Erinnere dich an das Kind in dir, bewahre es

22. Januar 2016 en Psychologie 12 Geteilt

Das Kind in mir ist immer noch da, es ist nicht verschwunden. Es ist die Stimme, die ich höre, wenn ich mir erlaube, frei zu sein und zu träumen. Das Kind, das mich darum bittet, die Wunden meiner Vergangenheit zu heilen.

Wir sind es gewohnt, Sätze wie „Man muss das Kind in sich heilen“  zu hören. Dieses Konzept, das wenig mit spirituellen Strömungen oder Ansätzen wie New Age zu tun hat, hat seinen Ursprung in der Psychonanalyse.

Die ersten Jahre unseres Lebens und unsere Erfahrungen in dieser Zeit, prägen einen großen Teil unserer Persönlichkeit, unsere Werte, unser emotionales Gleichgewicht, unser Selbstbewusstsein. Zudem können sich viele dieser Erinnnerungen entweder in Schatten der Angst oder Angststörungen, oder in schöne und glückliche Kindheitserinnerungen verwandeln, die uns stetig auf unserem Weg zum Erwachsenen begleiten.

Jeder von uns verfügt über einen eigenen „existenziellen Baukasten“, in dem die ersten acht Jahre des Lebens zweifellos einen Großteil dessen ausmachen, was wir heute sind. Und dort, in einer gut verborgenen Ecke unseres Selbst, versteckt sich das Kind in uns. Alle tun wir so, als wären wir reife und selbstsichere Erwachsene, gut geschützt durch unsere Rüstungen großer Krieger, bereit, dieser komplexen Welt die Stirn zu bieten.

Oft schließen wir jedoch die Augen und merken, dass uns etwas fehlt, dass uns etwas schmerzt, was nicht von einer äußeren, sondern von einer inneren Verletzung herrührt. Es gibt ein Kind in uns allen, das dort zurückgeblieben ist, wo es eine bestimmte Art des Verlustes gegeben hat, ein nicht gedecktes Bedürfnis.

Darüber wollen wir heute sprechen.

Das Kind in mir und seine emotionale Vergangenheit

Möglicherweise schmunzeln nicht wenige über die Phrase „das Kind in mir“ oder halten sie gar für Ironie. Für viele bedeutet dieser Ausdruck Schwäche, Naivität und einen Blick auf die Welt, wie ihn jemand hat, der noch nicht viel Lebenserfahrung hat.

„Erwachsene wissen alles und Kinder wissen nichts“,  denken sie. Und noch viel schlimmer: „Die Kindheit ist dieser Lebensabschnitt, den wir in Unbekümmertheit und absolutem Glück leben“,  schätzen viele diese Etappe ein.

Die Kindheit ist das Erwachen des Lebens, wenn unzählige Fragen aufkommen und wir die ersten Antworten bekommen. Wenn wir einzig von Verdrossenheit, Mangel, Traurigkeit und Verwahrlosung umgeben sind, wird es uns nicht leicht fallen, uns in emotional stabile Erwachsene zu verwandeln.

Junge auf Elefant

Um reif und glücklich aufzuwachsen, muss jedes Kind eine gesunde emotionale Bindung entwickeln, innerhalb derer es aufrichtige Liebe findet, die ihm auf jedem seiner Schritte, bei jedem Rückschlag, Halt gibt und für jede seiner Erfahrungen Mut. Wenn die Beziehung zu unseren Eltern nicht stabil ist, wird uns das prägen.

Kindheit ist nicht immer ein Synonym für Glück oder Sorglosigkeit. Niemandem ist körperliches oder emotionales Wohlergehen nach dem Erblicken des Lichts der Welt garantiert.

Ein Kind zu sein ist nie einfach, weil man immer auf die Hilfe anderer angewiesen ist, um Laufen zu lernen, die ersten Worte zu sprechen, und um zu lernen, dass sich Ängste durch Umarmungen und die richtigen Worte lindern lassen.

Die Bedürfnisse des Kindes in uns

Nun, da wir geklärt haben, dass wir alle ein Kind in uns haben, ist es wichtig zu wissen, was es von uns verlangen kann.

Denke einen Moment über Folgendes nach:

  • Das Kind in dir kann von dir verlangen, dass du bestimmte Aspekte deiner Vergangenheit klärst.
  • Es ist möglich, dass du zu etwas Bestimmtem in deiner Kindheit eine Erklärung brauchst, eine Entschuldigung erwartest, oder eventuell musst du dich sogar entschuldigen.
  • Es kann genauso gut sein, dass es in deiner Vergangenheit gar nichts zu klären gibt. Aber das Kind in uns verlangt ebenfalls von uns, in unserem Alltag freier zu sein.
  • Du solltest dir erlauben, deine Wirklichkeit etwas zu relativieren. Befreie dich vom Stress und deinen Sorgen.
  • Sei spontaner, erlaube dir öfter zu lachen, etwas von deiner verloren gegangenen Naivität wiederzuerlangen und mit dieser die Träumerei.
  • Das Kind in uns verlangt ebenfalls nach Liebe. Lieben und geliebt zu werden. Überwinde deine Bedenken, deine Scham oder dein Auftreten als grauer Erwachsener, und erlaube dir etwas emotionale Freiheit.

Wie wir das Kind in uns heilen

Jeder Prozess emotionaler Heilung bedarf unserer vollen und aufrichtigen Überzeugung. Niemand wird gezwungen, frei zu sein. Es gibt keine Notwendigkeit es zu sein.

Es sollte klar geworden sein, dass man ein bestimmtes Problem nicht lösen kann, wenn man sich nicht zuerst eingesteht, dass man eines hat. Denke, zum Beispiel, an deinen Alltag.

Leidest du unter Stress? Hast du die Fähigkeit zum Träumen verloren? Hast du das Gefühl, dass dich dein Partner, so sehr er sich auch anstrengt, nicht glücklich macht? Gibt es eine Art von Liebe, die dir fehlt, die du aber nicht definieren kannst?

Kind mit Stern

Diese kurze Übung zur Veranschaulichung und emotionalen Rekonstruktion, kann uns bei vielen Dingen helfen.

  1. Suche ein Foto, das aufgenommen wurde, als du klein warst, als du sieben oder acht Jahre alt warst.
  2. Lass die Erinnerungen zurückkommen, in Ruhe. Rufe dir diese Jahre in Erinnerung und mach dich frei, damit die Gefühle und Bilder wiederkommen können.
  3. Nun stell dich dir selbst mit diesem Kind vor. Ihr beide, das „erwachsene Ich“ und das „Ich deiner Kindheit“, von Angesicht zu Angesicht.
  4. Frag es, was es braucht, was es will, was ihm fehlt. Frag es, was es sich wünscht, um sich frei zu fühlen und erfüllt zu sein.

Reflektiere darüber, es wird dir bestimmt helfen.

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