"Dune", eine Reise des psychischen Wandels

Obwohl es lange Zeit als selbstverständlich galt, dass Dune eines der am schwierigsten zu adaptierenden Bücher ist, taucht Denis Villeneuve mit seinem Werk in das authentische psychologische Universum ein, das Frank Herberts Werk zugrunde liegt.
"Dune", eine Reise des psychischen Wandels

Letzte Aktualisierung: 07. Januar 2022

Der Autor Frank Herbert verarbeitete in der Saga Dune – Der Wüstenplanet psychologische Grundlagen, um ein komplexes episch-futuristisches Universum darzustellen, das von feinem Wüstensand umhüllt ist. In unserem heutigen Artikel sprechen wir über dieses Werk und die neue Verfilmung des Kanadiers Denis Villeneuve.

Kritiker weisen schon lange darauf hin, dass es einfacher ist, Raum und Zeit zu manipulieren, als eine gute Adaptation von “Dune” zu schaffen. David Lynch hat es 1984 unter der Regie von Dino de Laurentis versucht. Das Ergebnis war seltsam und zusammenhanglos. Es war ein kolossaler Flop, der Lynch dazu brachte, sich selbst zu kritisieren.

Eine ruhigere und introspektive Perspektive war gefragt. Es war deshalb wichtig, den Hintergrund des Autors dieser Saga zu verstehen. Frank Herbert war sehr an Psychologie interessiert, insbesondere an Carl G. Jung, deshalb spiegeln sich die Theorien dieses Meisters in “Dune” wider.

“Träume sind gute Geschichten, aber alles Wichtige passiert, wenn wir wach sind.”

Duncan Idaho, Dune (2021)

"Dune", eine Reise des psychischen Wandels

“Dune”: der Schläfer, der aufwachen muss

Die Saga “Dune” hat schon immer die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Psychologen auf sich gezogen hat. Ein Beispiel dafür ist der Artikel, der 2014 in der Zeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Er unterstreicht ein ganz bestimmtes Bild, das den ersten Teil von Frank Herberts Saga zusammenfasst. Wir haben es mit einem Schläfer (Paul Atreides) zu tun, der aufwachen muss.

In der Psychologie von Carl G. Jung erhält die Welt der Träume eine unbestreitbare Bedeutung. Erinnern wir uns an ein Zitat des berühmten Schweizer Psychiaters: “Wer nach außen schaut, träumt; wer nach innen schaut, erwacht.” Der junge Protagonist von “Dune” ist gezwungen, durch seine Träume und Visionen zu wandern, um seine Rolle in der Welt zu verstehen.

Frank Herbert hat sich lange mit der Arbeit von Carl G. Jung und seinem Konzept des kollektiven Unbewussten beschäftigt. Im Jahr 1949 traf er die Psychologen und Professoren Ralph und Irene Slattery, die selbst Studenten von Jung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich gewesen waren. Was er in diesen Jahren lernte, diente ihm als Grundlage und Inspiration für das Schreiben seiner epischen Saga.

Frank Herbert, der Autor von “Dune”, hielt es für notwendig, seinen Büchern eine psychologische Perspektive zu geben, um wahre Metaphern über die Menschen und ihre Zukunft auf der Erde zu bieten.

“Dune”, eine Kombination aus Hard und Soft Science Fiction

Die Enzyklopädie des Science Fiction bezeichnet jene Werke als “Hard Science Fiction”, die sich an die wissenschaftliche Genauigkeit und Logik halten. Der Begriff “Soft Science Fiction” bezieht sich auf Werke, die auf psychologische, anthropologische, philosophische, ökologische, soziologische usw. Theorien aufbauen.

“Dune” ist eine Symbiose, wobei Soft Science Fiction im Vordergrund steht. Wir befinden uns in einem Kontext von Zukunft und Vergangenheit, in dem sich das Mittelalter mit Technologie vermischt. Ein Beispiel dafür sind die Ornithopter, die Libellen symbolisieren.

