Ein Teil meiner Erinnerungen, bis es nicht mehr wehtut

· 10. Dezember 2015

Tut mir leid. Aber du warst es nicht. Das warst nicht du, der mich inspirierte. Mein Heute und mein Morgen. Meine Lust am Lachen. Mein Glanz. Mein Licht.

Das warst nicht du, der das Beste aus meinen finsteren Tiefen herausholte. Das warst nicht du, der mich jede Nacht unter das dunkle Himmelszelt führte, um die Sterne zu streicheln. Das warst einfach nicht du, oder wolltest es nicht sein.

Und während ich mir diesen Sternenhimmel vorstelle, schlafe ich langsam ein. Raus aus meinem Bett, raus mit dir, raus aus mir, raus aus meinen Erinnerungen. Morgen ist ein neuer Tag. Das Bett ist leer. Zu groß. Zu viel Platz. Und das Traurigste ist, dass es immer so gewesen ist, egal ob du nachts bei mir warst oder nicht.

Ich strenge mich an und stehe auf, um dieses leere und dunkle Loch nicht mehr zu sehen. Ein Geruch nach Kaffee durchströmt die Küche. Es riecht gut, er tröstet mich. Ich versuche, mich zu erinnern. Nicht einmal eine klare Erinnerung habe ich. Bilder häufen sich in einem stürmischem Rythmus in meinem Kopf an. Ein Kuss an meinem Hals. Eile. Ich fange an, mich zu erinnern…

Das warst nicht du, der mich morgens Prinzessin nannte, und mir während all dem Gähnen ein Lächeln abgewann. Wer wird mir vertrauen. Wer wird für immer zu mir sagen „Ich bin bei dir“? Wer wird mir mit seinem Lächeln tausend Sonnenaufgänge schenken. Ich war es nicht, die dich darum bat. Du warst nicht meine Wette. Meine Lust mich selbst herauszufordern. Mein Kampf. Vielleicht war es nicht ich, die kämpfen wollte…

Es tut mir leid.

Ich gebe Zucker in den Kaffee. Ich weiß nicht, warum ich es tue. Eigentlich trinke ich ihn schwarz. Vielleicht brauche ich heute eine Pause. Sich zu erinnern kostet viel Kraft. Ich rühre um und warte, bis ich mich nicht mehr so sehr verbrenne. Ich denke nach und schließe die Augen. Ich erinnere mich nicht an Hitze, ich erinnere mich an Kälte.

Das warst nicht du, der jede Nacht meinen Körper erzittern und mein Bett erbeben ließ. Die Augenringe waren egal. Oder die Müdigkeit. Das warst nicht du, der mich an einem verregneten Tag nach draußen drängte, um mich mit Gerüchen und Gefühlen zu beladen.

Hasse mich. Beleidige mich. Das war wahrscheinlich das Emotionalste, was dir in dieser Zeit entfahren ist. Etwas mit eruptiver emotionaler Aufgeladenheit. Etwas, das dieses kalte Herz in dir in Bewegung brachte. Du hast diese diese Beziehung gefrieren lassen.

Wir waren zwei, und nicht nur einer. Darin lag wahrscheinlich unser Fehler. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um zurückzublicken und uns zu fragen, wer die Schuld hatte. Und es tut mir leid, aber das warst nicht du.

Kaffeetasse

Ein Schluck Kaffee. Würzig. Nicht mehr so bitter. Ich genieße und lasse meine Erinnerungen treiben. Er schmeckt nach Nichts. Er schmeckt nach Enttäuschung, nach Ernüchterung, nach Routine. Zusammen spazieren gehen, nur um nicht allein zu sein. Auf ein Heute mir dir und auch ein Morgen. Auf plötzlich hereingebrochene Umstände, auf nicht erkannte Hinweise. Und das sind die schlimmsten. Die Hinweise, die wir nicht als solche erkennen wollen.

Ein Strudel aus Lärm. Menschen, Gläser. Mehr Menschen, mehr Gläser. Bis der Körper an seine Grenzen stößt und bis wir ohne nachzudenken einschlafen. Ohne an dich oder an mich zu denken, ohne an ein Wir zu denken. Gemeinsame Kater sind einfach nicht so schlimm. Vielleicht haben wir deshalb so lange durchgehalten. Wer weiß.

Es ist nicht mehr viel Kaffee übrig, nur noch ein großer Schluck, oder zwei kleine. Und darum geht es. Letzten Endes geht es um Entscheidungen und ich weiß nicht, was ich mit dem Kaffee machen soll. Ich wusste es noch nie. Ich könnte die Tasse auf den Boden werfen und sie zerbräche in tausend Stücke. Die Scherben und den verschütteten Kaffee würde ich später wegräumen.

Warum warst du nicht meine Heiterkeit, meine Freude. Meine Lieblingsecke. Du warst nicht meine Freude, wenn ich heimkam und für ein paar Stunden der Welt entfliehen wollte. Es tut mir leid. Eine Entscheidung zu treffen war noch nie einfach. Morgen werde ich einen neuen Kaffee trinken. Und ich werde diesen kurzen Moment für dich wahren. Bis die Erinnerungen nicht mehr wehtun.

Du, wahre dir deine Erinnerungen, denn in meinem Kopf ist kein Platz mehr.

Ganz tief im Inneren haben wir das immer gewusst.

Weder ich war ich, noch du warst du.