Es ist nie zu spät

18. Mai 2016 en Psychologie 3 Geteilt

„Beginne von vorn, noch ist das Spiel nicht vorbei. Beginne von vorn, das Feuer ist noch nicht erloschen. Es ist noch ein weiter Weg. Und morgen wird ein neuer Tag unter der Sonne. Beginne von vorn.“

Alejandro Lerner

Die Zeit und der Umgang mit ihr stellen eine sehr subjektive Angelegenheit dar. Jede Kultur und sogar jede Person versucht, sich ihre Zeit nach ihren Bedürfnissen einzuteilen, aber dennoch erweist sich dies manchmal als unmöglich.

Wann endet die Kindheit? Damals sagten sie, sie reiche bis zum 7. Lebensjahr, sobald der Gebrauch der Vernunft eintritt. Jetzt wissen wir, dass sie bis zum 90. Lebensjahr andauern kann, obwohl der Körper das nicht weiß. 

So tauchen gelegentlich kleine Jungen von 10 Jahren auf, die bedeutende Fragen über die Welt und ihren Sinn stellen. Im Gegensatz dazu gibt es auch 70-jährige Personen, die sich darüber ärgern, dass ihnen jemand ein Stück Schokolade verweigert.

Vor ein paar Jahrzehnten waren Menschen im Alter von 20 Jahren längst bereit, zu heiraten und sesshaft zu werden. Heutzutage erscheint eine solche Entscheidung in diesem Alter eher unbedacht.

Wenn wir das betrachten, was in der Realität passiert, können wir nur zu dem Schluss kommen, dass es in Wirklichkeit  für die meisten Erfahrungen des Lebens niemals zu früh oder zu spät sein kann. 

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Routine und Veränderungen

Dass ein alter Papagei nicht lernen wird zu sprechen, ist sicherlich zutreffend für die Papageien, aber nicht für menschliche Wesen.

Wir sind mit einem Gehirn ausgerüstet, das unendliche Möglichkeiten bietet. Selbstverständlich funktioniert es mit den Jahren immer langsamer, dennoch wird das Gehirn nie völlig ineffizient, außer mit dem Eintritt des Todes.

Viele Male verläuft unser Leben nicht so, wie wir es uns wünschen. Man lässt sich leicht von Routine und Kompromissen einnehmen, und man denkt, das Leben bestünde nur darin, Arbeit zu verrichten, eine halbwegs glückliche Familie zustande zu bringen und ein paar Möglichkeiten zu haben, das Leben zu genießen.

Auch wenn die meisten von uns immer davon träumten, ein Musikinstrument zu spielen, sich erneut zu verlieben oder eine außergewöhnliche Reise zu machen, denken wir manchmal, dass die Zeit, diese großen Träume zu verwirklichen, schon längst vorbei ist. 

Während die Routine sich niemals verändert, arbeiten wir mehr daran, dass sie intakt bleibt, als sie zu durchbrechen. Aber das Leben ist dynamisch und manchmal treten plötzliche Veränderungen auf, die wir nicht vorhergesehen hatten. 

Es bricht eine Wirtschaftskrise auf uns ein und wir verlieren unsere Arbeit. Unser Partner will die Scheidung oder verkündet, dass er umziehen will. Eine für uns wichtige Person stirbt oder es werden neue Technologien entwickelt, die uns zu Analphabeten machen.

Diese Momente der Veränderung erinnern uns daran, dass die Zeit keine kontinuierliche und aufsteigende Linie darstellt. Aber sie rufen uns auch ins Gedächtnis, dass wir alles erreichen und sein können, wenn wir einsehen, dass die nächste Seite unseres Lebens noch komplett unbeschrieben ist.

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Das Gute an einer Krise ist, dass sie uns dazu zwingt, die verschiedenen Richtungen zu erforschen, die unser Leben einschlagen kann. Manchmal ist es tatsächlich unmöglich, zu dem Lebensstil zurückzukehren, den wir hatten, vielleicht durch einen externen Faktor, der es uns verbietet, oder weil wir fühlen, dass wir nicht so weiterleben können, wie wir es zuvor taten.

Diese Momente der Veränderung sind es, in denen es passieren kann, dass für uns ein wunderbar verrücktes Glück auftritt, das wir immer in uns trugen. Wir fragen uns also: „Warum nicht?“

Warum nicht diese eine Person suchen, zu der wir zwar immer einen gewissen Abstand gewahrt haben, die aber immer einen wichtigen Platz in unserem Leben haben wird? Warum nicht ein für allemal diese Arbeit sein lassen, die offenbar für unseren größten Feind erfunden wurde? Warum nicht Klavierspielen lernen, wie wir es uns so oft erträumt haben? Warum nicht die Arme ausbreiten für eine neue Liebe und sie in einer für uns unbekannten Umgebung suchen?

Wirklich, wenn es darum geht uns zu erneuern, ist das Einzige, was zählt, erst einmal die Entscheidung dazu zu treffen. 

Wir haben die Tendenz dazu, an dem Lebensstil zu hängen, den wir immer gepflegt habe. Es bereitet uns Arbeit, zu denken, es sei möglich, anders zu leben.

Wir haben keine Vorstellung davon, wohin wir kommen können, bis in uns die Flamme des Wunsches nach einer Veränderung entfacht. 

Es ist nie zu spät, zu leben, zu lieben und zu lernen, auch nicht zu träumen. Auf diesem Gebiet sind wir ganz und gar erwachsen. Dort lebt für immer der mutige Abenteurer, den wir alle in uns tragen, und der das Glück suchen wird, sobald wir erkennen, dass die Zeit uns gehört, solange wir leben.

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