Enkopresis: Symptome, Ursachen und Behandlung

9. November 2019
Enkopresis gehört, wie auch die Enuresis, zu den sogenannten Ausscheidungsstörungen. Sie tritt bei Kindern im Alter von 4 bis 9 Jahren auf und kann ihnen sehr große Probleme verursachen. In unserem Artikel werden wir dir erklären, was Enkopresis ist, welche Ursachen diese Erkrankung hat und wie sie wirksam behandelt werden kann.

Enkopresis und Enuresis sind zwei sogenannte Ausscheidungsstörungen. Diese beiden Störungen beschreiben die Unfähigkeit von Kindern, ihren Kot beziehungsweise Urin bei sich zu behalten, wenn sie in einem Alter sind, in dem sie bereits dazu in der Lage sein sollten.

Von Enkopresis spricht man, wenn ein Kind nicht in der Lage ist, seinen Stuhlgang zu kontrollieren. Bei der Enuresis kann das Kind seinen Urin nicht bei sich behalten. Beide Störungen können zu großen Problemen führen, besonders, wenn die unkontrollierte Darm- bzw. Blasenentleerung in der Öffentlichkeit und außerhalb des häuslichen Umfelds geschieht.

Generell sollten Kinder ab dem Alter von vier Jahren dazu in der Lage sein, ihren Stuhlgang zu kontrollieren. Das ist auch das Alter, in dem sie üblicherweise keine Windeln mehr tragen. Bevor jedoch eine Enkopresis bei Kindern diagnostiziert werden kann, müssen zunächst andere medizinische Ursachen ausgeschlossen werden. Dazu gehört auch die Einnahme von Laxativa (Abführmitteln), welche ebenfalls eine unkontrollierte Darmentleerung verursachen können.

Es gibt tatsächlich einige Erkrankungen, die dazu führen können, dass der Stuhlgang nicht kontrolliert werden kann. Hierzu gehören beispielsweise die Hirschsprung-Krankheit (in einem Teil des Dickdarms fehlen Nervenzellen, was zu einer Darmverengung führt), Spina bifida oder eine Laktoseintoleranz.

Enkopresis - Mädchen auf dem Töpfchen

Enkopresis mit oder ohne Verstopfung

Es wird zwischen verschiedenen Arten von Enkopresis unterschieden. Meistens handelt es sich dabei um eine Überfüllung des Darms. Es gibt eine Form, bei der die Ursache eine chronische Verstopfung ist und eine andere, bei der keine Verstopfung vorliegt.

Zur Behandlung dieser Störung ist es sehr wichtig, dass du mit deinem Kind einen Arzt aufsuchst. Dieser wird eine Anamnese vornehmen und verschiedene medizinische Untersuchungen durchführen. Da die unterschiedlichen Formen der Enkopresis jeweils anders behandelt werden, ist eine genaue vorherige Abklärung unbedingt erforderlich.

Retentive Enkopresis (Einkoten im Zusammenhang mit Verstopfung)

Bei der retentiven Enkopresis erfolgt der Stuhlgang normalerweise sehr unregelmäßig. Daher kommt es auch zu häufigem Einkoten. Es kann aber auch vorkommen, dass dein Kind täglichen Stuhlgang hat, dabei aber nicht alle Fäkalien ausscheidet.

Daher ist es sehr wichtig, dass der Arzt dein Kind gründlich untersucht, denn mittels einer Röntgenuntersuchung kann er feststellen, ob dies die Ursache ist. Viele Studien belegen, dass die retentive Enkopresis durch körperliche Funktionsstörungen verursacht wird. Ungefähr 80% aller Fälle sind retentiv, diese Form wird auch als Überlauf-Enkopresis bezeichnet.

Nicht-retentive Enkopresis (Einkoten ohne Verstopfung)

Die Ursache einer Enkopresis ohne Überlauf-Inkontinenz ist oftmals ein schlechtes Töpfchen-Training. Weitere Ursachen können Stress im Umfeld des Kindes oder in der Familie sein. Auch Widerstände, die das Kind durch dieses Verhalten zum Ausdruck bringt, können ursächlich sein. Wenn diese Form der Enkopresis vorliegt, dann müssen zunächst weitere Faktoren wie beispielsweise geistige oder antisoziale Störungen ausgeschlossen werden.

