Entscheidungsmüdigkeit oder die Qual der Wahl: Was hilft?

Wusstest du, dass wir täglich rund 20.000 Entscheidungen treffen? Die meisten davon erfolgen unbewusst, doch wenn es sich um komplexe oder schwierige Entscheidungen handelt, verbrauchen Körper und Geist dabei große Mengen an Energie.
Entscheidungsmüdigkeit oder die Qual der Wahl: Was hilft?

Letzte Aktualisierung: 01. Juli 2021

Entscheidungsmüdigkeit entsteht durch mentale Überlastung, zu der es kommt, wenn wir zu viele oder sehr komplexe Entscheidungen finden müssen. Der Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel geht davon aus, dass wir täglich rund 20.000 Entscheidungen treffen, die meisten davon unbewusst. Dies erfordert sehr viel mentale Energie.

Im Endeffekt greifen wir bei Ermüdung auf Automatismen zurück, um ohne Reflexion zu entscheiden, da unsere Ressourcen aufgebraucht sind. Erfahre heute mehr über dieses Thema und was du dagegen tun kannst.

Was ist Entscheidungsmüdigkeit?

Unsere kognitive Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt, doch häufig stehen wir vor vielen Entscheidungen, die zum Teil einfach, jedoch auch sehr komplex sein können. Wenn es unserem Geist zu viel wird, entsteht Stress, was wiederum dazu führt, dass wir nicht einmal mehr in der Lage sind, einfache Antworten zu finden und durchdachte Entscheidungen zu treffen. Es fällt uns jedoch oft nicht leicht, die Entscheidungsmüdigkeit selbst zu erkennen.

Entscheidungen sind mental und körperlich erschöpfend. Sie machen müde, genauso wie große körperliche Anstrengungen. Stress und Prokrastination sind weitere Begleiterscheinungen.

Frau leidet an Entscheidungsmüdigkeit

Die Folgen von Entscheidungsmüdigkeit

Die Entscheidungsmüdigkeit macht nicht nur die Wahl zu einer Qual, die geistige Erschöpfung kann auch weitere Folgen haben:

  • Sorgfältiges Nachdenken fällt schwer.
  • Rasche Entscheidungen, ohne nachzudenken, können negative Auswirkungen haben, die danach bereut werden.
  • Automatismen ersetzen durchdachte Entscheidungen, was ebenfalls unerwünschte Konsequenzen haben kann.

Wie gehe ich mit Entscheidungsmüdigkeit um?

Es gibt zwei wichtige Schritte, die dir helfen können, die Entscheidungsmüdigkeit zu überwinden.

Analysiere die Entscheidungen, die du treffen musst

Der erste Schritt, um der Entscheidungsmüdigkeit zu begegnen, besteht darin, alle Entscheidungen zu analysieren, die du treffen musst. Sind wirklich alle nötig? Hast du tatsächlich die Verantwortung für all diese Entscheidungen oder liegen sie im Bereich anderer Personen?

Zuständigkeiten verlagern

Wenn die Entscheidungen, die du treffen „musst“, nicht wirklich in deinem Verantwortungsbereich liegen, ist es an der Zeit, sie an die entsprechende Person weiterzuleiten. Lerne, zu delegieren und entscheide, dich nicht um Dinge zu kümmern, für die du nicht zuständig bist.

Was tun bei Entscheidungsmüdigkeit?

Sobald du deine Verantwortlichkeiten identifiziert und bestimmte Entscheidungsfindungen delegiert hast, kannst du dich auf deine eigenen Verantwortungen konzentrieren. Es ist an der Zeit, etwas gegen die Müdigkeit und Erschöpfung zu unternehmen. Doch wie gehst du dabei am besten vor?

Setze Prioritäten

Du hast deine Aufgaben identifiziert und musst jetzt Prioritäten festlegen. Schreibe diese in drei Spalten auf ein Blatt Papier: “dringend”, “wichtig”, “kann warten”.

Liste alle Aufgaben in jeder dieser Spalten nach ihrer Priorität auf. Dies wird dir helfen, Entscheidungsmüdigkeit zu reduzieren, da du weniger dringende Aufgaben zu einem anderen Zeitpunkt entscheiden kannst und so deine Stressgefühle und Druck reduzierst.

Übe dich in Selbstfürsorge

Du musst nicht nur Verantwortungen identifizieren und Prioritäten setzen. Auch Selbstfürsorge ist von großer Bedeutung. Achte beispielsweise auf gesunde Lebensgewohnheiten. Dazu gehören eine gute Ernährung (ausgewogen und ohne Snacks zwischen den Mahlzeiten), regelmäßige Schlafgewohnheiten (eine ausgeglichene Schlafhygiene ist sehr positiv) sowie eine stabile Routine und ausgearbeitete Zeitpläne.

Wer leidet am ehesten unter Entscheidungsmüdigkeit?

Menschen in Berufen, in denen über den Tag verteilt viele Entscheidungen getroffen werden müssen (insbesondere komplexe oder wichtige Entscheidungen), leiden häufiger unter Entscheidungsmüdigkeit. Dazu gehören unter anderem Ärzte, Unternehmer, Teamleiter, Führungskräfte usw.

Auch Menschen mit der Tendenz zum Grübeln sind dafür anfälliger. Warum? Das ständige Nachdenken erschöpft, da es einen großen Energieaufwand erfordert. Wenn außerdem noch schwierige Entscheidungen auf dich warten, vervielfacht sich das Gefühl der geistigen Erschöpfung.

Mann mit Entscheidungsmüdigkeit

Handle bei den ersten Symptomen

Obwohl es Menschen gibt, die ein höheres Risiko haben, an Entscheidungsmüdigkeit zu leiden, können wir uns alle jederzeit im Leben in dieser Situation wiederfinden. Du solltest jedoch bereits bei den ersten Symptomen aufmerksam werden, die sich meist durch geistige Erschöpfung äußern. Doch auch extreme körperliche Müdigkeit kann darauf hinweisen.

Wenn du lernst, deine Verantwortungen zu erkennen, Aufgaben zu priorisieren, deine Zeit effizient einzuteilen und weniger wichtige Entscheidungen nicht sofort zu treffen, kannst du deine mentale Überlastung verhindern. Übe dich in Selbstfürsorge! Du kannst dann wieder neue Energie schöpfen und deinen Alltag weitaus besser meistern.

Selbstfürsorge ist keine Zeitverschwendung; Selbstfürsorge macht deine Zeit nachhaltiger.

Jackie Viramontez

Es könnte dich interessieren ...
Zeit für uns allein: ein grundlegendes Bedürfnis
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Zeit für uns allein: ein grundlegendes Bedürfnis

Zeit für uns allein ist unerlässlich, um wieder mit uns ins Gleichgewicht zu kommen, besonders in den Phasen, in denen wir uns überlastet fühlen.



  • Espino, O.G. (2004) Pensamiento y razonamiento. Pirámide.
  • Fernández-Marcos, T. & Calero-Elvira, A. (2015). Efectos de la detención del pensamiento y la defusión cognitiva sobre el malestar y el manejo de los pensamientos negativos. Behavioral Psychology, 23(1): 107-126.