Ein ethischer Verhaltenskodex für Psychologen

· 28. September 2018

Psychologie ist die Wissenschaft, die das menschliche Verhalten und die entsprechenden kognitiven Prozesse untersucht. Das Endziel der Psychologie ist die Verbesserung unserer Lebensqualität. Sie versucht, unsere geistige Gesundheit zu fördern und zu pflegen. Aber wer oder was ist dafür verantwortlich, dass Psychologen diese Prinzipien befolgen? Hier kommt der Verhaltenskodex für Psychologen, ein Kodex der Ethik, ins Spiel.

Der Verhaltenskodex für Psychologen ist ein Leitfaden für jeden, der Psychologie praktiziert. In Deutschland ist er bekannt unter dem Namen „Berufsethische Richtlinien“ und inzwischen wurden auch Richtlinien auf europäischer Ebene definiert. Diese beiden Richtlinien enthalten Dutzende von Artikeln, die unter anderem von Fachkompetenz, Verantwortung und Integrität, Intervention, Forschung und Lehre, Beschaffung und Verwendung von Informationen sowie Werbung handeln.

Die Nichteinhaltung dieser Richtlinien bedeutet, dass ein Disziplinarausschuss eine Bewertung des jeweiligen Psychologen vornehmen kann. Sobald dieser über die Schwere des Vergehens entschieden hat, kann eine entsprechende Sanktion verhängt werden. Diese Sanktion kann mild oder schwerwiegend sein. Sie kann sogar dazu führen, dass dem Betroffenen der Titel und die Lizenz zum Praktizieren entzogen wird.

In diesem Artikel geben wir einen kurzen Überblick über die Grundsätze des Verhaltenskodex für Psychologen. Diese Grundsätze geben einen Überblick über die Ziele dieses Kodex.

Patient spricht mit Therapeut.

Allgemeine Grundsätze des Verhaltenskodex für Psychologen

Das erste der allgemeinen Prinzipien definiert den Zweck der Psychologie. Dabei orientiert man sich an der UNO-Menschenrechtscharta und Rechten wie Wohlbefinden, Gesundheit und Sinnerfüllung. Die genannte Charta umfasst ebenfalls die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, was bedeutet, dass den moralischen und religiösen Überzeugungen des Klienten Achtung gebührt. Dennoch verbietet es diese Achtung dem Psychologen nicht, Überzeugungen infrage zu stellen, wenn es im Rahmen einer Intervention notwendig ist. Was zu unterlassen ist, ist jegliche Form der Diskriminierung, zum Beispiel aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, Glaubens, der Ideologie oder anderen Unterscheidungsmerkmalen des Patienten.

Psychologen dürfen ihre Position der Macht und gewissermaßen Überlegenheit nicht nutzen, um einen Nutzen aus ihrem Verhältnis zum Patienten zu ziehen, weder für sich noch für andere. Dabei geht es auch um die Aufrichtigkeit des praktizierenden Fachmanns. Ein Psychologe mit Sachinformationen darf diese nicht manipulieren oder eine falsche Version übermitteln. Jede berufliche Tätigkeit muss auf Ehrlichkeit, Fairness und Respekt gegenüber den Klienten und der Öffentlichkeit basieren. Der Verhaltenskodex verbietet es Psychologen deshalb in jeglicher Hinsicht, das Gelernte zur Einschränkung der individuellen Freiheit oder zur Misshandlung einzusetzen. Es gibt keine Situationen, die eine derartige Anwendung psychologischer Kenntnisse rechtfertigen würden, kein Bürgerkrieg, keine Revolution und kein anderweitiger Konflikt.

Der Psychologe sollte sich zudem ausschließlich wissenschaftlicher und objektiver Instrumente und Techniken bedienen. Wissenschaftliche Standards gebieten zugleich Vorsicht bei der Diagnosestellung. Psychische Störungen und psychologische Bewertungen gehen oft mit sozialen Stigmata einher, weshalb Psychologen bei ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt vorgehen müssen. Sie sollten jederzeit darum bemüht sein, ihre Klienten nicht sozial zu degradieren.

Psychologe redet mit Patient

Sie sind zum Schutz des Privatgeheimnisses und der Vertraulichkeit verpflichtet, wobei Ausnahmen ausschließlich dann bestehen, wenn der aufgeklärte Klient dem zustimmt oder eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben des Patienten oder Dritter besteht oder der allgemeine Schutz höherwertiger Rechtsgüter dies erfordert.

Jede Praxis in der Psychologie, die den beschriebenen Prinzipien zuwiderläuft, verstieße gegen die Berufsethik.

Die Bedeutung eines Verhaltenskodex für Psychologen

Nun haben wir die allgemeinen Prinzipien des Verhaltenskodex für Psychologen betrachtet. Warum aber ist es überhaupt so wichtig, einen Leitfaden für die Berufsethik zu haben? Vergiss nicht, dass die Psychologie im Gesundheitswesen angesiedelt ist und mit großer Verantwortung einhergeht. Daher kann und soll der Klient verlangen, dass die Dienstleistungen angemessen und vertrauenswürdig sind. Unter dem Strich spiegelt die Praxis der einzelnen Psychologen den Beruf als Ganzes wider.

Psychologe mit Patientin

Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ein Verhaltenskodex für Psychologen so bedeutsam ist. Er hilft, die Bestrebungen der Psychologen auf einem hohen ethischen Standard zu halten und Werte zu schützen. Wir als Gesellschaft wollen eine fundierte Wissenschaft, die für Fortschritt und Wohlbefinden steht – keine Quacksalber, die Schaden anrichten. Deshalb war es notwendig, einen Verhaltenskodex zu schaffen, der verhindert, dass die Praxis der Psychologie von diesen Zielen abweicht. Weil die Gesellschaft sich wandelt, wird auch der Verhaltenskodex immer wieder überarbeitet werden müssen und neue Fassungen sind zu erwarten.

Abschließend wollen wir hinzufügen, dass es die Pflicht aller Psychologen ist, kritisch über ihr eigenes Verhalten nachzudenken. Eine kontinuierliche Diskussion unter engagierten Psychologen ist für alle von Vorteil. Sie hilft, die Praxis zu verbessern und sicherzustellen, dass sie für die Wissenschaft und das Wohlergehen derer, denen sie helfen wollen, arbeiten.

Kritische Reflexion ist übrigens auch keine schlechte Idee, wenn du nicht Psychologe bist. Welchem Kodex folgst du?