Eine Liebe, um die man betteln muss, ist keine Liebe

21. April 2016 en Emotionen 2223 Geteilt

Eine Liebe, um die man betteln muss, ist keine Liebe, das ist fehlende Würde und fehlender Respekt gegenüber sich selbst. Du liebst jemanden, du kümmerst dich um ihn und versuchst, ihn so gut wie möglich vor Verletzungen zu schützen, aber du glaubst ihm nicht. Wenn du dich nicht selbst vor solcher „falscher Liebe“ beschützt, wenn du dich nicht selbst vor Verletzungen bewahrst, dann liebst du dich nicht.

Doch darin besteht der erste Schritt, um eine erfüllte Liebe zu leben, um nicht manipuliert, schlecht behandelt oder in eine Opferrolle gedrängt zu werden. Wahrscheinlich denken oder fühlen wir in dieser Situation, dass das Leiden unvermeidbar ist, dabei stimmt das gar nicht.

Jeder Mensch ist dazu in der Lage, sich selbst zu überwinden, es unmöglich zu machen, dass man seine Gefühle ausnutzt, und zu erkennen, dass wir eine bestimmte Beziehung nicht verdient haben, weil sie uns kein Glück, keine Freude und keinerlei Wachstum bringt.
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Der Schmerz, jemanden zu lieben, der dich nicht liebt

Um einen klaren Kopf zu bekommen und sich von einer Liebe zu verabschieden, die uns keine Aufmerksamkeit oder Zärtlichkeit gibt, müssen wir unsere Zeit der Trauer respektieren. Dazu brauchen wir wiederum einen Raum, in dem wir verstehen lernen, was uns passiert ist.

Liebeskummer braucht Reflexion und Überwindung, denn die Beklemmung, die wir spüren, wenn wir schließlich bemerken, dass uns jemand nicht liebt, gibt uns das Gefühl, als würde uns etwas von innen her auffressen. Wir fühlen, dass diese „Nicht-Liebe“ unsere Gefühle verraten hat und sich über unsere Fähigkeit, zu lieben, lustig gemacht hat.

Man muss sich Zeit geben, um sich zu ärgern, um die Realität zu verneinen, um zu fantasieren, um entsetzt zu sein, um zu verwahrlosen, um sich nicht mehr wiederzuerkennen und dann die Teile zu erkennen, die kaputt gegangen sind und welche weiterhin funktionieren, um die Gefühle wieder zusammenzusetzen.

All dies ist unentbehrlich, um uns selbst zu lieben, um uns wertvoll zu fühlen und uns wertzuschätzen. Am Ende, wenn man eine „Nicht-Liebe“ hinter sich lässt, beginnt ein Prozess emotionaler Freiheit, der aus dem Wohlbefinden heraus entsteht, den Schmerz verabschiedet zu haben.

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Fehlendes Interesse tötet die Zuneigung

Liebe sollte gezeigt, nicht erbettelt werden. Macht man dies, dann unterstellt man unsere Fähigkeit zu lieben ihrem schlimmsten Peiniger: Der Gleichgültigkeit. Die Gleichgültigkeit entsteht aus dem Ungleichgewicht in einer Beziehung und bleibt dank deren schwachen Fundamente aufrecht erhalten.

Es gibt nichts Besseres als ständige Zeichen von Desinteresse, um die Augen dann doch zu öffnen, wenn wir uns eigentlich gezwungen fühlen, sie zu schließen.

Wir bemerken dann schließlich, dass nicht jede „Liebe“ wirkliche Liebe ist, dass das „lieben“ nicht immer auf Gegenseitigkeit beruht und dass es, um ein glückliches Paar zu werden, nötig ist, dass beide Partner zusammen lachen, ihre Komplizen und gute Liebhaber sind.

Nur wenn es keine Lügen, Entschuldigungen und Desinteresse gibt, dann kann eine Liebe entstehen, die in ihrer Essenz auf Freiheit und gesunden Verhaltensweisen beruht und nicht auf Unterwürfigkeit. Wir haben eine solche Beziehung verdient, die uns Wahlfreiheit lässt, die uns Nähe gibt, die auf Wertschätzung, gemeinsam verbrachter Zeit und gegenseitiger Zärtlichkeit beruht.

Paar

Wir müssen unser Selbstwertgefühl nähren, uns richtig mögen

Niemand kann dich ohne dein Einverständnis unglücklich machen. Um eine glückliche Partnerschaft aufzubauen, muss man sich selbst etwas bedeuten, sich lieben und sich wertschätzen. Das heißt, dass wir uns jeden Tag zeigen sollten, dass wir uns lieb haben.

Haben wir dies einmal erreicht, werden wir dazu fähig sein, nicht mehr nach dem zu suchen, der uns nicht vermisst und uns kein Interesse zeigt, uns nicht mehr dem emotionalen Peiniger der Gleichgültigkeit ausliefern, der versucht, uns mit ignorierten Nachrichten oder unbegründetem Schweigen zu verbiegen.

Uns ist solche Liebe egal, die uns enttäuscht, egal, ob wir dabei das Gefühl haben, die Liebe unseres Lebens an unserer Seite zu haben oder auch dann, wenn wir nicht an ewige Liebe glauben. Wirkliche Liebe ist unentbehrlich und es ist die Liebe zu einem selbst die den Ausgangspunkt dafür bildet, einen emotionale Distanz einzunehmen und zu bewerten, was wir verdient und was wir nicht verdient haben.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Benjamin Lacombe

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