Durchsetzungsvermögen bei der Arbeit: 5 wichtige Aspekte

20. Januar 2019

Durchsetzungsvermögen bei der Arbeit wird oft mit Konzepten wie Aggressivität oder Feindseligkeit assoziiert. Wenn es aber auf Respekt basiert, hat es überhaupt nichts mit diesen negativen Eigenschaften zu tun. Anders ausgedrückt: Durchsetzungsfähig zu sein bedeutet, die Rechte, die wir als Einzelne und als Bürger haben, zu kennen und zu verteidigen, ohne andere anzugreifen. Durchsetzungsfähigkeit ist daher auch das Gegenteil von Passivität.

Durchsetzungsvermögen hat im Arbeitsumfeld wichtige Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Deshalb ist es wichtig, Durchsetzungsvermögen zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Aber wie geht das?

Verteidige deine Arbeit

Manchmal kann es passieren, dass dein Chef die Lorbeeren erntet, obwohl du als Mitarbeiter die Arbeit geleistet hast. Das ist für einen Arbeitnehmer sehr frustrierend, weil er nicht die gebührende Anerkennung für seine Bemühungen erhält. Stelle dir zum Beispiel vor, dass du mehrere Wochen an einem wichtigen Bericht gearbeitet hast. Wenn es jedoch Zeit ist, den Bericht dem Kunden zu präsentieren, lädt dein Chef dich nicht zur Besprechung ein. Er erwähnt dich auch nicht in seiner Präsentation.

Durchsetzungsvermögen bei der Arbeit bringt dich dazu, dein Schweigen zu brechen, und hilft dir, deine Unzufriedenheit deinem Vorgesetzten gegenüber zu artikulieren. In dem obigen Beispiel würde Durchsetzungsvermögen dir helfen, mit deinem Chef zu sprechen und zu verlangen, dass deine Arbeit die gebührende Wertschätzung erhält. Es geht nicht darum, wütend zu werden oder trotzig zu reagieren, sondern das Gefühl der Geringschätzung soll zum Ausdruck kommen, das durch die fehlende Anerkennung deiner Arbeit entsteht.

Sage deine Meinung prägnant und effektiv

Es steht eine Abteilungsbesprechung an. Es ist eine wichtige Besprechung, denn maßgebliche Entscheidungen müssen getroffen werden, die sich direkt auf dich auswirken. Daher fragen die Vorgesetzten alle Mitarbeiter nach ihrer Meinung zu den anstehenden Veränderungen, wobei die Mehrheit der Arbeitnehmer dem Thema entweder aggressiv oder passiv gegenübersteht.

Ein Chef in einem ernsten Gespräch mit einem seiner Mitarbeiter

Stelle dir vor, einer der Punkte während auf der Tagesordnung lautet: Denkst du, dass das Unternehmen das Budget für deine Abteilung erhöhen sollte? Welche Ideen hast du zum Thema?

  • Eine aggressive Antwort wäre: „Natürlich sollte die Führung dies tun. Wir haben nicht einmal eine Kaffeemaschine.“
  • Eine passive Antwort fällt dagegen so aus: „So oder so ist es in Ordnung. Es wirkt sich nicht auf mich aus.“
  • Eine Antwort, die Durchsetzungsvermögen zeigt: „Wir haben nach der Reduzierung des zugewiesenen Budgets im vergangenen Jahr einige Einschnitte vornehmen müssen. Es wäre zweckmäßig, das Budget auf das vorherige Niveau anzuheben, um die Aufgaben in der Abteilung wieder besser erfüllen zu können.“

Die erste und zweite Antwort wird wahrscheinlich zu Spannungen führen. Die dritte Antwort macht deutlich, dass Durchsetzungsvermögen bei der Arbeit eine soziale Fähigkeit ist, die dir hilft, effizienter mit deinen Kollegen und Vorgesetzten zu kommunizieren. Damit kannst du deine Bedürfnisse ausdrücken und die Positionen anderer verstehen. Es ermöglicht dir, Kompromisse zu finden, wenn es fast unmöglich scheint, dass deine Anforderungen genau so erfüllt werden, wie du es dir wünschst.

