Emily Dickinson - Die Biographie einer rätselhaften Frau

17 August, 2020
Eine der rätselhaftesten Figuren der amerikanischen Poesie ist Emily Dickinson. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass sie durch ihr Schreiben immer wieder Grenzen überschritt. Sie war eine einzigartige Frau, deren Leben viele Legenden hervorgebrachte.

Emily Dickinson gilt als eine der größten Dichterinnen aller Zeiten. Daher ist die Tatsache, dass sie zu Lebzeiten nur sechs erfolgreiche Gedichte veröffentlicht hat, äußerst merkwürdig. Sie war jedoch immer eine rätselhafte Person, weshalb Wissenschaftler viele Aspekte ihres Lebens immer noch nicht verstehen. Infolgedessen unterliegt ihr Leben allen Arten von Spekulationen.

Ein Mysterium ist, dass sie über 300 leidenschaftliche Liebesgedichte geschrieben hat… Niemand weiß, wer diese große Liebe war, vor allem weil sie nie einen romantischen Partner hatte. Tatsächlich starb Emily Dickinson alleinstehend und wahrscheinlich als Jungfrau.

„Wenn ich ein Buch lese und es meinen ganzen Körper so kalt macht, dass mich kein Feuer erwärmen kann, weiß ich, dass das Poesie ist.“

-Emily Dickinson-

Außerdem ist nicht klar, ob einige ihrer Gewohnheiten Exzentrizitäten waren oder ob sie unter einem ernsten emotionalen Problem litt. Offensichtlich ist jedoch die Tatsache, dass sie eine außergewöhnliche Dichterin war, die nun sogar mit anderen Größen, wie Edgar Allan Poe oder Walt Whitman, verglichen wird.

Dickinson liebte es bereits in jungen Jahren, Geschichten für ihre Klassenkameraden zu erfinden

Emily Dickinson: Eine glückliche Kindheit

Emily Dickinson wurde am 10. Dezember 1830 in Amherst, Massachusetts in eine sehr privilegierte Familie hineingeboren. Ihre Familie hielt sich strikt an protestantische und puritanische Traditionen, die ihr Leben und ihre Poesie tiefgreifend beeinflussten. Sie definierte ihren Stil jedoch nie vollständig. Manchmal wirkte sie wie eine klassische Mystikerin. Ein anderes Mal wirkte sie heidnisch.

Emilys Vater war, wie andere Familienmitglieder auch, eine wichtige Regierungsperson. Und ihre Familie eröffnete eine der ersten Schulen für Mädchen. Dies war durchaus außergewöhnlich zu jener Zeit, da Mädchen nur selten eine formelle Ausbildung erhielten.

Die zukünftige Dichterin besuchte eine örtliche Grundschule und lernte dort die Grundlagenwissenschaften. Darüber hinaus nahm sie auch Klavierunterricht bei ihrer Tante und erhielt weitere Privatstunden. Dazu gehörten die Gartenarbeit und der Gartenbau, Aufgaben, die sie bis zu ihrem letzten Lebenstag liebte. Ebenso bewunderte sie die Astronomie.

Eine eigenartige junge Frau

Nach Abschluss ihrer Grundausbildung verließ Emily Dickinson ihr Elternhaus, um in einem Seminar für junge Menschen zu studieren. Sie studierte akademisch, aber ihr Hauptziel war es, religiöse Missionare auszubilden. Es waren ihre Lehrer, die ihr vorschlugen, sich dieser Aktivität zu widmen, aber nach langem Überlegen entschied sie sich schließlich dagegen. Infolgedessen absolvierte sie ihr Studium als „Nicht-Bekehrte“.

Tatsächlich hatte sie das Seminar aufgrund gesundheitlicher Probleme verlassen. Gelehrte wissen, dass sie eine tiefe Bewunderung für die Poesie hatte und es bereits in jungen Jahren liebte, Geschichten für ihre Klassenkameraden zu erfinden. Nachdem sie das Seminar verlassen hatte, kehrte sie zum Haus ihrer Eltern zurück und blieb dort für den Rest ihres Lebens.

Zwei Männer weckten großes Interesse in ihr. Einer war Benjamin Franklin Newton, ein kluger und intelligenter Mann, der in ihr Leben trat, um ihr Lesungen zu empfehlen und ihrer Intelligenz zu schmeicheln. Der mögliche Verehrer litt jedoch unter Tuberkulose und wurde womöglich aus diesem Grund von ihr ferngehalten. Er starb kurz darauf und sein Tod traf sie schwer.

Der andere Mann war Charles Wadsworth, ein Pastor, der auch Pianist war. Er war verheiratet und soll angeblich eine Distanz zwischen ihnen geschaffen haben, um „nicht in Versuchung zu geraten“. Allerdings ist dies nicht vollständig bestätigt. Was wir wissen ist, dass sie ihn zutiefst bewunderte, aber dass auch er starb.

Zu Dickinsons Lebzeiten wurden nur sechs ihrer 1.800 Gedichte veröffentlicht

Exzentrizität und Genialität

Viele Biographen spekulieren, dass ihre Liebesgedichte diesen Männern gewidmet waren. Eine plausiblere Theorie ist jedoch, dass ihre Zuneigung Susan Gilbert galt. Sie war ihre Freundin aus Kindertagen und auch die Frau ihres Bruders. Dies könnte erklären, warum so viele Geheimnisse ihre Beziehungen und Zuneigungen umgeben.

Emily Dickinson lehnte es nicht nur ab, ihre Werke zu veröffentlichen, sondern weigerte sich sogar, sie mit denen zu teilen, die ihr am nächsten standen. Zu ihren Lebzeiten wurden infolgedessen nur sechs ihrer 1.800 Gedichte veröffentlicht.

Die letzten 15 Jahre ihres Lebens verbrachte sie zurückgezogen. Zuerst in ihrem Haus und dann in ihrem Zimmer. Sie nahm auch die Gewohnheit an, nur Weiß zu tragen.

Während dieser Zeit ging sie nur nach draußen, um sich um ihren Garten zu kümmern. Den Rest des Tages verbrachte sie jedoch drinnen. Sie starb am 15. Mai 1886 an Nierenproblemen.

Vinnie, ihre jüngere Schwester und treue Bewundererin, fand 40 Gedichtbände in Notizbüchern, die Emily versteckt hatte. Vinnie ist die Person, die Emily Dickinsons außergewöhnliche Arbeit mit der Welt teilte.

Chávez, F. E. (2007). El silencio de Dickinson. Lectora: revista de dones i textualitat, (13), 61-68.