurückweisung ist immer besser als eine ewige Unsicherheit darüber, was hätte passieren können. Zum Ausdruck zu bringen, was wir fühlen, macht uns weder schlecht, noch schwach oder ignorant, genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Gefühle zu äußern, macht uns zu freien, authentischen und ehrlichen Menschen, weil wir uns so geben, wie wir sind und anderen unser Wesen zeigen.

Das sollten wir nicht auf morgen verschieben. Wir sollten nicht zu viel Zeit verstreichen lassen. Wir sollten nicht zulassen, dass uns jemand zuvorkommt, sondern es jetzt sagen. Wir sollten ausdrücken, was unser Herz fühlt, und zeigen, was wir alles in unserem Herzen tragen. Dieser Trend, nicht zu sagen, was wir fühlen, endet, wenn wir uns dazu entschließen, dass er ein Ende haben soll. Das sollten wir nicht vergessen.

Paar küsst sich bei Sonnenaufgang

Zu sagen, was wir fühlen, und zu fühlen, was wir sagen – diese bidirektionale Verbindung – sollte weder in der einen, noch in der anderen Richtung einreißen. Wir sollten versuchen, uns auszudrücken und zu befreien. Wir sollten sagen, was uns auf der Seele brennt, uns beunruhigt und zum Ausdruck gebracht werden möchte. Wir sollten sagen, was wir fühlen, und diese Erfahrung machen, wie sich Ruhe in uns breitmacht, weil wir es geschafft haben, unsere Angst zu besiegen, weil wir es geschafft haben, zu sein, wie wir sind und wie wir uns fühlen.