Sei dir deines Wertes bewusst

Wenn du auf überzeugende Weise Stellung beziehen möchtest, musst du darauf achten, keine Anfängerfehler zu machen. Einer dieser Fehler ist das Abwerten der eigenen Person mit Sätzen wie: „Ich weiß nicht, ob es funktioniert“, „Das ist nur eine Idee“, „Dafür ist es eh noch zu früh“  und „Es ist nur ein dummer Gedanke“.

Vermeide Füllwörter: Sie helfen dir nicht weiter. Sie vermitteln deinem Gegenüber nur den Eindruck, dass du dir nicht sicher seist, was du sagen möchtest. Wenn du unbewusst Signale aussendest, die deinen Gesprächspartner zum Schluss kommen lassen, dass du nicht von deiner Idee überzeugt wärst, dann wird auch dein Vorschlag skeptischer bewertet.

Rede in der ersten Person

Subjektive Kommunikation besteht darin, deine Gedanken und Gefühle in der ersten Person auszudrücken. Sie erlaubt dir, zu sprechen, ohne andere zu beschuldigen, zu urteilen oder zu kritisieren.

Hier ein Beispiel: Angesichts der Ergebnisse, die das Unternehmen aufgrund deiner Bemühungen und deines Engagements erzielt hat, bist du der Meinung, dass du eine Gehaltserhöhung verdient habest. Es gibt zwei Möglichkeiten, dies deinem Chef mitzuteilen: „Ich möchte über mein Gehalt sprechen“  oder „Wir müssen über mein Gehalt sprechen“.

Der erste Satz klingt viel weniger aggressiv, dafür aber persönlicher. Wie du siehst, verleihen schon kleine Details deiner Sprache einen respektvollen, leichten Klang, der ihre Wichtigkeit dennoch nicht vermissen lässt. So sieht Durchsetzungsvermögen bei der Arbeit aus.Eine Gruppe von Arbeitnehmern in einem hitzigen Gespräch

Klarheit und Kürze

Es gibt zwei Fragen, die du für dich beantworten musst, um deine Durchsetzungsfähigkeit bei der Arbeit zu nutzen. Die erste Frage Frage lautet: Welche Ziele möchte ich erreichen?  Die zweite Frage ist: Welche Ziele verfolge ich mit meiner Nachricht?

Wenn du dein Ziel kennst, kannst du ihm schrittweise näherkommen. Andernfalls wird es schwierig sein, Durchsetzungsvermögen in die Praxis umzusetzen. Es wird sogar bestimmte Fälle geben, in denen der gegenteilige Effekt eintritt, und tatsächlich ist das ein häufiger Fehler: Zu versuchen, durchsetzungsfähiger zu sein und alle Vorschläge ablehnen. Natürlich geht es in Ordnung, Vorschläge abzulehnen, wenn sie nicht mit deinen Werten vereinbar sind oder mit deinen Rechten im Konflikt stehen. Aber du solltest nie Vorschläge ablehnen, nur um selbstbewusster zu wirken.

Vermeide es auch, um den heißen Brei zu reden. Wenn du eine Nachricht in einer Minute statt in 5 Minuten kommunizieren kannst, dann tue es in einer Minute. Wenn du zu sehr abschweifst, verlieren die Teilnehmer des Meetings leicht ihr Interesse.

Durchsetzungsvermögen nach den Big Five beziehungsweise dem Fünf-Faktoren-Modell ist eine Eigenschaft eines extravertierten Menschen. Zudem ist niemand von Natur aus durchsetzungsfähig. Viel mehr handelt es sich beim Durchsetzungsvermögen um eine soziale Fähigkeit, die du entwickeln kannst. Es erfordert Anstrengung, aber auch Wissen, um das Konzept richtig anzuwenden.