Empathie – die schwierige und bereichernde Aufgabe, sich in andere hineinzuversetzen

10. Januar 2018 en Psychologie 1400 Geteilt
Empathie zeigen - Zwei Personen legen die Köpfe aneinander

Wir sind sowohl mit unserem Inneren als auch mit der Außenwelt verbunden. In beiden Verbindungen spielt die Empathie eine wichtige Rolle. Durch den technischen Fortschritt wird die Außenwelt, mit der wir interagieren, stetig weiter. Umfangreichere Komunikationsmöglichkeiten gehen dabei jedoch mit der Übermittlung weniger Informationen einher und machen es denjenigen schwierig, die Empathie zeigen wollen. Stell dir nur einmal vor, wie kompliziert es sein kann, Empathie für eine Person zu zeigen, mit der man nur über Textnachrichten kommuniziert? Dabei kann es so einfach sein diese Empathie zu erreichen, wenn man jemandem von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht.

Beginnen wir aber am Anfang. Wir können Empathie als die Fähigkeit bezeichnen, den emotionalen und kognitiven Zustand anderer Personen oder von uns selbst zu verstehen. Dabei handelt es sich sowohl um Emotionen und Gefühle als auch um Ideen und Gedanken. Dieses Verständnis ist zudem die Konsequenz daraus, dass wir uns den Umständen des anderen annehmen.

Es ist weder eine schwierige noch eine leichte Aufgabe, Empathie zu zeigen. Manchmal macht sie es aber erforderlich, Stereotype abzulegen und gewisse Problemlösestrategien, für die sich unser Verstand so sehr begeistert, abzulegen.  Es handelt sich dabei um einen umfassenden Auftrag. Denn die Welt eines anderen oder unser Inneres ist genau das: komplex. Dabei nehmen sie einen großen Teil unserer Aufmerksamkeit in Anspruch.

Andererseits gibt es Personen oder Umstände, denen man zuspricht, mehr Empathie als andere hervorzurufen. So ist es zum Beispiel einfacher, denjenigen gegenüber Empathie zu zeigen, die uns ähnlich sind. Mit Personen, die unsere Hilfe benötigen, verhält es sich gleich. Wir hätten somit ein gutes Motiv, um empathisch zu sein, wenn wir eine Bitte als aufrichtig empfinden.

Feinde der Empathie

Wir Menschen sind zum einen ein Produkt der Situationen, die uns ab unserer Geburt formen. Mitunter fördern sie unsere Gleichgültigkeit. Diesbezüglich lassen sich verschiedene Faktoren anführen:

  • Egozentrik
  • Misstrauen
  • Werteverlust
  • Der individuelle Wettbewerb, Erfolg um jeden Preis
  • Klassendenken: Herkunft + Bildung = sozialer Status

Auf der anderen Seite kann man sagen, dass das Fehlen von Empathie mit Konsequenzen verbunden ist. Es entfernt uns von warmherzigen und aufrichtigen Umarmungen, einem uneigennützigen Geschenk, dem Lächeln der Freundin oder der Hand, die uns ausgestreckt wird, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Das Gesetz des Stärkeren verhindert das Verständnis um die Bedürfnisse der anderen, sei es des Ehegatten, der Familie, des Nachbarn, des Kollegen oder des Freundes. Psychologen behandeln täglich tausende von Fällen, in denen sie keine weitere Strategie als aktives Zuhören und Empathie zur Therapie anwenden. 

Zwei Finger, die ineinander verschlugen sind

Was kann Empathie für uns und die anderen tun?

Wir werden versuchen diese Frage auf einer Reise durch verschiedene Situationen zu beantworten:

  • Wir können die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Beziehung zu unserem Partner funktioniert, erhöhen, indem wir uns des Öfteren in die Lage des anderen versetzen. So werden wir sein Bedürfnis nach Zuneigung verstehen. Aber auch wie seine „Rollen“ funktionieren und welches der Ursprung seiner Emotionen ist. Das gegenseitige Akzeptieren der Vorgeschichte negativer Erlebnisse wird beiden helfen, zu leben, statt nur zu überleben.
  • Für eine zufriedenstellende Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehung sind zwei Aspekte von Bedeutung: zum einen das Verständnis des Mitarbeiters, dass die Produktivität gesteigert werden muss. Zum anderen die Bereitstellung des Notwendigsten durch den Arbeitgeber.

Meine Freiheit endet dort, wo die der anderen beginnt.

  • Empathisch zu sein macht uns sensibler und respektvoller in Bezug auf die Grenzen anderer. Zum Beispiel können wir durch Empathie die Frustration verstehen, die Eltern von Kindern mit Autismus zu gewissen Zeiten verspüren, wenn sie sich nicht mit ihnen verständigen können.
  • Und warum sollen wir uns selbst gegenüber empathisch sein? Die ehrliche Überprüfung unserer Stärken und Schwächen wird uns davon abhalten, uns selbst zu verlieren. Zur gleichen Zeit erleichtert sie es uns auch, mit anderen zusammenzukommen.
  • Eine Lehrerin kann ihren Einfluss auf ihre Schüler erhöhen, wenn sie empathisch ist. So kann sie zum Beispiel durch Empathie erkennen, dass das gewalttätige Kind nur das Verhalten seines familiären Umfeldes nachahmt. Ihre Rolle wird wertvoller und zugleich einfacher, wenn sie ihre Schüler versteht. Dazu zählen unter anderem das Verständnis für die Schüchternheit, die Hyperaktivität, die Extrovertiertheit und die Traurigkeit einzelner Schüler.

Ein Lehrer, der nicht empathisch ist, wird Konflikte in seiner Klasse nicht effektiv lösen können.

  • Wenn die Eltern sich daran erinnerten, dass sie einmal Kinder und Jugendliche waren, gäbe es mehr Verständnis. Dadurch würde sich die Kluft zwischen den Generationen reduzieren. Schließlich hat die Elternschaft ihre Erinnerungen nicht radikal ausgelöscht.
  • Die Empathie bei Kindern und Jugendlichen zu fördern und an ihre Gefühle zu appellieren, ist eine hervorragende Ressource, um möglichen unerwünschten Verhaltensweisen vorzubeugen. Dazu zählt die Belästigung oder das Zulassen von Belästigung. In Norwegen wird dazu die KiVa-Methode angewendet. Sie zielt darauf ab, im Beobachter von Mobbing Empathie für das Opfer zu wecken.

Wie wir bereits gesehen haben, ist Empathie eine Fähigkeit, die dazu dient, Beziehungen zu verbessern, Bindungen zu stärken und Herzen zusammenzubringen. Sie ist außerdem nützlich, um einem großen Teil moderner Leiden vorzubeugen. Diese sind zutiefst von einem Gefühl der Leere und Einsamkeit geprägt, das sich bei vielen Menschen niedergelassen hat. Sie schreien, fühlen sich aber nicht gehört, angenommen und nicht geliebt.

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