Ein Einblick in die Kriminalität durch „The Wire“

15. Februar 2019

HBO strahlte The Wire  zwischen 2002 und 2008 aus. Die Serie ist in Baltimore, Maryland, USA, angesiedelt. Geschrieben wurde die Serie von David Simon. Er arbeitete jahrelang als Journalist für die Zeitung Baltimore Sun.

Die Serie konzentriert sich auf die Gettos von Baltimore, wo es viel Kriminalität gibt und intensiver Drogenhandel betrieben wird. Die Serie zeigt harte finanzielle und soziale Situationen, polizeiliche Maßnahmen und Kämpfe zwischen den verschiedenen Banden und Dealern. The Wire  ermöglicht uns einen Einblick, wie diese Art von Welt funktioniert, vom Drogenkonsumenten bis hin zur obersten politischen Sphäre.

Die Welt in The Wire

In der ruhigen Morgenluft hören wir mehrere Schüsse und herzzerreißende Schreie. Einige Menschen schauen aus den Fenstern und dann … nichts. Nur Stille. Jeder geht seiner Morgenroutine nach, als wäre nichts passiert. Die Bewohner dieses Stadtteils von Baltimore sind an die Gewalt gewöhnt, die die Straßen erschüttert, auf denen sie täglich spazieren gehen. Drogen gehören zum Alltag dazu und sind fast überall erhältlich. Schon früh beginnen die ortsansässigen Teenager, für verschiedene Gangs mit Drogen zu handeln. In ihrer Umgebung scheint der Drogenhandel oft die einzige Möglichkeit zu sein, jemand zu werden.

„Jeder ist im Geschäft.“

Anwohner aus West BaltimoreEine jugendliche Gang, die in Baltimore auf einer Couch vor einem Haus sitzt

Die Polizei

Die Polizei arbeitet hart, um organisierte Banden zu kontrollieren und zu bekämpfen. Die Show thematisiert aber auch die Sinnlosigkeit der angewandten Methoden. Aufgrund ihrer Ressourcen kann sich die Polizei nicht verbessern oder effektivere Methoden zur Verbrechensbekämpfung etablieren. Ein weiterer Stolperstein für die Polizei ist ihr eigenes hierarchisch-statisches System. Dieses System basiert auf einer „Befehlskette“, bei der es nur darum geht, die Spitze zu erreichen. Die damit verbundenen Regeln schränken die Beamten ein, ihre Arbeit zu erledigen. Deswegen ist die Polizeiarbeit häufig wenig wirksam und oft haben die Polizisten mit unangenehmen Überraschungen zu kämpfen.

„Niemand gewinnt. Eine Seite verliert nur langsamer.“

Prezvalousky

Wenn der Verbrecher die Tat noch nicht begangen hat, sind der Polizei die Hände gebunden. Wenn die Polizei eine neue Methode ausprobiert, wird der Kriminelle nur neue Wege finden, um weiterhin seinen illegalen Aktivitäten nachgehen zu können.

Die Show versucht, ihren Zuschauern zu zeigen, dass es praktisch kaum eine Möglichkeit gibt, Verbrechen vorherzusehen oder vollständig einzudämmen. Es sind die Kriminellen, die den Ton angeben, und die Polizei muss sich nach ihnen richten.

Politik und Schmuggel

In The Wire  werden auch politische Rivalitäten gezeigt. Der Kampf um die Macht rechtfertigt alle Mittel, einschließlich der Verwendung von Bestechungsgeldern, Veruntreuung öffentlicher Gelder usw. Es gibt Handlungen, die einen fortlaufenden Teufelskreis nähren. Dies ist ein wiederkehrendes Thema in der gesamten Serie.

Die Menschen „an der Spitze“ legen Grenzen fest, die nicht zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens und Drogenhandels beitragen. Dies zeigt, dass mächtige Menschen in der Politik regelmäßig zu Komplizen der Verbrecher werden, weil sie direkt oder indirekt von dieser Schattenwelt profitieren. Zum Beispiel unterstützen die Gangs bestimmte Politiker mit viel Geld, was dazu führt, dass diese Politiker das Gangproblem nicht lösen wollen. Politiker und Kriminelle pflegen hier eine symbiotische Beziehung.

„Der König bleibt der König.“

D’Angelo

The Wire  nimmt aber auch die Drogenhändler in den Fokus. Der Hafen von Baltimore ist der wichtigste Abschlagsort. Gewerkschaftsmitglieder fordern die Politiker auf, dies zu ändern, aber die kümmern sich nicht darum. Daher greifen die Gewerkschaftsmitglieder auf Diebstahl und illegale Aktivitäten zurück, um die Öffentlichkeit auf diese Problem aufmerksam zu machen.

„Geschäfte. Immer Geschäfte …“

Der GriechePolitiker aus der Serie "The Wire"

Schule

Das Schulsystem fördert den Drogenmissbrauch bzw. die Drogendelikte. Die Standardisierung von Unterricht und Kursinhalten führt oft zum Schuleschwänzen. Schulen behandeln Jugendliche als Zahlen, die die gesetzlich vorgeschriebenen Quoten erreichen müssen, damit die Schule weiterlaufen kann. Deswegen ist es den Lehrern nur wichtig, dass die Schüler am ersten Tag zum Unterricht gehen, um sie als anwesend zu kennzeichnen.

Die angebotenen Kurse sollen möglichst gleich bleiben. Die Schüler erfüllen in der Regel die Mindestanforderungen, ohne jedoch die erforderlichen Fähigkeiten zu erwerben. Das passiert, weil die Gesellschaft sich nicht mit diesen Schülern befassen möchte. Wenn sie nämlich einen Jahrgang wiederholen müssten, wären zusätzliche Mittel erforderlich, die man nicht bereit ist, zu stellen.

Die Bedeutung der Presse

Die Serie zeigt die Presse als ein Medium, das lügt und sensationslüstern ist, um eine größere Leserschaft zu erreichen. Zeitungen brauchen ständig neue Informationen, um relevant zu bleiben. Deswegen übertreiben sie mit ihren Nachrichten, um das Interesse der Lesern zu erhalten. Dies wiederum erhöht ihren Gewinn. Wenn die Zeitung ständig die Wahrheit verdreht, sind Realität und Politik der Manipulation allerdings ausgeliefert.

„Eine Lüge ist keine Seite einer Geschichte. Es ist nur eine Lüge.“

Terry Hanning"The Wire" - Zwei Männer sitzen auf einer Autohaube und unterhalten sich.

The Wire  erzählt die Geschichte eines Systems, das viel Einfluss hat, aber auch unfähig ist, sich zu entwickeln. Dieses System ist durch Menschen geschaffen worden, was es genau diesen Menschen so schwer macht, es aufzugeben. Am Ende entsteht ein Kreislauf der Gewalt und der Macht, in dem sich die Kleinsten angesichts ihrer sozialen Umstände an eine feindliche Realität anpassen müssen. Die Charaktere sehen sich einer Umgebung mit wenigen Ressourcen gegenüber, die sie direkt in eine von Gewalt und Zerstörung geprägte Welt befördert.

„Nur ein Gangster, nehm‘ ich an.“

Avon Barksdale