Daher ist es ratsam, dein Kind auch psychologisch untersuchen zu lassen. Dadurch können weitere mögliche Ursachen wie beispielsweise oppositionelles Trotzverhalten oder andere verhaltens- oder stimmungsbedingte Störungen wie auch psychotische Störungen abgeklärt werden. Wenn dein Kind an einer Depression leidet, dann kann Enkopresis lediglich ein Symptom dieser Erkrankung sein.

Primäre und sekundäre Enkopresis

Ein weiterer Aspekt, der bei der Diagnose einer Enkopresis relevant ist, ist die Regelmäßigkeit und Häufigkeit des Einkotens. Hat dein Kind überhaupt keine Kontrolle über den Stuhlgang oder gibt es auch Phasen, in denen es in der Lage ist, diesen zu kontrollieren? Es gibt Kinder, die zu keinem Zeitpunkt Kontrolle über ihren Stuhlgang haben. Andere wiederum haben bereits gelernt, ihren Stuhlgang zu kontrollieren und es gelingt ihnen für einen gewissen Zeitraum. Danach treten die Probleme erneut auf.

Dieser Aspekt ist daher so wichtig, weil die Ursachen für primäre und sekundäre Enkopresis unterschiedlich sind. Wenn dein Kind nie gelernt hat, seinen Stuhlgang zu kontrollieren, könnte das auf eine frühe Fixierung und somit auf ein psychisches Problem hindeuten.

Die Ursachen für die sekundäre Enkopresis, bei der dein Kind die Kontrolle über den Stuhlgang bereits erlernt hatte und dann wieder rückfällig wurde, sind vielfältig. Es können beispielsweise Umwelteinflüsse eine Rolle spielen, Stress in der Schule oder zu Hause, verschiedene Ängste oder Angststörungen und viele mehr.

Außerdem solltest du wissen, dass Enkopresis, im Gegensatz zur Enuresis, häufiger am Tag als in der Nacht auftritt.

Epidemiologie: Tritt Enkopresis häufiger bei Jungen oder bei Mädchen auf?

Die Epidemiologie befasst sich unter anderem damit, welche Gruppen besonders häufig an einer bestimmten Erkrankung leiden. Bei der Enkopresis lassen sich einige Unterschiede feststellen. Bei Kindern ab einem Alter von vier Jahren tritt Enkopresis bei Jungen wesentlich häufiger auf als bei Mädchen. In der Altersgruppe der 7 bis 8-jährigen Kinder tritt diese Erkrankung bei Jungen nur noch 1.5 % häufiger auf als bei Mädchen.

Die Auswirkungen auf die betroffenen Kinder und ihre Eltern

Aufgrund der Art der Erkrankung und der Tatsache, dass das Thema Stuhlgang in unserer Gesellschaft schon immer tabuisiert war, stellt die Enkopresis eine sehr schwierige und herausfordernde Situation für die betroffenen Kinder dar. Sie kann große Auswirkungen auf ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbild haben, denn diese Erkrankung lässt sich nur schwer verbergen.

Wenn sich eine Enkopresis ausbildet, gehen die meisten Kinder bereits in die Schule. Daher ist es eine sehr kräftezehrende und ausgesprochen unangenehme Situation für die Kinder, wenn sie sich in der Pause unkontrolliert einkoten oder während des Unterrichts den Stuhlgang nicht kontrollieren können.

Gleichermaßen schwierig ist diese Situation für die Eltern und all das kann zu Spannungen und Problemen im häuslichen Umfeld führen. Da es sich um eine Erkrankung handelt, brauchen die Kinder unbedingt die Unterstützung der Eltern. Weitere belastende Situationen sind daher sehr schädlich für das Kind. Stattdessen sollten die Eltern mit ihnen einen Arzt aufsuchen und den Kindern dabei helfen, auch zuhause notwendige Veränderungen vorzunehmen.