Umweltthemen (die von riesigen Würmern beherrschten Wüstenszenarien) und Psychologie sind vorherrschend. In diesem Film wird betont, dass es wesentlich ist, die psychologischen Fähigkeiten vor den technologischen zu entwickeln.

Die Bedeutung des Unterbewusstseins und das Erwachen

Frank Herbert machte sich die Ratschläge, die ihm Irene Slattery, eine Schülerin von Carl G. Jung, gab, zu eigen. Das beste Schreiben muss das Unbewusste berühren und mit den Archetypen des menschlichen Wesens in Kontakt treten: dem Helden, der großen Mutter, dem großen Vater, dem Rebellen, dem Weisen, dem Schatten, der Seele… Wenn wir es genau analysieren, sind all diese Bilder Teil der Erzählung, die er für seine berühmte Saga geschaffen hat.

Andererseits erklärten ihm seine befreundeten Psychologen, dass das Unbewusste eine Stimme haben muss. So sehen wir, wie Paul Atreides nicht nur in seinen Träumen Stimmen hört, sondern es ihm in diesem Prozess des “Erwachens” auch gelingt, mit “der Stimme” zu sprechen, wie ihn seine Mutter lehrt, um den Willen anderer zu beherrschen.

Herbert hat die Theorien von Jung über das kollektive Unbewusste übernommen. Alles, was wir sind, einschließlich dieser inneren “Stimme”, wird durch ein genetisches Gedächtnis weitergegeben, wie das von Jessica Atreides für ihre geheime Schwesternschaft gehütete und an ihren eigenen Sohn vererbte.

Dune ist eine subtile Alchimie, die sich aus verschiedenen Einflüssen zusammensetzt. Auf der einen Seite haben wir die psychologische Strömung von Carl G. Jung. Andererseits gibt es auch Umweltthemen, wie zum Beispiel die Bemühungen, die riesigen Sanddünen in Florence, Oregon, zu kontrollieren. Ein Ereignis, das Frank Herbert miterlebte und das ihm als Inspiration diente.

Dune

Ein Held im Konflikt mit seinem Schicksal

“Dune” ist nur der erste Teil von zwei Trilogien. Zwischen 1965 und 1985 schrieb der Autor sechs Bücher über dieses Universum. Wir wissen nicht, ob die Filmindustrie ebenfalls das Ziel vor Augen hat, die Geschichte nach dem Vorbild von “Star Wars” in die Länge zu ziehen.

Wir möchten jedoch betonen, dass “Dune” ein komplexes literarisches Produkt ist, dessen Adaptation sehr schwierig ist. Es stimmt, dass Denis Villeneuve mit Werken wie “Arrival” und “Blade Runner 2049” bereits gute Erfahrungen hat und er in der Lage ist, poetische, introspektive Filmwelten zu schaffen.

Allerdings muss er tiefer in die Persönlichkeit eines messianischen Führers eintauchen, der in einen bevorstehenden heiligen Krieg verwickelt ist, der mit seinem eigenen Schicksal in Konflikt steht. In diesem ersten Film finden wir einen traurigen Paul vor, der sich in einigen Szenen wie ein zerknirschter Wanderer in einem Nebelmeer vorwärts bewegt.

In den nächsten Produktionen (falls es welche gibt) müsste der Regisseur die Symboliken erfolgreich nachzeichnen, die Herbert geschickt konstruierte. Er sollte Elemente der östlichen Mystik, des Kolonialismus, ökologische Probleme, den Zusammenprall der Kulturen und die psychologische Komplexität eines Helden, der in seine eigenen Konflikte verstrickt ist, miteinander verbinden.

Die Herausforderung ist so groß wie die großen Würmer, die die Wüste auf dem trostlosen Planeten Arrakis durchqueren.

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  • McCrea, Christian. (2019). The Sleeper Has Awakened: After Dune. 10.3828/liverpool/9781911325826.003.0005.