Emotionales Wohlbefinden in Bildungspolitik und -praxis

14 Juni, 2020
Heute wollen wir dir eine sehr innovative Methode vorstellen, um emotionale Probleme von Kindern und Jugendlichen zu behandeln: emotionales Wohlbefinden in der Bildungspolitik und -praxis.
 

Emotionales Wohlbefinden in der Bildungspolitik und -praxis verfolgt das Ziel, Kindern und Jugendlichen beizubringen, wie sie im täglichen Leben mit ihren Emotionen umgehen können. Obwohl dir das möglicherweise gar nicht bewusst ist, werden bei Kindern immer häufiger verschiedenste emotionale Störungen diagnostiziert. Ungefähr 15 % dieser Fälle haben mit Ängsten zu tun.

Unser immer schneller werdendes Lebenstempo, schulische Anforderungen, häuslicher Stress und genetische Veranlagung für emotionale Störungen sind nur einige der Faktoren, die zur Entstehung einer psychischen Erkrankung beitragen können. Daher gibt es viele unterschiedliche Behandlungsansätze, um diese Probleme zu lösen.

Bisher war es üblich, zur Behandlung spezifischer Störungen kognitive Verhaltenstherapien anzuwenden. Wenn beispielsweise eine Depression in der Kindheit diagnostiziert wurde, setzte die Psychologie häufig das PEAC Méndez-Programm oder Stark ACTION ein.

Momentan besteht allerdings ein weitaus größeres Interesse daran, verschiedene psychische Störungen auf transversale Weise zu behandeln. Der Grund für diesen Ansatz ist die Tatsache, dass viele dieser Störungen letztendlich eine gemeinsame Kernursache haben. Für erwachsene Patienten stehen beispielsweise Nortons transdiagnostische kognitive Verhaltenstherapie oder Barlows einheitliches Protokoll zur Verfügung.

Das Ziel beider Programme ist es, Faktoren zu identifizieren, die verschiedenen emotionalen Störungen gemein sind (Angstörungen, Depressionen, somatotrophische Störungen usw.). Diese Faktoren kann der Patient mit seinem Therapeuten besprechen, der dann die wirksamsten und geeignetsten Techniken und Behandlungsstrategien auswählt.

 

Die gute Nachricht ist, dass diese Vorgehensweise inzwischen auch im Bereich der Kinderpsychologie Anwendung findet. Daher werden momentan Programme wie beispielsweise emotionales Wohlbefinden in der Bildungspolitik und -praxis getestet.

Emotionales Wohlbefinden in der Bildungspolitik und -praxis: Merkmale

emotionales Wohlbefinden - trauriges Kind

Jill Ehrenreich, ein Psychologe an der Universität von Miami und Direktor des Behandlungsprogramms für Stimmungs- und Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen, hat ein innovatives Programm zur Behandlung emotionaler Probleme von Kindern entwickelt und erfolgreich getestet: das einheitliche Protokoll für transdiagnostische Behandlung emotionaler Störungen von Kindern und Jugendlichen.

Grundlage für die Entwicklung dieses Protokolls ist unter anderem die Tatsache, dass die Trennlinie zwischen den unterschiedlichen Störungen auch bei Kindern sehr schmal ist. Genau wie bei Erwachsenen sind Angststörungen und Depressionen häufig komorbide Erkrankungen.

Bei Kindern, die diese Behandlung erhielten, nahm laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift für kognitive und verhaltenstherapeutische Behandlung (Cognitive and Behavioral Practice) publiziert wurde, die Schwere von Angststörungen und Depressionen signifikant ab.

 

Das Hauptziel dieser Intervention ist es, die Schwächen eines jeden Patienten zu identifizieren. Anschließend wird ein Plan erstellt, der verhindern soll, dass diese unüberwindliche Hindernisse bei der Lösung von Problemen darstellen. Daher beinhaltet dieser neuartige Behandlungsansatz neben kognitiven Techniken auch effektive verhaltenstherapeutische Strategien.

“Du bist mutiger als du glaubst, stärker als du scheinst und klüger als du denkst.“

-Christopher Robin-

Die Hauptsäulen dieser Behandlung für emotionales Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen sind folgende:

  • Erziehung über Emotionen. Dabei erlernen die Kinder, Emotionen zu identifizieren und zu verstehen, welche Rolle sie spielen.
  • Umgang mit Emotionen. Die Patienten erlernen den Zusammenhang zwischen Gedanken, Emotionen und Verhalten. Darüber hinaus wird ihnen erklärt, wie sich eine Intervention in einem der drei Aspekte auf die anderen Bereiche auswirkt.
  • Fähigkeiten zur Problemlösung. Für kleine Kinder werden die Problemlösungstechniken von D’Zurilla und Goldfried angewendet.
  • Strategien zur Bewertung von Situationen. Die Patienten erlernen, wie sie erkennen können, ob eine Situation aversiv, neutral oder positiv ist.
 
  • Training der Eltern. Manchmal sind die Probleme der Kinder auch auf die Einstellung der Eltern zurückzuführen, insbesondere wenn es sich um negative Verstärkung handelt. Daher ist die Vorbildfunktion, die die Eltern haben, von entscheidender Bedeutung, um diese Variable zu kontrollieren.
  • Verhaltensaktivierung. Hierbei handelt es sich um eine klassische Strategie, die bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Daher verfolgt sie das Ziel, die positive Verstärkung einer Person in ihrem Umfeld zu steigern.

Studien zu dieser Therapie

emotionales Wohlbefinden - Mädchen mit gesenktem Blick

Die Forscher führten mit 22 Kindern im Alter von 7 bis 12 Jahren eine Studie durch. Jedes teilnehmende Kind hatte die primäre Diagnose einer Angststörung. Darüber hinaus wurde bei allen Kindern sekundär eine Depression diagnostiziert.

Für insgesamt 15 Wochen nahmen die Studienteilnehmer einmal wöchentlich an einer Gruppentherapie für emotionales Wohlbefinden teil. Die Ergebnisse waren folgende: 14 der 18 Kinder, die das Programm abgeschlossen haben, erfüllten die Kriterien einer Angststörung nicht mehr. Außerdem erfüllte nur noch eines der fünf Kinder, die vor der Behandlung eine depressive Störung hatten, nach dem Programm weiterhin diese Kriterien.

 

Eines der überraschendsten Ergebnisse war die Verbesserung der komorbiden Depression und Angststörung. Normalerweise verlangsamt eine Depression die Behandlung oder erschwert diese, wenn dabei noch eine weitere psychische Störung besteht. Da die meisten Therapien nicht auf die gleichzeitige Behandlung mehrerer emotionaler Probleme ausgelegt sind, ist dies ein sehr verbreitetes Problem.

Die Hypothese der Forscher, die auf den Ergebnissen von Peter Norton basiert, war folgende: Wenn sie die Hauptstörung aus einer breiteren Perspektive behandeln würden, die auch geeignete Strategien gegen Depressionen umfasst, würde sich dadurch auch die Depression verbessern. Norton betont, dass der Schlüssel darin liegt, die gemeinsame Grundursache zu finden, die hinter allen Problemen liegt. Darüber hinaus müsse man sich von „künstlichen Unterscheidungen“ lösen.

  • Rattue, G. (2012). Novel Intervention Helps Kids Suffering From Depression And Anxiety. Medical News Today