Ätiologie und Ursachen

Die Ursachen, die zur Entstehung einer Enkopresis führen, sind, wie bei den meisten anderen Erkrankungen, sehr vielfältig. Es gibt sowohl psychologische als auch physiologische Ursachen. Allerdings gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass diese Erkrankung genetisch bedingt sein könnte.

Zu den häufigsten physiologischen Auslösern zählen Ernährungsprobleme, Entwicklungsschwierigkeiten oder ein Unvermögen, den Stuhlgang zu kontrollieren. Psychologische Ursachen können Ablenkbarkeit, Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität, die Angst vor der Toilette oder auch Ängste vor schmerzhaftem Stuhlgang sein.

Außerdem vertreten einige Experten die Auffassung, dass Enkopresis mit einem Lerndefizit zusammenhängt. Nach dieser Lehrmeinung besteht das Problem darin, dass die Signale, die der Körper des Kindes an das Gehirn sendet, um ihm mitzuteilen, dass es zur Toilette gehen muss, von ihm nicht als diskriminative Stimuli erkannt werden können. Daher merkt das Kind nicht, dass es zur Toilette gehen muss. Aus diesem Grund sucht es dann auch nicht das Badezimmer auf.

Andere Theorien sehen einen Zusammenhang zwischen retentiver Enkopresis und Vermeidungsverhalten. Dabei erlernt das Kind, den Stuhlgang zu unterdrücken, um dadurch Schmerzen oder damit verbundene Ängste zu vermeiden. Es handelt sich hierbei um eine negatives Vermeidungsverhalten, welches zu starker Verstopfung führen kann. Dieser Zustand wiederum kann dann zur Entstehung einer sekundären Enkopresis führen.

Es gibt eine Lehrmeinung, die besagt, dass die nicht-retentive Enkopresis bei den Kindern entstehen kann, welche nicht richtig gelernt haben, das Töpfchen zu benutzen. Meistens werden sie abgelenkt und der Stuhlgang gelangt unkontrolliert in die Hose. Dennoch ist auch hier das Problem, dass diese Kinder den Schließmuskel nicht richtig kontrollieren können.

Enkopresis - Kind mit Toilettenpapier

Medizinische Behandlung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen

Die medikamentöse Behandlung erfolgt üblicherweise durch eine Kombination von Abführmitteln (Laxativa) und Einläufen. Außerdem empfehlen viele Ärzte eine Ernährungsumstellung, die reich an Ballaststoffen ist und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme beinhaltet. Darüber hinaus gibt es das sogenannte Levine Protokoll (1982), welches psychoedukative Aspekte (dem Kind wird die Zeichnung eines Darms gezeigt) und Belohnungsanreize umfasst.

Die Behandlungsansätze, die sich auf die Verhaltensänderung des Kindes beziehen, zielen besonders darauf ab, dass das Kind eine tägliche Routine für den Stuhlgang erlernt. Außerdem beinhalten sie Anpassungen im Umfeld des Kindes, Reizkontrolle und die Verstärkung alternativer Verhaltensweisen. Im Jahr 1992 haben die beiden Forscher Howe und Walker eine Methode entwickelt, bei der die Behandlung mittels operanter Konditionierung erfolgt.

Es gibt verschiedene Formen der Enkopresis, die unterschiedliche Ursachen haben können. Obwohl diese Erkrankung durchaus behandelt werden kann, stellt sie doch für die betroffenen Kinder eine sehr große Belastung dar.

Daher ist es sehr wichtig, dass du dein Kind in dieser schweren Situation nicht alleine lässt und alles dafür tust, ihm schnellstmöglichst bei der Bewältigung dieser Problematik zu helfen. Außerdem solltest du darüber nachdenken, warum dein Kind unter dieser Erkrankung leidet. Aus diesem Grund ist es auch erforderlich, dass dein Kind sowohl medizinisch als auch psychologisch untersucht wird, um so alle möglichen Ursachen und Auslöser zu erfassen.

  • Bragado, C. (2001). Encopresis. Madrid: Pirámide.